Erst Anfang der 2010-er Jahre entdeckte ein amerikanischer Forscher, dass auch Isotopen andere Elemente, wie etwa Chrom und Titan, dafür genutzt werden können. Damit gelang es der Forschung, Meteoriten in zwei Klassen einzuteilen: in nicht-kohlige, die ausschließlich im inneren Sonnensystem gebildet werden, und kohlige, die mehr Wasser und Kohlenstoff enthalten und im äußeren Sonnensystem entstehen.
Die neue Analyse belegt, dass die Erde vollständig aus nicht-kohligem Material zusammengesetzt ist. Der bisher vermutete Austausch zwischen den beiden Materialreservoiren ist nicht nachweisbar.
Die Erde wuchs also in einem relativ statischen System, indem sie sich während ihres Wachstums ihre kleineren Nachbarplaneten einverleibte. Weiter bedeutet dies, dass auch im inneren Sonnensystem die meisten flüchtigen Elemente wie Wasser stets vorhanden waren.
Jupiter als Materialschranke
Doch warum gibt es in unserem Sonnensystem zwei unterschiedliche Materialreservoire? Forscher nehmen an, dass sich unser Sonnensystem während seiner Entstehung aufgrund von Jupiters schnellem Wachstum und seiner Größe in zwei Reservoire aufteilte.
Die Schwerkraft des Gasriesen riss eine Lücke in die protoplanetare Scheibe, die um die junge Sonne kreiste. Protoplanetare Scheiben sind ringförmig, bestehen aus Gas und Staub und sind der Geburtsort von Planeten. Jupiter verhinderte, dass Material aus dem äußeren Sonnensystem ins Innere eindrang. Wie undicht diese Barriere tatsächlich war, blieb jedoch unklar – bis jetzt.
Kein Material von jenseits des Jupiters
Mit ihrer neuen Analyse zeigen die beiden ETH-Forscher, dass wohl fast kein Material von jenseits des Jupiters in Richtung Erde floss. „Unsere Berechnungen sind sehr robust und stützen sich nur auf die Daten selbst, nicht auf physikalische Annahmen, da diese noch nicht vollständig verstanden sind“, betont Bower.
Die Analyse zeigt weiter, dass die Erde von der Materialzusammensetzung her auf einer (verwandtschaftlichen) Linie mit Vesta und dem Mars steht. Auf der gleichen Linie vermuten die Forscher auch Venus und Merkurs.
„Aufgrund unserer Analyse können wir theoretisch auch die Zusammensetzung dieser beiden Planeten vorhersagen“, konstatiert Paolo Sossi. Analytisch überprüfen kann er seine Aussage allerdings nicht: Von Merkur und Venus, die der Sonne am nächsten sind und wie die Erde zum inneren Sonnensystem zählen, stehen den Forschenden bisher keine Gesteinsproben zur Verfügung.
Neues Licht auf Entstehungsgeschichte
Unsere Ergebnisse werfen ein neues Licht auf die Entstehungsgeschichte unserer Erde und die anderen Gesteinsplaneten“, resümiert Sossi.
In einem nächsten Schritt möchte er unter anderem wissen, warum im heißen inneren Sonnensystem so viel Wasser vorhanden war, um damit die Ozeane der Erde zu bilden. Weiter möchten die ETH-Planetenforscher wissen, ob sich diese Prozesse auf Exoplaneten-Systeme übertragen lassen.