Überraschung in Selb Wölfe legen auch Dresden aufs Kreuz

Wer hätte das vor wenigen Tagen und nach der 1:6-Heimpleite gegen Heilbronn gedacht: Nach dem Freitags-Überraschungscoup in Bad Nauheim (5:1) legten die Selber Wölfe am Sonntag auch die Dresdner Eislöwen aufs Kreuz. Mit dem 2:0 (1:0, 0:0, 1:0) war das erste Sechs-Punkte-Wochenende in dieser Saison perfekt. Trainer Sergej Waßmiller lobte nach dem Spiel vor allem den Kampfgeist und die taktische Disziplin seiner Mannschaft, die auch in Unterzahl gut gearbeitet habe.

Im zweiten Jahr in Folge setzen die Wölfe zunächst ein klares Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung. Die Spieler liefen beim Warm-up mit speziell entworfenen „Hockey is Diversity“-Sondertrikots auf. Und nach dem Sieg in Bad Nauheim auch mit breiter Brust. Die hatten aber auch die Dresdner Eislöwen, die am Freitag die Eispiraten Crimmitschau mit 7:1 niedergekantert hatten. Das Line-up der Wölfe war identisch mit dem in Bad Nauheim, es fehlten also weiter Gelke, Schaaf, Gimmel (alle verletzt) und der noch für dieses Spiel gesperrte Lavallee. Auch Neuzugang Bryce Reddick stand noch nicht auf dem Eis, zumindest aber konnte er sich auf der Tribüne schon einen ersten Eindruck von seiner Mannschaft und der Netzsch-Arena machen.

Was der gebürtige Amerikaner gemeinsam mit den weiteren, wieder nur knapp über 1100 Zuschauern gesehen hat, war ein tempo- und abwechslungsreiches erstes Drittel. Die Waßmiller-Schützlinge kamen schon nach wenigen Sekunden zur ersten Möglichkeit durch Miglio, der aber zu überrascht war, dass die Scheibe bei ihm landete. Auf der Gegenseite musste Wölfe-Keeper Bitzer erstmals nach sieben Minuten ernsthaft eingreifen, als er bei einem Getümmel vor seinem Tor gemeinsam mit Noack den Puck noch von der Linie kratzte. Ansonsten wurden beide Torleute lange Zeit vor keine allzu großen Probleme gestellt. Die Gäste hatten – auch wenn ihnen die körperbetonte Spielweise der Wölfe nicht sehr behagte – leichte Vorteile, kamen aber auch im ersten Powerplay nicht wirklich gefährlich zum Abschluss. Und kaum wieder komplett, schlug Selb zu: McNeill erkämpfte sich mit einem harten Check und großem Einsatz hinter dem Tor die Scheibe, die auf Umwegen bei Trska landete – und der slowakische Verteidiger traf 84 Sekunden vor der Pause mit seinem sechsten Saisontor zum 1:0.

Genau dieses Ergebnis stand auch nach den zweiten 20 Minuten noch am Videowürfel. Die Eislöwen agierten zwar druckvoller und zielstrebiger, fanden aber weiter kein Durchkommen gegen die kampfstarken Wölfe, die in Bitzer einen guten Rückhalt und bei Dresdner Pfosten- und Lattentreffern auch das nötige Quäntchen Glück auf ihrer Seite hatten. Aber auch Selb hatte in den letzten fünf Minuten vor der zweiten Pause nochmals gute Möglichkeiten. Einmal scheiterte Vantuch – direkt von der Strafbank kommend – am Außenpfosten, dann tauchte Naumann frei vor Torwart Schwendener auf, verzog aber. 40 Sekunden vor Drittelende dann nochmals Dusel für die Wölfe, als eine von einem eigenen Verteidiger abgefälschte Hereingabe fast hinter Bitzer gelandet wäre.

Auch zu Beginn des Schlussabschnitts waren es die Gäste, die die erste Großchance hatten, nach einer feinen Einzelleistung von Filin war aber erneut Bitzer zur Stelle. Der Wölfe-Keeper wurde auch in der 46. Minute von den Selber Fans gefeiert, als er im Eislöwen-Powerplay mit einem starken Save erneut gegen Filin rettete. Die Hausherren mussten sich fast nur noch auf das verteidigen beschränken, machten das aber mit ihren zweieinhalb Verteidiger- und vier Sturmreihen sowie der Unterstützung ihrer Anhänger mit großer Leidenschaft. Und wenn kurz Zeit blieb, ging immer wieder mal der Blick auf die Uhr, an der die Selber wohl gerne ein wenig gedreht hätten. Dresden rannte verzweifelt an, hatte aber nicht die zündende Idee, um die entscheidende Lücke in der kompakt stehenden Wölfe-Abwehr um den schier unbezwingabren Bitzer zu finden.

Drei Minuten vor Ende erhoben sich auch die Sitzplatzbesucher von ihren Plätzen, stärkten ihrem Team mit den Rücken. Als 68 Sekunden vor der Schluss der Dresdner Uplegger nach einem Foul an Kruminsch auf die Strafbank musste, die Eislöwen dennoch ihren Torwart vom Eis nahmen, traf Kruminsch nach Vorarbeit des uneigennützigen McNeill gegen sein Ex-Team 29 Sekunden vor der Sirene zum 2:0. Die Erleichterung und der Jubel über den zweiten Überraschungs-Coup an diesem Wochenende war riesengroß. „Die beiden Siege waren wichtig für die Köpfe und die Moral der Jungs“, freute sich Waßmiller.

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Am Freitag steht für die Wölfe das Derby bei den Eisbären Regensburg auf dem Programm. Die Oberpfälzer rechnen bei diesem Spiel – wie schon gegen Landshut – mit einer ausverkauften Donauarena. Am Sonntag (17 Uhr) gastieren die Lausitzer Füchse in Selb.

Selber Wölfe: Bitzer (Weidekamp) – Trska, Deeg, Kania, Fern, Silbermann – Miglio, Kruminsch, Naumann, Schwamberger, Vantuch, McNeill, Hlozek, Hammerbauer, Melnikov, Klughardt, Noack, Woltmann.

Schiedsrichter: Singer/Naust. – Zuschauer: 1108. – Tore: 19. Min Trska (Schwamberger, McNeill) 1:0, 60. Min. Kruminsch (Miglio, McNeill) 2:0. – Strafminuten: Selb 10, Dresden 6.

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