VGF Marktredwitz „Schwer, aber trotzdem machbar“

Jan Liebscher noch ganz entspannt in dieser Woche im eigenen Garten in Amberg, wo der Marktredwitzer Trainer mit seiner Familie inzwischen zu Hause ist. Foto: /Peter Perzl

Die VGF Marktredwitz bereitet sich auf ein Drittliga-Jahr mit neuem Modus vor. Auch personell tut sich einiges. Schwer wiegt ein Weggang.

Marktredwitz - Weitgehend entspannt blickt Jan Liebscher der für die zweite Oktoberwoche relativ spät startenden Volleyball-Saison entgegen. Von einem sorgenfreien Drittliga-Jahr für die VGF Marktredwitz zu sprechen, wäre allerdings verfrüht. Zumal völlig offen ist, wie sich die zahlreichen Unterstützer des Vereins verhalten und sich weiter zu ihrem Klub bekennen werden. „Bislang wusste ja niemand, ob gespielt werden kann und wie sich die neue Spielzeit gestaltet, und darum haben wir auch noch keine festen Sponsoren-Zusagen“, erklärt der Trainer und Vorsitzende der VGF Marktredwitz. Die Gespräche aber sollen in den nächsten Wochen nachgeholt und intensiviert werden. Bekanntermaßen gelten die Klub-Verantwortlichen als kühle Rechner. Risikoreiche Handlungen oder Luftschlösser in die Welt zu setzen war ihnen in der Vergangenheit ohnehin fremd. Eine finanziell abgesicherte Saison sei wiederum das oberste Ziel, unterstreicht der 44-jährige Klubchef.

Kopfzerbrechen bereitet Liebscher allerdings, dass der hochtalentierte Simon Breinbauer die VGF Marktredwitz zumindest mal für ein Jahr ab August in Richtung des VC Olympia Berlin verlassen wird. Der Verein gilt als Bundesstützpunkt für die Junioren-Nationalmannschaft, wo man großes Interesse an dem 18-Jährigen bekundet. Immerhin bringt der mit seiner Körpergröße (2,04 Meter), Sprungstärke und Reichweite alle Qualitäten für höhere Weihen mit. „Der tut uns wirklich weh“, lässt Liebscher keine Zweifel daran, dass zumindest im Angriff oder Mittelblock noch personeller Handlungsbedarf besteht. Denn mit einem aktuell achtköpfigen Kader – Jonas Lindner steht im Rahmen seines Studiums wegen eines Hochbegabtenprogramms erst ab der Rückrunde zur Verfügung - könnte es für die VGF hinten hinaus reichlich eng werden.

Neuer Spieler aus Tschechien?

Darum soll am kommenden Dienstag ein junger Außenangreifer des tschechischen Meisters aus Karlsbad ein Probetraining in Marktredwitz absolvieren. „Augenblicklich ist er dort vierter Angreifer, bekommt kaum Spielzeit“, erklärt Liebscher. „Wir sollen ihn zum dritten Mann auf dieser Position ausbilden“, laute die Vereinbarung. Eine Kooperation, von der beide Vereine profitieren können. Zumal der 20-Jährige in punkto Annahme und Athletik alles für einen guten Volleyballer mitbringe, aber eben aufgrund des hohen Niveaus und den Ansprüchen in Karlsbad noch nicht mithalten kann.

Ansonsten darf Jan Liebscher auf ein eingespieltes Team vertrauen, das natürlich nach über einjähriger Spielpause – sieht man mal von den drei Partien vor dem Saisonabbruch ab – noch einiges an Feinschliff benötigt. Zurückgekehrt aus Eger ist Mittelblocker Petr Zakrzewski. Und auch Ondrej Kust steht Marktredwitz weiter als erfahrener Spielmacher zur Verfügung, wird sich aber weitgehend in Pilsen fithalten. Die Fahrten zum Training des beruflich sehr eingespannten 40-Jährigen früheren internationalen Profi-Volleyballers wären zu aufwendig. Drei Trainings sind mittlerweile absolviert und der Trainer ist positiv überrascht: „Alle machen einen fitten Eindruck, sind gesund und motiviert – und haben Lust.“

Nicht ungelegen kommt der VGF Marktredwitz ein neuer Spielmodus. So wird die 3. Liga Ost erstmals in zwei Gruppen zu je sechs Mannschaften mit Hin- und Rückspiel beginnen, wobei in der Gruppe B als siebtes Team das Volleyball-Internat Kempfenhausen mitwirkt. Nach zehn Partien teilen sich die Gruppen. Die jeweils drei Erstplatzierten wechseln in die Playoff-, die Teams von Platz vier bis sechs (oder sieben) in die Playdown-Runde. Wobei die Punkte gegen bereits bespielte Kontrahenten mitgenommen werden. Das ergibt für die VGF in der Gruppe A insgesamt 16 Saisonpartien, statt der ansonsten üblichen 24. „Das kommt uns echt entgegen“, freut sich Liebscher, der sich als großer Befürworter outet. Damit sollte er auch mit seinem eng geschnürten Kader einigermaßen über die Runde kommen. Zudem befürwortete die Staffelleitung einen Gruppen-Tausch, den der TSV Friedberg (bei Augsburg) wegen der weiten Fahrten ins Gespräch brachte. Hätte der doch als einziges Team aus dem Süden in einer ansonsten reinen Nordgruppe antreten müssen, während die VGF Marktredwitz kurioserweise das einzige Nordteam in einer reinen Süd-Staffel gewesen wäre. So tauschten die beiden Vereine einfach die Gruppen. „Uns hätte das wenig berührt“, sagt Liebscher, „aber damit können auch wir leben.“

Start in Zirndorf

Los geht es übrigens am 9. Oktober beim TSV Zirndorf mit einer echten Bewährungsprobe. Führten doch die Mittelfranken bis zum Abbruch bei sieben ausgetragenen Partien (die meisten aller) die Tabelle an. Das erste Heimspiel steigt eine Woche später in der Sebald-Arena gegen den früheren Erstligisten VC Eltmann. Weitere Gegner in der Gruppe A sind VC Zschopau, VSV Jena und TSV Eibelstadt. Für Liebscher zählen die Eibelstädter und Zirndorf zu den ersten Anwärtern auf die Playoff-Plätze.

„Es wird schwer, aber die Aufgaben sind machbar“, meint der Coach, für den verständlicherweise der Klassenerhalt oberste Priorität besitzt. Befürchtungen, dass wegen der langen Inaktivität sich einige der vorwiegend aktiven Mitglieder der VGF Marktredwitz zurückziehen könnten, bestätigten sich nicht. Und so wünschen sich Trainer wie Mannschaft sehnsüchtig eine Saison vor vollem Haus in einer prall gefüllten Sebald-Arena. Allein die Hoffnung darauf und auf künftige Spektakel, sagt Jan Liebscher, wären schon eine riesige Motivation und Ansporn zugleich.

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