Vorreiter Dachschindeln, die Strom produzieren

Sandra Hüttner

In Regnitzlosau entsteht das erste Dach dieser Art weit und breit. Die Technik vereint Klimaschutz und Denkmalschutz.

Der Schutz der Umwelt ist ein absolut unstrittiges Erfordernis – doch bei der Sanierung denkmalgeschützter Häuser gab es bisher ein Problem für die Installation von Photovoltaik-Anlagen. „Inzwischen haben sich die Anforderungen des Denkmalschutzes geändert, und es gibt interessante Möglichkeiten für eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach“, teilt Claus-Dieter Schiller erfreut mit. Er hat im Jahr 2012 das Frackhaus in der Hauptstraße 7 in Regnitzlosau gekauft und mit der Sanierung begonnen. Nun erhält das Dach eine neue Eindeckung – jedoch nicht mit Naturschiefer, sondern mit Solarschindeln.

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Auch die örtliche Dachdeckerei Rank begibt sich damit auf Neuland. „Man lernt nie aus“, meint der Chef Michael Rank, der mit zwei Mitarbeitern auf der Dachlattung balanciert und die Schindeln in der Größe 50 mal 50 Zentimeter einhängt und mit einer Schraube in der Lattung fixiert. Aus der Nähe ist die Mini-PV-Anlage in jeder Dachschindel zu erkennen, aber beim Blick von der Straße aufs Dach nicht. Claus-Dieter Schiller erzählt, dass er durch einen Fernsehbeitrag über Photovoltaik auf denkmalgeschützten Häusern darauf aufmerksam wurde und dann recherchiert hat. „Mein erster Antrag ist abgelehnt worden, doch die geänderte Gesetzgebung ließ den erneuten Antrag zu. Es gibt eine Genehmigung und auch einen Zuschuss vom Bayerischen Amt für Denkmalpflege und der Oberfrankenstiftung“, erläutert der Hausbesitzer. Er ist damit Vorreiter in der Region. „Außer in Bamberg ist mir nichts von einer Dacheindeckung mit Solarschindeln auf denkmalgeschützten Häusern bekannt“, erläutert Schiller – und erhält Bestätigung vom Dachdecker. „Klimaschutz und Denkmalschutz müssen kein Widerspruch mehr sein, da durch die Solarschindeln der Charakter des Hauses nicht verändert wird“, freut sich Schiller. Die Solarschindeln unterscheiden sich optisch nicht von anderen – bis auf einen in Handarbeit überklebten Silberstreifen. Schiller hat keine Mehrkosten, da sein Dach als Referenzobjekt von der Firma anerkannt wurde.

Die beteiligten Firmen Solteq aus Oberlangen, Elektrotechnik Frank Auerbach aus Konradsreuth und Dachdeckerei Rank aus Regnitzlosau arbeiten gut zusammen. „Geplant war eine Einführung in die Verlegung der Solarschindeln durch die Firma Solteq vor Ort, aber das hat leider nicht geklappt. Per Videokonferenz wurden die Informationen ausgetauscht“, erzählt Schiller, Nach dem Rückbau der alten Dacheindeckung mit Kunstschiefer aus den 1970er-Jahren kam eine neue Dachlattung aufs Dach, passend für die Aufhängung der Solarschindeln. „Das Dach ist bereits von innen gedämmt“, erläutert der Hausbesitzer. Die Solarschindeln sind hinterlüftet. Sie werden auf seinen Wunsch und mit Blick auf die hier gängige Dacheindeckungen als Diagonalverlegung angebracht. Eine Blendwirkung gibt es nicht, durch die matte und angeraute Oberfläche. 7,5 Kilowattstunden Leistung erbringt das Solarschindeldach in der Spitze. „Das ist mehr als genug für meine Bedürfnisse, sodass noch eingespeist werden kann. Irgendwann soll ja noch ein E-Auto kommen“, erläutert Schiller und verweist auf den eingebauten Speicher.

Die Dachdecker verlegen die Solarpaneele nicht nur, sie verbinden sie auch miteinander. „Das ist keine große Geschichte, da nur zwei Stecker zu verbinden sind“, erklärt Michael Rank. Claus-Dieter Schiller freut sich über die Verbindung von Klimaschutz und Denkmalschutz. „Der Dachdecker hat mir zudem berichtet, dass die normalen Dachplatten auch immer größer werden, sodass die Solarschindeln auch von der Größe her nicht auffallen.“

Seit zwei Jahren beschäftigt sich der Hausbesitzer mit der Planung für sein Solarschindeldach und ist froh, dass es nun endlich realisiert wird. „Die Heizung ist mein nächstes Projekt“, meint er schmunzelnd. Aktuell wird das Haus mit einer Gasbrennwerttherme beheizt. „Nahwärme ist ein Thema, da die nahe Biogasanlage mit aktuell 70 angeschlossenen Haushalten noch Kapazitäten frei hat“, erläutert Claus-Dieter Schiller. Allerdings müsse erst die Gemeinde eine kommunalen Wärmeplanung erstellen.

Schiller sieht in den Solarschindeln, die auf jedes normale Hausdach kommen können, eine interessante Alternative zu PV-Modulen und eine gute Sache bei denkmalgeschützten Gebäuden.