Weihnachtstraktoren Im Konvoi gegen das Unverständnis

Auch in Hof fährt am Samstag ein Konvoi weihnachtlich geschmückter Traktoren durch die Straßen. Hinter der Aktion steckt ein ernstes Anliegen.

Auch der 21-jährige Sebastian Feulner aus Harsdorf fährt am Samstag mit dem Traktor durch Hof. Foto: /Schwaooacher

Hof/Harsdorf - Der Traktor steht bereits geschmückt bereit. Das Schild, auf dem sonst bei Demos Botschaften an die Politik zu lesen sind, ist überdeckt mit weißem Stoff. „Frohe Weihnachten“ ist darauf fein säuberlich in roter Farbe geschrieben. Grüne Kunststoffgirlanden in Tannenoptik schmücken das Gefährt, ebenso Lichterketten. Die sollen am Samstagabend in Hof etwas Licht in die Dunkelheit des Dezembers zaubern.

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Am Steuer sitzt dann Sebastian Feulner aus Harsdorf, dort wo der Landkreis Kulmbach auf den Landkreis Bayreuth trifft. In Bayreuth ist der 21-jährige – im Hauptberuf Elektriker, im Nebenberuf Landwirt – bereits am vergangenen Wochenende mitgefahren, bei der Aktion „Ein Funken Hoffnung“, die auf die Probleme der Landwirte aufmerksam machen, aber gerade in Zeiten der Pandemie auch ein schönes, vorweihnachtliches Erlebnis für Groß und Klein bieten soll. Zwischen den Fahrten in Bayreuth und Hof kam nur ein kleiner Teil der Deko kurz ab, um den Traktor sauber machen zu können.

Die Bewegung „Land schafft Verbindung“, gegründet 2019, stellt derartige Fahrten seit 2019 bundesweit auf die Beine, um die Politik auf die Belange der Landwirte aufmerksam zu machen und um Verständnis in der Bevölkerung zu werben. Auf der Internetseite heißt es: „Diese Bewegung ist und bleibt vollkommen verbandsübergreifend und parteineutral. Es finden sich Landwirte, Landbewohner und Landnutzer in unseren Reihen. Und diese Menschen wollen geschlossen, ohne irgendwelche Verbandsgedanken, die ersten Schritte eines neuen Weges gestalten.“ Johannes Vogel, Landwirt aus Selbitz, der die Aktion für den Landkreis mitorganisiert, betont: „Wir, die heimischen Bauern, streiten für den Erhalt unserer Landwirtschaft und für die sichere regionale Lebensmittelerzeugung und -versorgung.“

Sebastian Feulner findet „diesen Zusammenhalt unter den Landwirten“ gut. Deswegen fahre auch er selbst immer wieder mit. „Wir wollen, dass die Bevölkerung mitkriegt, was die Landwirtschaft macht, und dass Landwirte keine schlechten Menschen sind.“ Mit dem Etikett „Umweltsünder“ werde die Branche oft stigmatisiert. „Wir arbeiten aber vielmehr mit der Natur und pflegen sie. Würden wir sie schädigen, hätten wir ja nichts davon. Ich glaube, die Leute fassen vieles, was in den Medien berichtet wird, falsch auf“, erklärt der Jungbauer, dessen Vater die Landwirtschaft ebenfalls im Nebenerwerb betreibt und dessen Mutter mit der „Naturkräuterschmiede Harsdorf“ als Kräuterpädagogin ein weiteres Standbein auf dem Hof aufgebaut hat. Tiere gibt es auf dem Hof längst nicht mehr, der Stall ist umgebaut zur Veranstaltungsscheune. Jetzt im Dezember steht auf dem Hof vor allem die Wartung der Geräte an und die Vorbereitung auf das nächste Jahr – in dem sich Cem Özdemir als neuer Landwirtschaftsminister beweisen muss: „Da warte ich erst mal ab und bin gespannt, wie er sich für die Landwirtschaft einsetzt“, sagt Sebastian Feulner. Themen, die die Landwirte umtreiben, gibt es genug: Der Harsdorfer nennt etwa die Düngeverordnung und immer neue Auflagen, die kaum einzuhalten seien. Immerhin: In Zeiten der Pandemie habe man gemerkt, dass manch einer seine Kartoffeln jetzt doch wieder auf dem Bauernhof kaufe. Die große, von manchem erhoffte Rückbesinnung auf Regionalität sei in der Masse aber ausgeblieben.

Die Reaktionen auf die Traktor-Konvois unterm Jahr erlebt Feulner als gemischt: „Manchmal stehen Leute am Straßenrand, schimpfen, weil wir den Verkehr aufhalten, und zeigen einem den Finger. Andere sind froh, dass sich hier Leute für ihre Interessen einsetzen.“ Bei den Weihnachtskonvois seien aber plötzlich viele mit im Boot. „Ich glaube, dass dadurch schon einige verstanden haben, dass die Landwirte nicht nur demonstrieren können, sondern auch Freude bringen.“ In der vergangenen Woche hätten den insgesamt 45 teilnehmenden Landwirten viele Tausend Menschen zugesehen.

Am Samstag um 17 Uhr startet der bunt leuchtende Korso in der Uferstraße und fährt dann über Lessingstraße, Sigmundsgraben, Ludwigstraße, Poststraße, Kreuzsteinstraße, Marienstraße und Hans-Böckler-Straße zur Kreuzung Wunsiedler-Straße/Ernst-Reuter-Straße, wo sich der Traktorkonvoi wieder auflösen wird. Die Polizei wird die fahrende Demonstration begleiten.