Turbulente vier Minuten Wölfe beißen zu spät

Christian Dreßel
In Kassel oft im Blickpunkt: Michael Weidekamp (links), der die nominelle Selber Nummer eins, Michael Bitzer, im Tor vertrat. Der Goalie, hier gegen den Kasseler Lois Spitzner (rechts), konnte die 2:4-Niederlage der Wölfe nicht verhindern. Spitzner traf zum Endstand. Foto: JMD Photographie/Jan-Malte Diekmann

Zum zweiten Mal in wenigen Tagen verlieren die Selber Eishockeyspieler gegen den EC Kassel Huskies. Die Schlussphase hat es in sich.

Was für wilde vier Minuten: Die Selber Wölfe sahen beim Tabellenführer der DEL2, dem EC Kassel Huskies, kurz vor Schluss schon wie der sichere Verlierer aus, ehe McNeill mit seinem Doppelpack die Gäste wieder auf einen Treffer heranbrachte. Letztlich kam die Aufholjagd aber zu spät. Die 2564 Zuschauer in der Kasseler Eissporthalle am Auestadion sahen vier Tore von der 57. Minute bis zur Schlusssirene.

Gehörig Feuer gab es dabei schon vor Spielbeginn. Zahlreiche Wölfe, die bereits am vorherigen Sonntag in Selb dem Ersten mit 2:4 unterlagen, fanden sich mit den Huskies in einer großen Rudelbildung wieder. Scheinbar waren noch nicht alle Rechnungen der Vorwoche beglichen. Manch einer befürchtete Schwerstarbeit für das Schiedsrichtergespann, dem kurioserweise auch ein Linienschiedsrichter fehlte. Mit Ausfällen hatten auch die Wölfe zu kämpfen. Die stark dezimierte Defensive (nur fünf einsatzfähige Verteidiger) wurde vom etatmäßigen Angreifer Steven Deeg ergänzt. Im Selber Tor hieß es Michel statt Michael: Weidekamp bekam mal wieder die Chance von Beginn. Bitzer, der beste Spieler der DEL2 im November, bekam eine Verschnaufpause.

Selb will Überraschungscoup wiederholen

Und Goalie-Vertreter Weidekamp stand gleich zu Beginn im Rampenlicht. Kassel startete druckvoll und hätte nach einem Alleingang von Tomas Sykora in Front gehen müssen. Der Deutsch-Slowake verzog allerdings (3.). Auf der anderen Seite konnte Mark McNeill nach einem abgefälschten Distanzschuss von Peter Trska die Scheibe nicht verwerten (4.). Eine der wenigen Entlastungsangriffe der Selber im ersten Drittel, die vom Spitzenreiter früh unter Druck gesetzt wurden. Als Kevin Lavallée nach einem Bandencheck auf die Strafbank musste, nutzten die Schlittenhunde ihre erstes Powerplay zum 1:0. Topscorer Tristan Keck blieb der Treffer nach seinem Lattenknaller noch verwehrt, Alec Alroth konnte aber freistehend ins leere Tor abstauben (7.). In der Entstehung ein glücklicher Treffer – aber einer, der sich durchaus angekündigt hat.

Zwar meldeten Richard Gelke und Jan Hammerbauer mit einer Doppelgelegenheit (15.) die Selber Interessen auf den zweiten Überraschungserfolg in Kassel – Mitte September gewannen die Wölfe bereits 3:2 in Hessen – noch einmal an. Doch die Schlittenhunde zeigten sich abgeklärt. Einen höheren Rückstand nach dem ersten Drittel konnte nur ein gut aufgelegter Weidekamp verhindern. Das erste Powerplay der Gäste, durch die erste Drittelpause getrennt, blieb ohne nennenswerten Torversuch.

