Übung für den Ernstfall Rettungskräfte stehen vor Schreckensszenario

An einem Bahnübergang prallt ein Zug mit zwei Autos zusammen. Feuerwehren, Rotes Kreuz und das Technische Hilfswerk müssen blitzschnell reagieren. Eine Großübung macht deutlich, wie groß die Verantwortung in so einem Ernstfall ist.

Verletzte Menschen auf freier Strecke aus einem Zug zu retten, ist gar nicht so einfach: Die Türen sind weit über dem Boden. Foto: Feuerwehr/Deutsche Bahn

Blaulicht, Martinshörner. Ein Einsatzfahrzeug nach dem anderen. Zahlreiche Rettungskräfte von Feuerwehr, THW und dem BRK sind am Samstagmorgen ausgerückt. Ziel: Der unbeschrankte Bahnübergang am Solarfeld bei Untersteinach. Grund des Alarms: Eine Regionalbahn war gleich mit zwei Autos zusammengeprallt. Eins der zwei Fahrzeuge hat sofort Feuer gefangen. Schwarzer Rauch stieg vom Unglücksort auf. Welche weiteren Folgen der schwere Unfall nach sich gezogen hat, war nach der ersten Meldung unklar.

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Die Rettungskräfte der Feuerwehren aus Untersteinach, Stadtsteinach und Zaubach waren als erste am Einsatzort. Sofort begannen die Retter, sich vor Ort ein Bild zu machen, die unübersichtliche Lage zu erfassen. In den zwei völlig demolierten Fahrzeugen waren mehrere Personen eingeklemmt. Der Triebwagenführer und die Reisegäste in der Agilis-Bahn mussten aus dem Zug geholt werden. Ein Schreckensszenario, das glücklicherweise nicht real war. Die vielen Einsatzkräfte waren mit ihren Fahrzeugen zu einer gemeinsamen Großübung ausgerückt.

Ausstieg 1,20 Meter über dem Boden

Was sich auf einem Bahnsteig völlig problemlos darstellt, ist auf freier Strecke durchaus schwierig. Um die Türen eines Zuges ohne die Hilfe des Lokführers öffnen zu können und die Fahrgäste bei einem Höhenunterschied von 1,20 Meter aus dem Zug evakuieren zu können, braucht es fachliches Knowhow und die passende technische Ausstattung. Die dafür notwendigen „Bahnrüstsätze“, die die Rettungskräfte benötigen, kamen vom THW Kulmbach und von der Feuerwehr Mainleus. Eine Arbeitsplattform, die man direkt an die Tür des Triebwagens anstellen kann, brachte der Rüstwagen der Feuerwehr Kulmbach mit, und die Männer- und Frauenpower kam von den Feuerwehren Untersteinach, Stadtsteinach, Zaubach, Guttenberg, Gumpersdorf, Kupferberg, Wartenfels, Kulmbach, Triebenreuth, Zettlitz, die von den hinzualarmierten Landkreisführungskräften der Kreisbrandinspektion unterstützt wurden.

Insgesamt zehn Passagiere wurden nach und nach gesichtet, die unterschiedlichsten Verletzungen wie Knochenbrüche und Blutungen wurden bereits im Zug erstversorgt. Ein Fahrgast musste noch im Zug reanimiert werden. Das war nicht einfach auf beengtem Raum. Viele Verletzte mussten versorgt und abtransportiert werden, darunter auch eine Person, die leblos im Gleisbett lag, nachdem sie aus dem Auto geschleudert wurden und drei weitere schwer verletzte Patienten, die die Feuerwehrkräfte aus den Fahrzeugwracks befreiten.

Zwei Autos total zertrümmert, ein Zug in den Unfall involviert, Menschen schwer verletzt: Das war das Szenario, das die Rettungskräfte bei der Großübung vorfanden. Foto: privat

Erste Anlaufstelle für die betroffenen Menschen: Die Sammelstelle für Patienten, die nahe dem Unglücksort eingerichtet worden war. Die Mitarbeiter des BRK und des THW Kulmbach hatten diese Aufgabe übernommen und trugen Trage für Trage mit Patienten zur Weiterbehandlung in das Schnelleinsatzzelt des BRK. Natürlich läuft das auch bei einer Übung, wie im reellen Leben, nicht alles reibungslos.

