Weltladen Marktredwitz Bewusstsein für Fairness beim Handel

Christl Schemm
Informationen aus erster Hand über den Weltladen Marktredwitz gab es beim Besuch von Bärbel Kofler. Das linke Bild zeigt die Parlamentarische Staatssekretärin (Fünfte von rechts) mit den Ehrenamtlichen Hanne Seidl, Thomas Pitzl, Gerlinde Bayerl und Bärbel Mader sowie der dritten Bürgermeisterin Christine Eisa, Bezirks- und Kreisrat Holger Grießhammer, Bundestagsabgeordnetem Jörg Nürnberger, dem Vorsitzenden des Vereins „Solidarität in der Einen Welt“, Ulrich Frey, Oberbürgermeister Oliver Weigel und Stadtrat Klaus Haussel (von links). Foto: Matthias Bäumler/Christl Schemm

Die Parlamentarische Staatssekretärin Bärbel Kofler besucht den Weltladen in Marktredwitz. Problematisch sind die steigenden Kosten für die Energie.

Wie sieht es aus mit der Fairness und dem Handel auf dieser Welt? Können die Bauernfamilien, Arbeiter und Arbeiterinnen des globalen Südens, die Produkte für Konsumenten in den Industrieländern herstellen, von ihrer Hände Arbeit leben? Bekommen sie existenzsichernde Löhne und erzielen sie ein auskömmliches Einkommen? Werden Arbeitsrechte eingehalten und Kinder gegen Ausbeutung geschützt? Mit solchen und ähnlichen Fragen befassen sich die Organisatorinnen und Organisatoren von Weltläden. Einer davon ist in Marktredwitz. Am Mittwochnachmittag informierte sich eine Politikerin mit einem langen Titel über die Arbeit des Weltladen-Teams: Bärbel Kofler, die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Begleitet wurde sie von Bundestagsabgeordnetem Jörg Nürnberger, Kreis- und Bezirksrat Holger Grießhammer, Oberbürgermeister Oliver Weigel und Kommunalpolitikern der SPD.

Zusammenschluss habe sich gut bewährt

Einer, der sich seit Jahrzehnten für fairen Handel einsetzt, ist Ulrich Frey. Der frühere Arzberger Gemeindereferent gründete 1983 den Dritte-Weltladen in Arzberg, der später nach Marktredwitz umzog, und ist heute der Vorsitzende des Vereins „Solidarität in der Einen Welt“. Diesem sind auch die Weltläden in Marktredwitz und Wunsiedel angeschlossen. Der Zusammenschluss habe sich gut bewährt, erläuterte Frey beim Besuch der Staatssekretärin. Der Verein habe die Kraft, 15 Weltläden sowie ein Verteilzentrum in Langquaid bei Regensburg zu betreiben und generiere einen Umsatz von 1,7 Millionen Euro. 16 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie über 400 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer trügen die Arbeit der Geschäfte. Die Ehrenamtler seien mit den Läden alt geworden, und es sei schwer, Freiwillige zu finden, die mitarbeiten wollen.

Sorgen bereiteten die Energiekosten und die Sicherung der Arbeitsplätze. „Denn fair beginnt auch bei uns. Wir wollen wenigstens den Mindestlohn bezahlen, liegen bei unseren Gehältern für die Hauptamtlichen derzeit aber gut darüber“, berichtete der Vorsitzende. Auf die Frage von Bärbel Kofler nach regionalen Partnern sagte er, dass im Weltladen ein Saft aus regionaler Produktion angeboten werde, aber die Nachfrage leider nicht sehr groß sei.

Enorm wichtige Entwicklungsarbeit

SPD-Bundestagsabgeordneter Jörg Nürnberger erinnerte daran, dass der Weltladen in Marktredwitz vor einigen Jahren mit dem Artur-Buchta-Preis der Marktredwitzer SPD für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet worden sei. Zur „großen“ Politik schwenkend, meinte Nürnberger, die Entwicklungsarbeit sei enorm wichtig. „Wir sind nicht allein auf der Welt und müssen die Zusammenhänge auf der Welt wahrnehmen“, sagte er. Der Weltladen sei eine notwendige Einrichtung und stärke das Bewusstsein für diese Zusammenhänge vor Ort. Ferner wies der Abgeordnete darauf hin, dass sich der Landkreis Wunsiedel auf die Fahnen geschrieben habe, ein „Fair-Trade-Landkreis“ zu sein.

Für die Arbeit der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Laden bedankte sich SPD-Bezirks- und Kreisrat Holger Grießhammer. „Das ist eine tolle Sache“, sagte er und lobte die Staatssekretärin dafür, hinaus zu den Menschen zu gehen und sich vor Ort blicken zu lassen. „Im Weltladen gibt es viele Themen, die uns beschäftigen“, sagte Oliver Weigel. Marktredwitz arbeite innerhalb der Euregio Egrensis eng mit Tschechien zusammen. Daher hoffe er auf Unterstützung aus Berlin für die Elektrifizierung der Bahnlinie Nürnberg-Prag, so der Oberbürgermeister.

Problematische Energiepreise

Die Weltläden hätten mit ihrem fairen Handel ein Bewusstsein für das Thema bei den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt, sagte Staatssekretärin Kofler. Die derzeit sehr hohen Preise für Energie seien problematisch für die Geschäfte mit den gerecht gehandelten Waren sowie ihre Partner, die unter diesen Bedingungen oft nicht mehr fair produzieren und ihre Bedürfnisse abdecken könnten. Denn das Thema „Energiepreise“ belaste Länder des globalen Südens noch weit mehr als die Industrieländer.

 

Bilder