Eine Verlagerung amerikanischer Atombomben näher an Russland hält der Verteidigungsexperte dagegen militärisch nicht für erforderlich. Entsprechende Einsätze könnten auch von Westeuropa aus durchgeführt werden. Sinnvoll könne aber eine breitere Beteiligung weiterer Verbündeter sein - etwa durch für Nukleareinsätze zertifizierte Kampfflugzeuge, Luftbetankung, Aufklärung, Begleitschutz, Übungen oder Führungsfähigkeiten. Dies könne Vorteile bringen, ohne dass die Länder selbst US-Atomwaffen lagern müssten.
"Wir wollen, dass Präsident Putin jeden Morgen aufwacht, eine Tasse Kaffee trinkt und sagt: "Heute ist nicht der Tag für einen Angriff"", sagte Stokes der dpa. Seit der Gründung der Nato vor 77 Jahren funktioniere dies. Kein Staat habe das Bündnis angegriffen.
Frankreichs Sprengköpfe als Ergänzung
Die vor allem von Frankreich vorangetriebenen Bemühungen um einen europäischen atomaren Schutzschirm werden sowohl von Rutte als auch von den Experten lediglich als Ergänzung und nicht als möglicher Ersatz gesehen. Rutte sagte der dpa, der US-Nuklearschirm bleibe die ultimative Garantie für die Freiheit und Sicherheit der Verbündeten. Die französische Initiative schaffe aber eine zusätzliche Ebene. Stokes bezeichnete die französischen Fähigkeiten als gute Ergänzung. Frankreich könne die amerikanischen Fähigkeiten bei Sprengköpfen, Trägersystemen und Plattformen jedoch nicht ersetzen, sagte er. Ähnliches gilt für die britischen Fähigkeiten.
Was geheim bleibt
Ob und wie mögliche Entscheidungen zum Ausbau der Nato-Abschreckung kommuniziert würden, ist nach Angaben aus Bündniskreisen unklar. Eine Option wäre demnach, Russland im Ungewissen über konkrete Schritte zu lassen. Dies würde auch der bisherigen Praxis entsprechen. So bestätigen die Nato und die US-Regierung zwar, dass amerikanische Atomwaffen in Europa stationiert sind, ihre genaue Zahl und die vollständige Liste der Standorte bleiben allerdings unter Verschluss.