Türkische Mafia-Gruppe Italiens Polizei zerschlägt Syndikat – Razzien auch in Deutschland

red/AFP
Baris Boyun (im grauen Oberteil) wurde verhaftet. Er soll der Kopf der Mafia-Gruppe sein. Foto: AFP/HANDOUT

In einer koordinierten Aktion ist die italienische Polizei mit hunderten Einsatzkräften gegen eine türkische Mafia-Gruppe vorgegangen. Die Kriminellen sollen auch „terroristische Ziele“ verfolgt haben.

 
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Mit Razzien in Italien, Deutschland, der Schweiz und der Türkei hat die italienische Polizei nach eigenen Angaben eine türkische Mafia-Gruppe zerschlagen. Hunderte Ermittler vollstreckten insgesamt 19 Haftbefehle, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Den Verdächtigen wird demnach vorgeworfen, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung zu sein, die auch „terroristische Ziele“ verfolgte. Ihnen wird zudem Mord, internationaler Drogenhandel und Beihilfe zur illegalen Einwanderung zur Last gelegt.

In der Türkei teilte Innenminister Ali Yerlikaya mit, 17 der Festgenommenen seien Türken, darunter auch der 39-jährige Baris Boyun. Der mutmaßliche Mafiaboss soll der Anführer der Bande gewesen sein, die in der Türkei mehrere Morde verübt haben soll, unter anderem mit einem Motorrad-Killerkommando. Die italienische Polizei bestätigte Boyuns Festnahme.

Attentate auf türkische Politiker

Im Februar wurde die Gruppe auch mit einem bewaffneten Angriff auf eine Wahlkampfveranstaltung in Istanbul in Verbindung gebracht. Attackiert wurde eine Veranstaltung des Bürgermeisterkandidaten der regierenden AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Im März gab der türkische Innenminister Yerlikaya einen Großeinsatz gegen die Gruppe bekannt. In der Provinz Tekirdag im Nordwesten der Türkei wurden demnach 13 Verdächtige festgenommen, die Attentate und bewaffnete Angriffe geplant haben sollen. Acht weitere Verdächtige wurden den Angaben zufolge in Izmir gefasst.

Netzwerk europäischer Mafia-Banden

In Italien fanden die Ermittler nach Angaben der Mailänder Staatsanwaltschaft heraus, dass die Gruppe mit einem in mehreren europäischen Ländern aktiven kriminellen Netzwerk in Verbindung stand. Dabei sei es unter anderem darum gegangen, „sich gegenseitig logistisch zu unterstützen, vor allem durch die Bereitstellung von Waffen, Männern und Mitteln aller Art“.

Nach Berichten italienischer Medien stand Boyun in Viterbo nördlich von Rom unter Hausarrest, nachdem er im August 2022 auf der Grundlage eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden war. Seine Auslieferung an die Türkei hatte ein italienisches Gericht demnach abgelehnt.

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