Es gab Hürden, die von den Ersthelfern genommen werden mussten. So war unter den Fahrgästen eine Patientin, die sich lediglich auf Englisch verständigen konnte. Mit einem taubstummen Patienten konnten sich die Helfer nur schriftlich austauschen. Ein Dritter war an den Rollstuhl gefesselt und musste mit diesem gerettet werden.

Notfallmanager zufrieden

Und dennoch wurden alle Fahrgäste sofort nach Freigabe der Evakuierung durch den ebenfalls an den Einsatzort geeilten DB-Notfallmanager rasch ins Freie gebracht und durch das BRK weiterversorgt. Notfallmanager Ludwig Schramm zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf: „Wir sind froh, solche Übungen für die Rettungskräfte ermöglichen zu können. Es geht nur gemeinsam, und dazu wollten wir neben der Übung auch das Interesse für die Triebwagen wecken und auf verschiedenste Problematiken bei Zugunfällen aufmerksam machen.“

Landrat Klaus Peter Söllner zeigte sich begeistert, solche ehrenamtlichen Helfer im Landkreis zu haben. „Ich bin stolz auf unsere Rettungskräfte von Feuerwehr, THW und BRK. Gemeinsam haben sie wieder Stunden geopfert, um an diesem heißen Tag Ihre Freizeit in die Wissenserweiterung und das Training zu stecken. Nur im Team kann so eine Aufgabe optimal abgearbeitet werden.“

Wie schlagkräftig und konzentriert die Organisationen arbeiten, schauten sich auch Kreisbrandrat Thomas Hoffmann und BRK-Kreisbereitschaftsleiter Kai Ramming vor Ort an. Hoffmann wies auf die Bedeutung solcher Übungen hin, die sich, sollte es zu einem Ernstfall kommen, als überaus nützlich erweisen und dankte den Einsatzkräften für Ihre wichtige Arbeit, die sie auch bei den hießen Temperaturen abrufen konnten. Auch aus Sicht des BRK ist es wichtig, solche Ereignisse zu üben, betonte Kai Ramming. Schließlich wisse man nicht, was an Ernstfällen auf einen zukommt. „Da ist es gut, wenn wir vorbereitet sind.“

Viele haben mitgewirkt

Auch der Übungsleiter, Kreisbrandinspektor Yves Wächter, gab sich am Ende der Übung zuversichtlich. „Für das Abarbeiten eines solchen Szenarios gibt es kein Rezept. Die Rettungskräfte agieren, sie arbeiten immer mit dem, was sie vorfinden, mit dem, was sie erwartet. Wir sind froh, dass trotz Ernte- und Veranstaltungszeit so viele Kräfte an der Übung teilgenommen haben. Natürlich gab es während der Übung das ein oder andere Problem. Genau um solche zu entdecken und aufzuzeigen, üben wir ja“, hat Wächter zusammengefasst. Am Ende war der Kreisbrandinspektor voll des Lobes, „Eines lässt sich feststellen: Die Übung ist in Ihrer Gesamtheit sehr gut und vorbildlich abgelaufen. Teilweise sogar schneller als von der Übungsleitung eingeplant. Mein Dank gilt allen, vor allem aber dem THW Kulmbach, die beim Kraftakt der Vorbereitung unterstützt haben, den Übungsdarstellern, die wir auf Grund der guten Zusammenarbeit vom BRK und der Feuerwehr aus dem Landkreis Hof zur Verfügung gestellt bekommen haben, den Kreisbrandinspektionen Kulmbach und Hof, der Polizeiinspektion Stadtsteinach und der Bundespolizei, der Deutschen Bahn AG und der Agilis Verkehrsgesellschaft, die uns diese Übung mit einem Zug erst ermöglicht haben.“

Drei Stunden harte Arbeit

Um 9.45 Uhr ist der Alarm für die zahlreichen Rettungskräfte verschiedener Blaulichtorganisationen ausgelöst worden. Gegen 12 Uhr war die Übung abgeschlossen, und nur noch der Zug stand auf der Strecke, die eigens für diese Übung für den Triebwagen freigegeben und gesperrt worden war. Auf den Gleisen zwischen Stadtsteinach und Untersteinach fahren im Regelbetrieb nur die Schotterzüge, die Material für die Deutsche Bahn zum Gleisbau ausliefern.