Sechsmal gab es während des Aufenthalts des Kanzlers Drohnenalarm. Es war aber nie so kritisch, dass er in einen Schutzraum musste. Er gehe davon aus, "dass es keine persönliche Gefährdung für die Mitglieder meiner Delegation und auch für mich persönlich gibt", sagte er.
Die Kernbotschaft des Kanzlers an die Ukrainer in Kiew war: "Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen." Merz hatte der Ukraine bereits am Donnerstag in einer Grundsatzrede in Münster die anhaltende Solidarität Deutschlands zugesichert – trotz aller Widerstände gegen weitere Milliardenhilfen im eigenen Land. "Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa. Wankt Europa, dann wankt auch die Ukraine", mahnte er bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises.
Mit der Reise wollte Merz nun auch ganz sichtbar machen, dass Deutschland an der Seite der Ukraine steht. Und den Kritikern der Hilfe in Deutschland sagte er erneut, dass die Hilfe in zutiefst eigenem Interesse sei. "Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns."
Vierter Kanzlerbesuch seit Kriegsbeginn
Es ist der vierte Besuch eines Kanzlers seit der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022. Merz' Vorgänger Olaf Scholz (SPD) war in seiner dreieinhalbjährigen Amtszeit zweimal im Kriegsgebiet. Merz (CDU) besuchte Kiew im Mai vergangenen Jahres nur vier Tage nach seiner Vereidigung als Kanzler im Bundestag – zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem damaligen britischen Premierminister Keir Starmer und dem polnischen Regierungschef Donald Tusk.
Es war die erste größere gemeinsame diplomatische Initiative der Europäer, um zu einem Frieden in der Ukraine zu kommen. Von Kiew aus forderten die vier Staats- und Regierungschefs damals Russland ultimativ zu einem bedingungslosen Waffenstillstand auf. Daraus wurde nichts, auch spätere diplomatische Initiativen verliefen zunächst im Sande.
Merz hofft nun darauf, Russland mit anhaltendem militärischen Druck an den Verhandlungstisch zu bewegen. Außenminister Johann Wadephul hatte vor wenigen Tagen erstmals seit Jahren wieder Tuchfühlung mit Moskau aufgenommen und den russischen Außenminister Sergej Lawrow in New York getroffen. Das Ergebnis war ernüchternd. Lawrow äußerte sich anschließend abschätzig über das Gespräch: Es habe nichts Neues gebracht.
Moskau: Merz will Image aufpolieren
Zum Besuch des Kanzlers in der Ukraine kamen nun auch wieder abfällige Äußerungen aus Moskau. "Mörder kehren zum Tatort zurück", sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, der Boulevardzeitung "Komsomolskaja Prawda" in Moskau. Sie vermute, dass der Kanzler auf diese Weise "sein sich zunehmend verschlechterndes Image nach einer Reihe für ihn erfolgloser Wahlen und Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungskoalition wieder aufzupolieren" versuche.