Wechseljahre Wie lang muss ich verhüten?

Bettina Hartmann
Kondome bieten sich auch in den Wechseljahren als gute Verhütungsmethode an. Foto: dpa/Oliver Berg

Mit über 50 ist es nicht mehr sonderlich wahrscheinlich, schwanger zu werden. Unmöglich ist es aber nicht. Verhüten sollte man also auch in den Wechseljahren. Doch wie lange – und mit welcher Methode?

Mit das Beste am Älterwerden ist, dass man eher weiß, was einem gefällt – auch beim Sex. Doch in den Wechseljahren ist auf die Regel kein Verlass mehr. Wann kann man sich also sicher sein, dass die fruchtbare Phase wirklich zu Ende ist, und es nicht doch zu einer ungewollten Schwangerschaft kommt?

Wie lang muss ich verhüten?

Klar ist: In den Wechseljahren wird der Zyklus meist unregelmäßig. Anders als manche vermuten, heißt das aber nicht, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist. „So lange Eizellen vorhanden sind, ist sie theoretisch möglich“, sagt Katrin Schaudig, Frauenärztin aus Hamburg und Präsidentin der Deutschen Menopause Gesellschaft.

Selbst nach monatelanger Pause kann plötzlich wieder eine Periode einsetzen. Im Eierstock ist dann eine Eizelle „aus dem Dornröschen-Schlaf“ erwacht, beschreibt es Schaudig. Somit kann es zu einem Zyklus mit Eisprung kommen. So lang man Blutungen hat, wenn auch nur sporadisch, kommt man um Verhütung also nicht herum.

Mit welchen Methoden sollte man verhüten?

„Das kommt ganz auf die Situation der Frau an“, sagt Maria Beckermann, Frauenärztin und Psychotherapeutin aus Köln. Wer nur hin und wieder Sex habe, könne Kondome benutzen, die zudem vor Geschlechtskrankheiten schützen. „Aber auch für ein eingespieltes Paar kann das eine praktikable Methode sein.“

Für Frauen, die die Kupferspirale oder -kette gut vertragen, sei das eine bequeme Lösung: „Man muss sich um nichts mehr kümmern.“ Welche Methode am besten passt, bleibt auch in den Wechseljahren „eine persönliche und sehr individuelle Entscheidung“, heißt es dazu bei der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung.

Hat Verhütung weitere Effekte?

„Es ist möglich, damit Wechseljahresbeschwerden zu lindern. Etwa mit einer Hormonspirale, die gleichzeitig verhütet und starke Blutungen, die in den Wechseljahren möglich sind, verhindert“, sagt Beckermann. Auch der Einsatz einer Estradiol-haltigen Pille kann sinnvoll sein: „Dieses körpereigene Hormon lindert Symptome wie Hitzewallungen und Schlafstörungen.“

Weiterhin eine „normale Pille“ zu nehmen, also die Kombi-Pille aus Ethinylöstradiol und einem Gestagen, ist laut Beckermann und Schaudig nicht angezeigt. Vor allem Frauen mit einem erhöhten Risiko für Thrombosen, Embolien und auch für Brustkrebs sollten bereits ab einem Alter von etwa 40 bis 45 davon absehen.

Eignen sich „natürliche Methoden“?

Die Bestimmung der fruchtbaren Tage durch das Messen der Aufwachtemperatur und Beobachtung des Gebärmutterhalsschleims ist nur möglich, wenn der Eisprung regelmäßig stattfindet. Katrin Schaudig rät somit davon ab: „Schwankt der Zyklus stark, ist diese Methode zu unsicher.“

Ist eine Sterilisation sinnvoll?

„Es ist auf jeden Fall die sicherste Verhütung, wenn Frauen bzw. Paare ganz genau wissen, dass sie keine Kinder haben wollen“, erklärt Beckermann. Allerdings lohne sich das mit 50 nicht mehr: „Es ist schließlich ein operativer Eingriff. Und man kann diese letzten Jahre der eventuellen Fruchtbarkeit auch anders überbrücken.“ Generell gilt: Beim Mann ist eine Sterilisation ohnehin viel einfacher und risikoärmer durchzuführen.

Welchen Einfluss haben Hormontherapien?

Manche Frauen befürchten, dass eine Hormonbehandlung bei Wechseljahresbeschwerden ihre Fruchtbarkeit wieder erhöht. „Dem ist aber nicht so“, sagt Katrin Schaudig. Überhaupt sinkt die Fruchtbarkeit der Frau bereits ab Mitte 20. Zwischen 40 und 45 werden dann statistisch gesehen nur noch etwa zwei von 100 Frauen auf natürlichem Weg schwanger. Mit jedem weiteren Jahr geht die Quote drastisch zurück. So kamen 2020 in Deutschland 773 144 Babys auf die Welt. Nur 186 Mütter waren dabei über 50.

Gibt es Tests zur Fruchtbarkeit?

„Nicht wirklich“, schränkt Beckermann ein. „Die Höhe des AMH-Werts, also des Anti-Müller-Hormons, hängt zwar mit der Eizellreserve zusammen, kann aber umgekehrt keine Sicherheit geben, dass nicht doch noch ein Eisprung stattfindet.“ Die Östrogenspiegel schwanken gerade in den Wechseljahren beträchtlich. „Bei einer Östradiolbestimmung gilt das Ergebnis nur für diesen Moment. Schon eine Woche später können sich die Werte wieder verändert haben“, erklärt die Gynäkologin. Alle Methoden können daher nur Anhaltspunkte geben.

Steigt im Alter das Fehlgeburtsrisiko?

„Ja, denn die Eizellen sind immer so alt wie die Frau“, sagt Maria Beckermann. „Je älter, desto anfälliger werden Zellen für Mutationen. Es kommt auch öfter zu chromosomalen Störungen der Eizellen.“ Die meisten Chromosomenanomalien sind aber nicht mit dem Überleben vereinbar und führen daher zu Fehlgeburten. Diese finden meist sehr früh statt und werden von den Frauen als Regelblutung eingeordnet. „Genaue Statistiken zur Fehlgeburtenrate in diesem Alter gibt es daher nicht“, fügt Katrin Schaudig hinzu.

Wann ist Verhütung endgültig beendet?

Eine Faustregel der Weltgesundheitsorganisation WHO besagt: Wenn eine unter 50-jährige Frau 24 Monate lang keine Blutung mehr hatte. Bei einer über 50-Jährigen gelten 12 Monate als sicheres Indiz dafür, dass das Thema Verhütung abgeschlossen ist.

 

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