Ursprung und Tipps So wird der Maibaum-Klau zur Ehrensache

Als „unehrenhaft“ gilt es, nach dem Diebstahl des Maibaums Anzeige zu erstatten. Was historisch hinter dem Brauch steckt und was die Polizei im Landkreis Wunsiedel erlebt.

Eine wichtige Regel: Einen stehenden Maibaum darf man nicht stehlen. Foto: picture alliance/dpa

Der Maibaumklau – eine witzige Dorftradition, die Nachbarn kurzzeitig zu Rivalen macht – und sie am Ende wieder an einen Tisch bringt. So läuft der Brauch im Idealfall ab. Das zeigt auch der historische Ursprung: „Im Fokus geht es um den Zusammenhalt der Ortschaften“, erklärt der Heimatforscher Adrian Roßner.

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Ursprünglich war das Aufstellen von Maien – also Bäumchen – ein Liebesbeweis zwischen jungen Pärchen: Anfänglich stellten junge Männer ihrer Angebeteten kleine, oft geschmückte Bäumchen in den Vorgarten. Später rückte die Gemeinschaft des Ortes an sich in den Mittelpunkt, erklärt Roßner. Der Ort nutzte seinen Maibaum, um dort seine Zünfte und Gewerbe darzustellen.

Reibereien unter Ortschaften führen zu Maibaum-Klau

Das gemeinsame Aufstellen von Hand rückt den Gemeinschaftsaspekt in den Mittelpunkt. „Daher kommt auch der Klau“, sagt Roßner, „weil die Ortschaften damals untereinander kleine Reibereien hatten.“ Dadurch entstand der Brauch, sich gegenseitig den ungeschmückten Baum zu klauen und eine Auslöse dafür zu verlangen. Roßner zufolge handelt es sich dabei eher um ein „Necken“.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Doch vereinzelt trüben Ausnahmen den Spaß. Im schlimmsten Fall greift die Polizei ein und es regnet Anzeigen. „Wenn der geschädigte Verein oder die geschädigte Gemeinde darauf besteht, eine Anzeige zu erstatten, dann würde Diebstahl im Raum stehen“, erklärt der Polizeihauptkommissar Andreas Reichel von der Polizeiinspektion Marktredwitz.

Friedlicher Maibaum-Klau im Landkreis Wunsiedel

In der Realität wird Anzeige aber „in den wenigsten Fällen erstattet“, sagt Reichel. Auch im Dienstbereich der Wunsiedler Polizeiinspektion geht es friedlich zu. „In den letzten zehn Jahren gab es bei uns überhaupt keinen Vorfall, der polizeilich zur Anzeige gebracht wurde“, sagt Florian Schörner, Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Wunsiedel. „Anscheinend wurde sich hier an die Brauchtumsregeln gehalten, so sollte es auch sein.“ Insgesamt geht es im Landkreis Wunsiedel also friedlich zu, wie die beiden Beamten unisono feststellen.

Laut der Maibaumklau-Regeln gilt das Jammern bei den Ordnungshütern als unehrenhaft: Polizei oder Anwälte sind tabu. Auch in diesem Jahr sind den beiden Beamten bislang keine Fälle bekannt – weder im Bereich der Polizeiinspektion Wunsiedel noch der Polizeiinspektion Marktredwitz. „Normalerweise ist allen Personen bewusst, dass es sich nicht um einen klassischen Diebstahl, sondern um die Pflege des Brauchtums handelt“, sagt Reichel.

Von Sachbeschädigung bis Hausfriedensbruch

Doch der Spaß hat auch seine Grenzen. Ein Beispiel ist Sachbeschädigung. Die muss nicht zwangsläufig den Baum betreffen – auch aufgebrochene Schuppen zählen laut Reichel dazu. „Das Wichtigste ist, dass nichts beschädigt wird“, sagt auch Schörner von der Polizeiinspektion Wunsiedel.

Nicht automatisch geht jede Sachbeschädigung an die Polizei. Oft kommen auch die Verursacher selbst für den Schaden auf.

Außerdem dürfen Maibaum-Diebe nicht in fremde Besitztümer gewaltsam einbrechen. Das Eindringen kann als Hausfriedensbruch zählen. „Das Antragsdelikt wird verfolgt, wenn Geschädigte Strafantrag bei der Polizei beziehungsweise bei der Staatsanwaltschaft stellt“, sagt Schörner.

Besorgte Dorfbewohner rufen Polizei an

Auch Ruhestörung wäre eine denkbare Ordnungswidrigkeit. Das wäre aber auch für die Diebe kontraproduktiv. „Die Diebe versuchen, leise und unerkannt zu bleiben.“ Auch Konflikte zwischen zwei Parteien könnten strafrechtlich relevant werden. „Aber auch da ist mir bei uns im Dienstbereich nichts bekannt“, sagt Schörner.

Alles, was bei der Polizei einläuft, nimmt seinen regulären Lauf – auch in Bezug auf den Maibaum. Anzeigen gehen an die Staatsanwaltschaft. Diese entscheidet, ob eine strafrechtliche Relevanz vorliegt.

Wer sich an die Maibaumklau-Regeln hält, müsse sich aber in der Regel nicht vor Polizei und Staatsanwaltschaft fürchten.

Nicht selten melden sich aber besorgte Dorfbewohner bei der Polizei, weil sie nachts herumschleichende, dunkelgekleidete Truppen mit Taschenlampen beobachten, berichtet Reichel. Solchen Hinweisen müssten die Beamten folgen, erklärt der Polizeihauptkommissar. Oft hat das ein Gespräch mit den Maibaum-Dieben zur Folge.

Weitere Regeln beim Maibaum-Klau

Erst, wenn sich der Maibaum in der Ortschaft befindet, darf er gestohlen werden.

Geklaut wird nur der Stamm – nicht der Schmuck. Außerdem darf der Baum nicht beschädigt werden.Der gestohlene Maibaum muss außerhalb der Gemeindegrenzen gelagert werden. Erst dann gilt der Diebstahl als erfolgreich und die Diebe können eine Auslöse kann verlangen.Wer mit dem gestohlenen Baum innerhalb der Gemeindegrenze ertappt wird, muss das Diebesgut zurückbringen.Ein aufgestellter Baum darf nicht mehr gestohlen werden.