Regensburg/Selb - Henry Thom musste gar nicht so viele Worte verlieren. Der Trainer des Eishockey-Oberligisten VER Selb hatte nach dem Spitzenspiel in Regensburg die drei Punkte im Gepäck und durfte zufrieden die Heimreise antreten. Sein knackiges Statement kurz nach dem 4:3-Auswärtssieg der Wölfe: „Wir haben ein taktisch starkes Oberliga-Spiel gesehen.“
Das Wort, das heraussticht, lautet „taktisch“. Selb agierte bei Verfolger EV Regensburg sehr diszipliniert und fuhr aus einer kompakten Verteidigung heraus immer wieder vereinzelte Angriffe. Das brachte zwar lange Zeit keinen eigenen Treffer, aber die Oberpfälzer hatten deutlich erkennbare Probleme mit der stabilen Defensive des VER.
Irgendwann rutschte der Puck doch über die Torlinie und Selb war plötzlich im Rückstand. Erst 0:1, dann 0:2. „Das war bitter für uns. Nach dem Rückstand mussten wir den Druck erhöhen“, sagte Thom. Und eben das tat seine Mannschaft mit Erfolg. Moosberger und Schiener glichen für die Wölfe aus, der VER fand in dieser Phase eine gute Balance zwischen Angriff und Verteidigung. Allerdings musste er kurz nach dem 2:2 wieder einen Rückschlag einstecken: Noe stellte für Regensburg auf 3:2. Es war der zweite Überzahltreffer des EVR an diesem Abend. „Regensburg hat es uns da sehr schwer gemacht“, musste auch Selb-Coach Thom zugeben.
Am Ende bogen die Selber durch einen Doppelschlag in der 52. Minute doch noch auf die Siegerstraße ein. Geisberger und Moosberger ließen die Wölfe jubeln. Ein anderer jubelte freilich nicht: EVR-Trainer Doug Irwin. Lange sah es so aus, als würden sich die Oberpfälzer durchsetzen. „Am Ende war Selb aber cleverer als wir“, sagte Irwin, der zwei Pfostenschüssen im Schlussdrittel nachtrauerte: „Wir hatten die Möglichkeiten. Letztlich hat uns auch ein bisschen Glück gefehlt. Manchmal entscheiden eben ein paar Zentimeter.“
Den Selbern wird das egal sein. Sie haben in der Tabelle ihre Spitzenposition gefestigt und nun sechs Zähler Vorsprung auf Verfolger EC Bad Tölz – allerdings haben die Löwen ein Spiel weniger auf dem Konto. Regensburg auf Rang drei liegt bereits neun Punkte hinter den Wölfen.
Schon am heutigen Freitag hat der VER eine gute Gelegenheit, Platz eins weiter zu zementieren. Um 20 Uhr ist Schlusslicht EHV Schönheide in der Netzsch-Arena zu Gast. Die Favoritenrolle ist dabei klar verteilt: Selb betritt nach acht Siegen aus den jüngsten neun Spielen voller Selbstvertrauen das Eis. Die von finanziellen Problemen geplagten Sachsen stehen dagegen auf dem letzten Tabellenplatz und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen. Ein Lebenszeichen sendete der EHV immerhin am Dienstag. Er siegte im Heimspiel gegen die Höchstadt Alligators mit 4:2. Dieses Ergebnis sollte für die Selber Warnung genug sein – vor allem, weil sie am Sonntag um 18 Uhr selbst in Schönheide gastieren.
Die Bilanz spricht für Selb: Zwei Mal traf der VER in dieser Spielzeit bereits auf Schönheide, zwei Mal siegte er. Selbstläufer waren diese Duelle aber nicht. Am fünften Spieltag mühten sich die Hochfranken zu einem 5:3-Auswärtssieg, sechs Wochen später musste sich der VER gehörig strecken, um die Punkte in der Netzsch-Arena zu behalten. Am Ende stand ein umkämpfter 5:4-Erfolg.