Vor der Marienkirche Jüdischer Leuchter in Hof angefahren – zum zweiten Mal

Der Stab des Leuchters vor der Marienkirche ist abgeknickt. Foto: Keltsch

Ein Überwachungsvideo zeigt einen Lkw, der beim Rückwärtsfahren den Leuchter rammt. Der Fahrer ist mittlerweile ermittelt. Kurios: 2019 ist das Gleiche passiert.

Hof - Die Israelitische Kultusgemeinde Hof hat anlässlich des jüdischen Channuka-Festes wieder einen Leuchter in der Hofer Altstadt vor der Marienkirche aufgestellt – und wieder ist er von einem Lkw in der darauffolgenden Nacht angefahren und beschädigt worden, bereits zum zweiten Mal seit 2019. Die Hofer Polizei hat den Unfallfahrer inzwischen ermittelt, er wird der Unfallflucht beschuldigt.

Wie Polizeisprecher Heiko Mettke am Montag auf Anfrage mitteilte, zeigt das Überwachungsvideo einer Kamera, die an einem benachbarten Haus angebracht ist, den Lkw, der beim Rückwärtsfahren auf dem Bernhard-Lichtenberg-Platz den Aluminiumleuchter rammte. Die Polizisten konnten anhand der Aufnahmen innerhalb kurzer Zeit den Fahrer ermitteln. Es handelte sich um einen 67-Jährigen, der mit seinem Lkw in der Lorenzstraße ein Geschäft belieferte. Danach fuhr er rückwärts die Lorenzstraße hoch und schlug nach rechts zum Wenden ein. Dabei fuhr er rückwärts gegen den Leuchter. Ohne anzuhalten setzte er seine Fahrt durch die Fußgängerzone fort. An dem Leuchter entstand ein Schaden von rund 500 Euro, der Stab ist geknickt.

Jakob Gonczarowski, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Hof, wurde am frühen Montagmorgen von Pfarrvikar Holger Fiedler per E-Mail über die Beschädigung informiert. Wie er der Frankenpost berichtet, war schon im Jahr 2019 nach dem Channuka-Fest - ebenfalls auf dem Bernhard-Lichtenberg-Platz vor der Marienkirche – der Leuchter angefahren und beschädigt worden. Damals meldete sich später ein Lkw-Fahrer als Verursacher.

Im Jahr 2020 fand das Fest wegen Corona nicht statt. Am vergangenen Sonntag, am späten Nachmittag, war es wieder soweit: Vor der Marienkirche trafen sich Angehörige der Israelitischen Kultusgemeinde, um mit dem Channuka-Fest an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem zu erinnern. Für die Gemeindemitglieder und auch für die Passanten gab es Krapfen . Rabbi David Goldberg schaltete das erste Licht auf dem neunarmigen Leuchter an.

Die Geschichte von Channuka begann 167 v. Chr. als die Griechen den Juden in Israel das Beten im Tempel verbieten wollten und es deshalb zum Aufstand kam. Erst nach vier Jahren siegten die Makkabäer und erhielten volle Religionsfreiheit, wie Jakob Gonczarowski erläuterte.

Der Bernhard-Lichtenberg-Platz, wo die jüdischen Gläubigen das Fest feierten, ist nach dem Priester und Berliner Domprobst Bernhard Lichtenberg benannt, der während der NS-Diktatur öffentlich für die Verfolgten eintrat. Er wurde inhaftiert und während eines Transports ins KZ Dachau schwer krank ins Hofer Krankenhaus gebracht, wo er am 5. November 1943 starb. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem ehrt Lichtenberg wegen seines Einsatzes für verfolgte Juden als „Gerechten unter den Völkern“.

Hannes Keltsch/Frank Mertel

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