Vortrag zur Artenvielfalt Allerorten Hecken und Blühstreifen

red

„Artenvielfalt in der Landwirtschaft“ – diesen Titel hatte Frank Hick aus Unterhartmannsreuth seinem Vortrag in der Stadtbücherei gegeben. Der Landwirt bewirtschaftet seinen Bauernhof im Vollerwerb und kümmert sich aktiv um den Artenschutz.

Landwirt Frank Hick und Kollegen haben die Lebensbedingungen für den Feldhasen in den vergangenen Jahren verbessert, mit Erfolg. Die Zahl der Hasen hat sich, von einem sehr niedrigen Niveau aus, fast verzehnfacht. Foto: picture alliance / dpa/Julian Stratenschulte

Bei dieser Veranstaltung haben die geplanten Sitzplätze in der Hofer Stadtbücherei zunächst nicht ausgereicht, so groß war das Interesse. „Artenvielfalt in der Landwirtschaft“ war das Thema, und der Referent ein Landwirt, der viel unternimmt, um die Artenvielfalt zu fördern. Udo Benker-Wienands, Vorsitzender der Ökologischen Bildungsstätte Hohenberg, die die Veranstaltungsreihe in der Hofer Stadtbücherei organisiert, freute sich mit Karl-Heinz Höss vom Verein der Freunde der Stadtbücherei Hof über den hervorragenden Besuch.

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Der zweite Abend in der Veranstaltungsreihe „Wasser – Boden – Humus“ fand auch bei der Jugend der Stadt reges Interesse: Eine große Gruppe der Hofer Fridays-For-Future- Aktiven war unter den Zuhörern.

Vernetzungskonzept

Frank Hick stellte seinen Vollerwerbsbetrieb in Unterhartmannsreuth im östlichen Landkreis Hof vor und erklärte die Artenschutzmaßnahmen, die er zusammen mit Berufskollegen aus Unterhartmannsreuth seit vielen Jahren erfolgreich ergriffen hat. So entwarfen die Landwirte ein Vernetzungskonzept entlang der Felder. Gemeinsam mit der Jägerschaft, Naturschutzverbänden und mit Unterstützung des Amtes für Landwirtschaft entstand so eine Kulturlandschaft, die sowohl den Zwecken der Landwirte als auch den Erfordernissen eines möglichst breiten Naturschutzes genügen kann. So sind verbindende Landschaftselemente wie Hecken und breite Blühstreifen in Unterhartmannsreuth allerorten zu finden. „Schade, dass die Hochspannungs-Gleichstromleitung unter der Erde verlegt wird. Überirdische hätten in regelmäßigen Abständen Trittsteine für die Natur unter den Masten entstehen und die Eingriffe in den Boden vermieden werden können“, bedauerte Frank Hick. Auch sei die unterirdische Lösung mit wesentlich höheren Kosten verbunden. „Die Blühflächen sollten möglichst lange, also mehrere Jahre, Zeit zum Entwickeln haben,“ erklärte Hick.

Zerstörung durch Verwaltungs-Zwang

Probleme mache aber die Auslegung der Fördermaßnahmen durch die Landwirtschaftsverwaltung. Frank Hick erklärte: „Wir Bauern werden gezwungen, langjährige Blühflächen jährlich einmal zu bearbeiten, also zu mulchen.“ Durch diese Maßnahme werde aber alles Leben, das in diesen Altgrasflächen überwintern könnte, vernichtet. „Das erfordert dann schon kreative Ideen, um das gemeinsame Ziel doch noch einigermaßen zu erreichen“, sagte der Referent.

Erfolge

Die Erfolge seiner Anstrengungen lösten bei den diskussionsfreudigen Zuhörern Erstaunen und Begeisterung aus. So konnte Hick nach einem langjährigen Monitoring zum Beispiel die Anzahl der Feldhasen von sechs im ersten Zähljahr auf 53 im sechsten Jahr erhöhen. „Da helfen die verbindenden Blühstreifen, die Hecken und auch eine gezielte Bejagung der Fressfeinde, sprich des Fuchses, während einer Übergangszeit.“ Ähnlich gute Ergebnisse deuten sich bei einem Auswilderungsprojekt der vom Aussterben bedrohten Rebhühner an. „Die Rebhühner brauchen eine vielfältige Landschaft mit Deckungsmöglichkeiten und offenen Landschaftsteilen sowie ein breites Futterangebot in Form von Insekten“, erklärte der Referent. Dass der Insektenbestand in unserer Heimat drastisch zurückgegangen ist, könne jedermann an der Windschutzscheibe seines Fahrzeugs feststellen. Inzwischen sei dies aber auch wissenschaftlich durch die Krefelder Studie belegt. Die Wissenschaftler hatten festgestellt, dass etwa 70 bis 80 Prozent der Masse der Insekten in den letzten Jahrzehnten verschwunden sind. Die Insekten seien aber für den Naturkreislauf und auch für die Landwirtschaft ein unverzichtbares Element. „70 Prozent aller Nutzpflanzen werden durch Insekten bestäubt! Ohne sie ist die herkömmliche Nahrungsproduktion nicht möglich“, gab Frank Hick zu bedenken.