Viele Anzeigen wegen Verstößen Corona schafft neue Täter in der Region

Viele Beschränkungen gab und gibt es wegen Corona. Manch einer hielt sich nicht daran und erhielt prompt eine Anzeige. Foto: /Matthias Bäumler

Seit Beginn der Pandemie hat die Polizei gut zu tun: Sie registriert im Landkreis Wunsiedel mehr als 1000 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz.

Wunsiedel - Die Corona-Krise hat auch der Polizei zu schaffen gemacht. Da ist zunächst die Krankheit selbst. Die Beamten haben von Anfang an besonders sensibel auf die Hygiene-Vorschriften geachtet. „Zudem haben wir, so es vertretbar war, die Zahl der eingesetzten Mitarbeiter reduziert, damit nicht zu viele zugleich im Schichtbetrieb waren“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Wunsiedel, Hubert Schricker. Die Polizisten sind mit zwei Positiv-Fällen bisher glimpflich davongekommen. „Ausgerechnet mich, der ich kaum rauskomme, hat es erwischt“, sagte Schricker beim Sicherheitsgespräch mit den Bürgermeistern des Inspektionsbereichs.

Corona hat ein Delikt ins öffentliche Licht gebracht, das bisher kaum eine Rolle im Polizeialltag gespielt hatte: Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz. Insgesamt hat die Polizei im gesamten Landkreis seit Beginn der Pandemie und den damit einhergehenden Bestimmungen 1054 Anzeigen in Zusammenhang mit Corona bearbeitet. „Allein seit Anfang des Jahres bis Ende April liegen 418 Fälle vor“, sagt Schricker. Dabei zeigten sich dieses Jahr die Selber am sensibelsten, wenn es um Verstöße gegen Corona-Schutzvorschriften ging. Insgesamt 130 Mal erstatteten die Bürger in der Porzellanstadt Anzeige oder die Polizisten selbst. In Marktredwitz waren es 129 und in Wunsiedel 43 Anzeigen. Lediglich in Röslau wurde heuer erst eine Anzeige erstattet.

„Wir merken, dass die Bevölkerung der Maßnahmen müde wird. Viele halten sich nicht mehr so akribisch an die Bestimmungen, vor allem jetzt, da die Inzidenz-Zahlen sinken“, sagt Schricker.

Im Gegensatz zu Gegenden im westlichen Oberfranken gibt es im Landkreis Wunsiedel keine offene Querdenkerszene. Zumindest hatte die Wunsiedler Polizei bislang keine Demonstration in ihrem Inspektionsgebiet.

Noch etwas anderes treibt den Chef der Wunsiedler Polizei um: „Es gibt ja eine Diskussion über die Anzeigeerstatter. Handelt es sich nun um den Denunzianten, der genau zählt, wie viele Besucher beim Nachbarn sind, oder um Menschen, die schlicht aus Überzeugung handeln und die Polizei kontaktieren?“ Die Beamten selbst bewerten die Motive der Anzeige zunächst nicht, sondern gehen der Angelegenheit nach.

Nicht nur für Schricker ungewöhnlich: Corona hat im Raum Wunsiedel nicht zu einem Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt geführt. Dies hatten viele Experten erwartet. Im Gegenteil, die Zahl nahm im Vergleich zum Vorjahr um zwei auf 31 ab. „Die Corona-Pandemie mit den Ausgangsbeschränkungen hat offenbar keine Auswirkungen gehabt.“

Erstaunlich für alle Bürgermeister war, dass die Polizei trotz des wegen der Pandemie weitgehend stillgelegten öffentlichen Lebens im vergangenem Jahr bei 69 Veranstaltungen anwesend war. M. Bäu.

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