Der mit der libanesischen Hisbollah-Miliz verbündete Iran fordert im Rahmen der Waffenruhe auch einen Stopp israelischer Angriffe im Libanon - die Regierung in Jerusalem will jedoch Truppen im Süden des Nachbarlands belassen, um die Bewohner des israelischen Grenzgebiets zu schützen. Dieser Konflikt droht aber auch immer wieder die Waffenruhe der USA mit dem Iran auszuhebeln.
"Du bist total verrückt" („You’re fucking crazy“), soll Trump vor diesem Hintergrund Netanjahu Anfang des Monats in einem hitzigen Telefonat gesagt haben. "Alle hassen dich jetzt", sagte Trump laut Medienberichten und warf Israel vor, seine diplomatischen Bemühungen gegenüber Iran zu gefährden. Jüngst sprach Trump gegenüber der "New York Times" mit Blick auf Netanjahu von einem "schwierigen Typ".
Der Nahost-Experte Aaron David Miller schrieb in einem Beitrag auf X, kein US-Präsident habe jemals öffentlich über einen israelischen Ministerpräsidenten gesagt, was Trump über Netanjahu gesagt habe.
Für einen Politiker, der seine Karriere so eng mit dem Kampf gegen den Iran verknüpft hat, ist diese Entwicklung besonders bitter: Ausgerechnet die Iran-Frage, mit der Netanjahu über Jahrzehnte Stärke demonstrierte, scheint nun zu seiner größten politischen Belastung geworden zu sein.
Noch ist der politische Ausgang offen
Auch der israelische Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärte, der Verlauf des Krieges und eine mögliche Vereinbarung der USA mit dem Iran hätten Netanjahu "stark geschadet". Für einen politischen Abgesang auf Netanjahu - Israels am längsten amtierender Ministerpräsident und prägende Figur der israelischen Politik der vergangenen Jahrzehnte - hält er es jedoch noch für zu früh.
Die Wahl, für die noch kein Termin feststeht, muss spätestens am 27. Oktober stattfinden. Entscheidend sei, was nun während der 60-tägigen Waffenruhe geschehe, sagt Rynhold der Nachrichtenagentur dpa. "Was passiert, wenn Trump (bei den Verhandlungen) keine Einigung erzielt und der Krieg wieder beginnt?" Das könnte das Ansehen Netanjahus erneut verändern, erklärt der Experte. "Die Sache ist noch offen."