Partie ab zweitem Drittel ausgeglichener

Im zweiten Drittel waren die Wölfe aber endlich im Match angekommen. Trotz der nach wie vor deutlichen technischen Überlegenheit der Huskies war das Spiel jetzt spürbar ausgeglichener, Drangphasen wechselten sich auf beiden Seiten ab. Arturs Kruminsch (22.), Konstantin Melnikow (23.) und Jakub Kania (28.) konnten allerdings nicht den Ausgleich erzielen – Huskies-Schlussmann Gerald Kuhn war gleich mehrmals zur Stelle. Sein Gegenüber Weidekamp war ebenso beschäftigt. Keck vergab freistehend aus Kurzdistanz, obwohl der Goalie schon am Boden lag und das Tor frei war. Glück für Selb, denn der Kasseler traf nur den Pfosten (26.). Ein Sturmkollege scheiterte wenig später ebenfalls freistehend an Weidekamp (33.). Auch ihr jeweiliges Powerplay konnten beide Mannschaften Ende des zweiten Drittels nicht nutzen. Die Wölfe boten den Schlittenhunden nun wirklich Paroli – ohne jedoch den Ertrag dafür einzufahren. Freilich waren die Hausherren den Selbern in allen wichtigen Kategorien überlegen. Ein weiteres Powerplay der Wölfe blieb abermals ohne Torerfolg. Auch Gelke gelang halbrechts, als er knapp über das kurze Eck zielte, kein Treffer (44.). Jan Hammerbauer (48.) und Mark McNeill (50.) vergaben ebenfalls ihre Möglichkeiten.

Miglio platzt der Kragen

Der Tabellenführer drängte seinerseits – angeführt von Starspieler Keck – auf das 2:0. Das fiel allerdings erst nach umstrittener Schiedsrichterentscheidung: Sykora erhöhte, nachdem ein Beinstellen gegen Noack nicht geahndet wurde. Kassel nutzt die Unordnung und Sykora schoss freistehend ein (52.). Und es kam noch schlimmer aus Sicht der Wölfe: Erst stellte James Arniel am Ende eines Konters über Joel Lowry in Unterzahl gegen einen chancenlosen Weidekamp auf 3:0 (56.). Dann warf Nick Miglio im Anschluss daran den Puck aus Frust über die Bande und wurde für die restliche Spielzeit ausgeschlossen. Die endgültige Entscheidung, da waren sich wohl alle sicher, war nun gefallen. Doch Selb zeigte Charakter und kam in den letzten zwei Minuten eindrucksvoll zurück. McNeill (59., 60.) machte die Partie mit seinem Doppelschlag aus dem Nichts wieder spannend. Die Wölfe warfen alles nach vorne, ein Tor gelang aber nur noch Kassel. Lois Spitzner traf ins leere Tor. Wölfe-Coach Sergej Waßmiller war hinterher trotzdem angetan von der fulminanten Schlussoffensive seines Teams: „ Wir haben Moral gezeigt und, dass wir kämpfen können und wollen.“ Zugleich richtete er nach der Partie den Fokus auf das kommende Spiel. Am Sonntag (18.30 Uhr) erwarten die Selber im Kellerduell die Eispiraten Crimmitschau.

Selber Wölfe: Weidekamp (Bitzer) – Fern, Lavallée, Kania, Noack, Klughardt, Kruminsch, Miglio, Trska, Melnikov, Hlozek, Woltmann, Schwamberger, Hammerbauer, Deeg, Gelke, Vantuch, McNeill.

Schiedsrichter: Steinecke, Westrich. – Zuschauer: 2564. – Tore: 7. Min. Ahlroth (Keck) 1:0, 53. Min Sykora (Lowry, Arniel) 2:0, 57. Min Arniel (Lowry) 3:0, 59. Min McNeill (Vantuch) 3:1, 60. Min. McNeill (Trska, Vantuch) 3:2, 60. Min. Spitzner (Keck) 4:2. – Strafminuten: Kassel 8, Selb 6.

 

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