Überbelegungen Krippen und Kitas im Landkreis stoßen an ihre Grenzen

Lisbeth Kaupenjohann
Manche Kindertagesstätten im Landkreis Hof sind überbelegt. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Der Bedarf an Plätzen ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Die Nachmittagsbetreuung gewinnt zusätzlich weiter an Bedeutung.

Hof - In seiner jüngsten Sitzung hat Johannes Wurm vom Kreisjugendamt den Jugendhilfeausschuss über den Stand der Kindertagesbetreuung im Landkreis informiert und dabei auf den aktuellen Bedarf hingewiesen. Die Verantwortlichen in Politik und Jugendhilfe sollen so in die Lage versetzt werden, bedarfsorientiert agieren zu können. Der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab 2026 stellt die Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen. Die Ausschussmitglieder bestätigten den Teilplan A „Kindertagesbetreuung“ samt des daraus resultierenden Bedarfs.

Nach Ausführungen Wurms lebten im Landkreis zum 31. Dezember 2020 insgesamt 94 994 Einwohner, davon 22 555 im Alter bis zu 27 Jahren. In den 24 Kinderkrippen und den 17 Kindertagesstätten mit Kleinkindbetreuung gibt es 766 Regelplätze, besucht von derzeit 781 Jungen und Mädchen. Das bedeutet eine Auslastung von 102 Prozent. Aufgrund des Rechtsanspruchs auf einen Krippenplatz ist die Zahl der Krippenplätze in den letzten Jahren stark gestiegen. So wurden im Jahr 2004 nur 92 Kleinkinder unter drei Jahren in einer Kindertagesstätte betreut. „Die weitere Verbesserung und der Ausbau von Krippenplätzen ist daher absolut notwendig und muss immer wieder an die Geburtenzahlen in den Gemeinden angepasst werden“, sagt Wurm. Der Bedarf sei allerdings je nach Kommune unterschiedlich.

Der Statistik ist weiter zu entnehmen, dass zum Beispiel in Münchberg (plus 169) die Zahl junger Menschen seit 2015 stark gestiegen ist, während in Berg, Geroldsgrün, Sparneck und Töpen derzeit weniger junge Menschen leben. Aktuell gibt es im Landkreis Hof 52 Kindertagesstätten mit 2665 Regelplätzen. Zum 1. Februar dieses Jahres wurden dort 2684 Mädchen und Jungen betreut, was einer Auslastung von 101 Prozent entspricht. Hinzu kommt der neue Waldkindergarten in Naila mit 20 Plätzen, weitere Einrichtungen sind in Bau.

Angesichts veränderter Lebensverhältnisse müssen immer mehr Eltern zusehen, wie sie Familie und Erwerbstätigkeit vereinbaren können. Kinder wachsen häufig ohne Geschwister auf, oft auch ohne Betreuung durch Großeltern oder andere Verwandte. Natürliche Spielräume gehen verloren, Verkehr und Medien gefährden die Kinder. Eine Betreuung und individuelle Förderung in der Kita ist nach Ansicht der Jugendhilfe dringend geboten. Das sehen auch die Eltern so. Eine Umfrage hat ergeben, dass sie vor allem Wert auf eine wohnortnahe Kinderbetreuung legen, aber auch auf die Qualität des pädagogischen Personals. Allerdings können nicht alle Kinder vor Ort betreut werden. Überbelegungsplätze werden nur genehmigt, wenn das Kind aus der eigenen Kommune kommt. Kindern von Migranten hilft der Besuch einer Kita, sich besser zu entwickeln und zu integrieren. Dennoch sind sie in den Einrichtungen nach wie vor unterrepräsentiert. Der Migrationsanteil in den Kitas liegt im Landkreis bei 14 Prozent.

Gewachsen sind auch Nachfrage und Angebot an Betreuungsangeboten für Grundschulkinder. Zunehmend an Bedeutung gewinnt die Nachmittagsbetreuung in der Ganztagsschule. Zu den klassischen außerschulischen Betreuungsformen gehören Tageseinrichtungen wie Horte oder Kitas, die eigene Gruppen für Grundschulkinder bereitstellen – inklusive Mittagessen. Von 559 Regelplätzen in Kinderhorten sind derzeit 577 belegt, was einer Auslastung von 102 Prozent entspricht. Dazu kommen 187 Betreuungsplätze in Kitas.

Im Landkreis sind auch 477 junge Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung zu Hause. Die meisten besuchen Einrichtungen im Landkreis, einige solche in anderen Regionen. Die Hilfen umfassen Frühförderung, Schulbegleitung in Regel- oder Förderschule, Familienpflege, Tagesstätte und anderes mehr.

Informiert hat Johannes Wurm den Jugendhilfeausschuss auch über die Jugendhilfeplanung zum erzieherischen Jugendschutz. Damit verbunden ist eine Umfrage unter Eltern und pädagogischen Fachkräften Anfang 2022. Es geht um die Themen Jugendmedienschutz, Sucht-, Gewalt- und Alkoholprävention. Das Thema wird in der nächsten Sitzung des Kreisjugendhilfeausschusses ausführlich behandelt.

 

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