Schonend bei nicht mehr als 30 Grad
Scheuring blickt auf der neuen Edelstahlanlage auf ein Display, um zu kontrollieren, was mit dem gerade eingefüllten Silvaner in der neuen Maschine aus Baden-Württemberg passiert. Er kontrolliert Alkoholgehalt, CO2-Anteil und andere Parameter, während der Wein aus einem 3.000-Liter-Tank durch die Anlage strömt und ihm über eine hydrophobe Membran schonend bei etwa 30 Grad der Alkohol entzogen wird. Im zweiten Schritt werden dem Produkt die Aromen, die durch das Entalkoholisieren verloren gehen, wieder zugefügt.
Binnen einer Stunde wird aus 500 Liter Silvaner und seinen 10 bis 13 Prozent Volumenprozent Alkohol ein nahezu alkoholfreies Getränk. Allerdings mit Verlust - sowohl in der Menge als auch bei Geschmack und Haltbarkeit.
Mehr Arbeit, höherer Preis
"Du merkst, dass dem Wein etwas fehlt", sagt Winzermeisterin Röder. "Einem Weintrinker, der seinen Silvaner oder Bacchus oder Müller-Thurgau liebt und es trinken darf, dem empfiehlt man keinen alkoholfreien Wein."
Hinzu kommt die Herausforderung Preis: Eigentlich müsste alkoholfreier Wein teurer als alkoholhaltiger Wein verkauft werden, weil zum einen etwa zehn Prozent der Menge durch den fehlenden Alkohol verschwunden sind und mehr Arbeit im Alkoholfreiem steckt. Ein bis zwei Euro mehr müssten es eigentlich sein, sagt Weinbaureferent Schmidt.
Stichwort Mischkalkulation
Zwei Euro mehr je Flasche? Dafür war der Markt lange nicht bereit, wie Winzerin Röder erzählt. "Wenn die Flasche von Anfang an neun Euro gekostet hätte, hätte sich ja niemand dafür interessiert. Und deswegen haben wir das sehr moderat angefangen. Jetzt sind wir eben bei 8,50 Euro der Dreiviertelliter."
Für die meisten Winzer rechnet sich der Alkoholfreie bisher nicht, lediglich in der Mischkalkulation mit anderen Produkten steht am Ende vielleicht ein Plus.
Alkoholfrei bedeutet nicht alkoholfrei
Ganz ohne Alkohol kommt alkoholfreier Wein allerdings nicht aus - maximal 0,5 Prozent Alkohol sind erlaubt. Für einen Alkoholiker sei auch dieser geringe Anteil schon ein Trigger, warnt Thomas Polak, Experte für Abhängigkeitserkrankungen und Chefarzt an der Fachklinik Weibersbrunn der Hephata Diakonie. "Das ist regelhaft bei solchen Menschen der Einstieg in den Rückfall, beziehungsweise es ist schon ein Rückfall", sagt er. "Ich persönlich finde, man darf es nicht alkoholfrei nennen."