Über Instagram Sie macht Belästigung öffentlich

Lisa Bunzel Foto: /privat

Lisa Bunzel aus Helmbrechts setzt sich gegen sexuelle Belästigung von Frauen ein. Auf einer Instagram-Seite kreidet sie unangebracht und anzügliche Gesten und Kommentare anonym an.

Die junge Helmbrechtserin Lisa Bunzel setzt sich gegen sexuelle Belästigung von Frauen ein. Das tut sie zum einen als zweite Sprecherin der Grünen Jugend Oberfranken. Zum anderen geht ihr Engagement weit darüber hinaus: Mit „Catcalls of Hof“ hat sie ein Profil im sozialen Netzwerk Instagram erstellt, auf dem sie Fälle des sogenannten Catcallings in Stadt und Landkreis Hof öffentlich ankreiden möchte, um so ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welchen Übergriffen sich Frauen im täglichen Leben häufig ausgesetzt sehen. Dennoch zieht sie zwischen den Feldern eine klare Linie: „Die Accounts gehören keiner Partei an. Meine Arbeit für die Grünen hat nichts mit meiner Arbeit bei Catcallsofhof zu tun“, stellt Bunzel klar.

Der Begriff Catcalling beschreibt sexuell anzügliche, unangemessene, unanständige und unhöfliche Kommentare und Gesten. Zu Catcalling zählt auch das Hinterherpfeifen oder Hupen. „Bei den ‚Catcallsof’- Organisationen geht es laut einer Pressemitteilung nun darum, Catcalling-Geschichten anonym dort anzukreiden, wo sie passiert sind, um die Gesellschaft auf ‚Street harassment’, also sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum, aufmerksam zu machen. „Ziel ist, geschlechtsspezifische Belästigung zu beenden“, erklärt Bunzel in der Mitteilung über ihre Tätigkeit als Frauenaktivistin. „Und damit sind wir nicht allein: Chalk Back Deutschland ist Teil der internationalen Chalk-Back-Bewegung.“ „Chalk back“, das heißt auf Deutsch: „Kreide zurück“. Wer Frauen öffentlich bloßstellt oder belästigt, müsse folglich damit rechnen, selbst angekreidet zu werden. Das fand zumindest die Gründerin der Initiative, Sophie Sandberg aus New York. Genervt von alltäglichen Catcalls machte die Studentin den Anfang und rief den Instagram-Account „Catcalls of NYC“ ins Leben.

Schnell zeigte sich jedoch, dass Catcalls nicht nur in New York ein Problem sind, sondern weltweit: Auf sechs Kontinenten, in 49 Ländern und in über 150 Städten kämpfen mittlerweile junge Menschen für einen gleichberechtigten Zugang zum öffentlichen Raum. Alle Accounts stehen im ständigen Austausch miteinander – über nationale und internationale Whats-App-Gruppen. „Chalk Back“ wurde nun außerdem als Non-Profit-Organisation angemeldet.

Aktivisten gibt es nicht nur etwa in New York, London, Kairo und Delhi: Neben Hof gibt es auch in den Landkreisen Bamberg, Bayreuth und Coburg entsprechende Instagram-Accounts.

Sie selbst, berichtet sie, habe schon Catcalling erfahren müssen: „Stöhngeräusche aus einem Auto, das neben mir an der Ampel hielt oder Pfiffe aus einem vorbeifahrenden Auto oder Typen, die mich angeblich nach Hause fahren sollen, weil mein Freund sie angerufen hat“, listet sie auf. „Das ist nur ein kleiner Ausschnitt, den ich erlebt habe, leider.“

Als sie Ende Oktober 2020 dann „Catcalls of Bayreuth“ auf Instagram gesehen habe, sei sie tiefer in die Materie eingestiegen. „Daraufhin habe ich geschaut, ob es für Hof schon einen Account gibt. Ich wollte meine Geschichten teilen und zeigen, dass so etwas auch bei uns ‚auf dem Land’ passiert. Da es keinen Instagramaccount gab, habe ich einen erstellt“, erzählt sie. Daraufhin sei sie von der Chalkback-Organisation angeschrieben worden, weil sie sich zuerst als offizieller ‚Catcallsof’-Account registrieren lassen musste. Das tat Lisa Bunzel, und nun führt sie seit November vergangenen Jahres die Instagramseite ‚@catcallsofhof’.

Für Frauen und gegen Geschlechterstereotype zu kämpfen, hat sich für Lisa Bunzel ganz natürlich ergeben: „Frau sein bedeutet für mich, gegen das Patriarchat zu sein. Schon seit klein auf muss ich mich mit Vorurteilen herumschlagen und darf mir immer wieder anhören, dass ich angeblich etwas nicht könne, weil ich eine Frau bin oder dass ich Verhaltensweisen ablegen sollte, weil diese zu maskulin seien“, berichtet sie. Nur weil sie als Kind nicht gerne rosa getragen habe oder Puppen lieber mit Stiften angemalt und deren Haare mit einer Schere abgeschnitten habe oder ihre Lieblingsfarbe grün ist und nicht pink, heiße das nicht, dass sie sich jemals männlich gefühlt habe.

„Eine Frau zu sein, heißt für mich , eine Kämpferin zu sein. Kämpfen, dass Klischees weggeräumt werden und Dinge wie Kleidung, Spielsachen, Verhaltensweisen oder Eigenschaften nicht einem Geschlecht zugeordnet werden.“

 

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