WGG Selb Vier Tage auf dem Jakobsweg

Aufbruch zur ersten Wander-Etappe. Dabei bot sich den Schülerinnen und Schülern ein wundervoller Blick auf San Sebastián. Foto: /pr.

Schülerinnen und Schüler der elften Jahrgangsstufe des Walter-Gropius-Gymnasiums erleben Nordspanien hautnah – zu Fuß, im Bus und im Zug. Die Gymnasiasten lassen sich auch von kleineren und größeren Schwierigkeiten nicht bremsen.

Eine ganz außergewöhnliche Schulfahrt haben zum Schuljahresende die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des P-Seminars Spanisch des Selber Gymnasiums zusammen mit ihrer Seminarleiterin Christine Wlasak-Feik und Corinna Alkan als zweiter Begleitlehrerin unternommen: Sie flogen nach Spanien, besichtigten drei berühmte Städte und waren vier Tage auf einem Stück des Jakobsweges unterwegs – zu Fuß, mit dem Bus und dem Zug.

Dieses umfangreiche, auf sechs Tage komprimierte Programm hatten sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe in ihrem Seminar selbst zusammengestellt. Lange war gar nicht klar, ob die Corona-Lage solche Auslandsfahrten überhaupt zulassen würde. Trotzdem wurden Pläne geschmiedet, Recherchen angestellt, Präsentationen zum Thema erarbeitet und eine Trainingswanderung im Fichtelgebirge absolviert. Im Frühjahr kam jedoch die Genehmigung aus dem bayerischen Kultusministerium für Schulfahrten ins Ausland, sodass dann alles ganz schnell gehen musste: Flüge mussten gebucht, Herbergen recherchiert und reserviert, Tagesetappen ausgearbeitet werden.

Bis zum endgültigen Reisestart in der vorletzten Schulwoche gab es indes noch jede Menge Aufregung: Zwei Schülerinnen mussten krankheitshalber ganz kurzfristig absagen, der Zubringerzug von Marktredwitz zum Flughafen fiel aus, sodass man in aller Frühe bis nach Weiden fahren musste, um überhaupt noch wegzukommen, und in der Jahrgangsstufe grassierten Ansteckungen, von denen man nicht wusste, inwieweit sie sich während der Reise fortsetzen würden. Schlussendlich saßen zehn Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen glücklich im Flugzeug, das sie zunächst von München nach Madrid brachte.

Im Zentrum Madrids

Den dort eingeplanten mehrstündigen Aufenthalt nutzte die Gruppe für eine schnelle Fahrt mit dem Bus ins Stadtzentrum, vorbei an berühmten Stätten wie dem Retiro-Park, dem Prado-Museum, den beiden Brunnen zu Ehren Neptuns und der Fruchtbarkeitsgöttin Cibeles. Im Reina-Sofía-Museum schauten sich die Gymnasiasten das Originalbild „Guernica“ von Pablo Picasso an, denn diesen baskischen Ort, den deutsche Flugzeuge 1937 bombardiert hatten, wollte die Gruppe später besuchen. Bei rund 40 Grad marschierte die Gruppe anschließend ins historische Zentrum Madrids, wo man den Puerta-del-Sol-Platz besuchte und sich schließlich im Schatten des Santa-Ana-Platzes ein paar leckere Tapas schmecken ließ.

Mit der U-Bahn ging es zurück zum Flughafen und dort schnell in den Anschlussflug, der die Gruppe nach San Sebastián brachte, den Ausgangspunkt ihrer Wanderung auf dem Camino del Norte.

Die Nacht im Hostel war kurz, am nächsten Morgen begann nach einem Frühstück direkt am Meer die viertägige Wanderung. Eigentlich sollte diese rund 100 Kilometer und viele Höhenmeter hinauf und hinunter komplett zu Fuß und immer entlang des mit dem markanten gelben Pfeil und der Jakobsmuschel gekennzeichneten Weges führen. Doch die auch fürs spanische Baskenland ungewöhnliche Hitzewelle, einige gesundheitliche Probleme und das doch teilweise sehr bergige und schwierige Geläuf führten dazu, dass jeweils nur ein Teil der Strecke wandernd zurückgelegt und stets ein paar Kilometer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln überbrückt wurden.

Atemberaubende Orte

Busse und Züge fahren selbst im abgelegensten Hinterland und auch an Sonn- und Feiertagen im Stundentakt und bedienen selbst die entlegensten Bergdörfer, sodass dies kein Problem darstellte und die Gruppe vor einigen Schwierigkeiten bewahrte. Was sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern in diesen vier Tagen an Landschaft bot, war atemberaubend: einsame Strände, steile Abhänge, dichte Wälder, weitläufige Felder, Naturschutzgebiete und geologische Parks.

Übernachtet wurde stilecht in Herbergen und damit in Schlafsälen, sodass das echte Jakobsweg-Pilgergefühl aufkam. Die Bevölkerung zeigte sich durchweg sehr gastfreundlich und hilfsbereit, und so gab es viele nette Begegnungen, bei denen manch ein Schüler sein Spanisch erfolgreich ausprobieren konnte.

Die Schülerinnen und Schüler erlebten auch so einiges an spezifisch baskischen Eigenheiten und Bräuchen, angefangen von der baskischen Sprache, die keine Verwandtschaft mit irgendeiner anderen bekannten Sprache aufweist, bis hin zum Brauch der Stierhatz durch ein Dorf und zu baskischen Volkstänzen, die am Jakobstag aufgeführt wurden.

Den Abschluss der eindrücklichen Reise bildete ein halber Tag in Bilbao, einer tollen Stadt, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wiederum begeisterte. Viele nutzten den Aufenthalt nicht nur zum Bummeln, sondern auch zu einem Besuch des beeindruckenden Guggenheim-Museums. Und natürlich besuchte die gesamte Gruppe die Jakobs-Kathedrale, um dem Patron dieser Reise in Form einer mittelalterlichen Statue ihre Reverenz zu erweisen.

Zurück in die Heimat

Die Heimreise am letzten Tag war erneut nicht frei von Aufregung, da ein Teil der Gruppe durch einen Fehler der Airline zunächst auf Standby gesetzt worden war und somit um ihre Sitzplätze bangen musste. Zudem streikte in München das Bodenpersonal der Lufthansa.

Doch erneut klappte nach einiger Aufregung alles. Auch die Zugfahrt ging diesmal wieder bis nach Marktredwitz. So kamen alle zwölf erschöpft, aber mit den vielfältigsten neuen Eindrücken und dem Gefühl nach Hause, eine ganz besondere, ja einzigartige Schulfahrt erlebt zu haben. Die Gruppe hatte bei allen Abenteuern und spontanen Planänderungen hervorragend zusammengehalten, Starke hatten Schwächere unterstützt, und so haben alle wirklich einen guten Weg zurückgelegt, denn dieser Wunsch begleitet jeden Jakobspilger: Buen camino!

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