50 Jahre sind vergangen, seitdem die Band Steppenwolf die Worte „Heavy Metal“ in dem Song „Born To Be Wild“ zum ersten Mal intonierte. Wie ist es um diese Musik heute bestellt?
Super! In den 90ern hatte Metal eine heftige Durststrecke, weil der Grunge aufkam. Seit 2000 ist er weltweit wieder auf dem Vormarsch. Die Konzerte sind meistens knackig voll und Festivals wie Wacken sind in der Regel ausverkauft. Ich war schon sehr oft da. Ich war jetzt das erste Mal in Sibirien, da waren 20.000 Leute aus ganz Russland, die alle Songs mitgesungen haben, sogar die deutschsprachigen. Die Russen stehen besonders auf die deutschen Songs wie „Herzblut“ und „Für immer“.
Haben Sie Ihre Wohnung in New York noch?
Ja. Ich habe auch noch eine kleine Wohnung in Florida und eine in Düsseldorf. Aber meistens bin ich auf Tour und lebe aus dem Koffer.
Haben Sie die ganzen Andenken aus Ihrer 35-jährigen Karriere auf Ihre drei Wohnungen verteilt?
Ich habe in New York zweimal einen tropischen Wirbelsturm erlebt: Hurricane Irene und Hurricane Sandy. Zweimal war meine Wohnung überflutet, das Wasser stand anderthalb Meter hoch. Klamotten, Waschmaschine oder Kühlschrank sind mir ja egal, aber alle Fotos und Briefe waren weg. In der Gegend gab es früher nie Überschwemmungen. Wenn ich auf Tour bin, merke ich, wie das Weltklima sich verändert hat. Wir erleben immer mehr Hurrikane, Überflutungen, Schneestürme und Hitzewellen.
Wie politisch darf Metal sein?
Auf der neuen Platte sind auch ein paar politische Songs. „Résistance“ zum Beispiel schrieb ich, als die US-Wahl in vollem Gange war. Ich dachte, da drehen jetzt alle durch. Schon 1989 habe ich „Beyoned The Trees“ geschrieben, ein Umwelt-Song in der Art von „Mein Freund, der Baum“ von Alexandra. In meine Texte fließen immer persönliche und politische Dinge mit ein, aber auch Fan-Schicksale. Bei mir hat alles eine positive Message. Das unterscheidet sich wesentlich von den 80er Jahren. Als Teenager sieht man die Welt mit anderen Augen. Der Arbeitstitel der Platte war „Empowered United“. Bei Andreas Bruhn in Hamburg fing sie an, so richtig zu rollen. Nach zwei Jahren hatten wir über 40 Songs zusammen, und es wäre schade gewesen, nur zwölf oder 13 herauszupicken. Es sind auch eine sehr spezielle Titel drauf.
Wie kam es zu der italienischen Nummer „Caruso“?
Ich habe schon immer gern in anderen Sprachen gesungen. „Caruso“ wurde von Lucio Dalla geschrieben und von meinem Lieblingsopernsänger Luciano Pavarotti gesungen. Mein Vater war ein großer Fan von klassischer Musik. Ich habe dann meinen italienischen Gitarristen Luca Princiotta gebeten, mich zu coachen, damit ich alles korrekt ausspreche. Er hat es seiner Mutter vorgespielt, die sofort anfing zu weinen, weil es ihr so ans Herz ging. Da dachte ich: Der Song kommt auf jeden Fall drauf!
Wie haben Sie die klassische Heavy-Metal-Zeit Mitte der 1980er Jahre in Erinnerung, als Schwermetaller noch als Bürgerschrecke galten?
Auf die normalen Leute wirkten die langen Haare, die Kutten, die Nieten und die vielen Patches damals sehr krass, aber heutzutage ist das ein gewohntes Bild. Alle sind tätowiert und gepierct und jeder hat schon mal etwas von Wacken gehört. Es hat sich herauskristallisiert, dass die Metaller ein gutes Herz haben. Da passiert nie was. Das haben inzwischen alle gecheckt. Ein Kapitän sagte nach einer Metal-Kreuzfahrt mal zu mir, er hätte noch nie so ein sauberes Schiff gesehen. Die Metaller hätten alles schön hinter sich aufgeräumt und die Betten gemacht. Er meinte, wenn Kegelclubs kämen, ginge immer das halbe Schiff zu Bruch, aber bei Metallern müsse man keine Angst haben.
Doro Pesch auf Tour
Die Rocksängerin geht mit ihrer Band auf „Forever Warriors – Forever United European Tour 2019“ und gastiert am 23. März um 20 Uhr im Löwensaal in Nürnberg. Karten gibt es in unserem Ticketshop.