Wie alles begann „Hilfe für Nachbarn“: Seit 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte

Seit dem Jahr 2000 lindert „Hilfe für Nachbarn“ schnell und unbürokratisch Not in der Region. Gründungsväter erinnern sich, wie der Verein startete.

So ging es im November 2000 los: Das Spendenbarometer startete mit 5000 Mark und stieg dann schnell an – zur Freude von (von links) Dr. Friedrich Sticht vom Diakonischen Werk Hof, Arnold Ubl von der Sparkasse Fichtelgebirge, Bernd Würstl von der Sparkasse Marktredwitz sowie Reinhold Gerstner und Karlheinz Hirschberger, beide Sparkasse Hof. Foto: Archiv

Armut hat viele Gesichter. Und sie trifft manche Menschen wie aus heiterem Himmel. Etwa, wenn sie schwer erkranken oder ihren Partner verlieren, wenn die Wohnung abbrennt oder die Rente nicht ausreicht, um Medikamente zu bezahlen. Manchen Familien fehlt schlicht das Geld, um ihren Kindern warme Winterkleidung zu kaufen. Alles Notlagen, bei denen schnelle, unbürokratische Hilfe gefragt ist.

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Die leistet der Verein „Hilfe für Nachbarn“, eine Gemeinschaftsaktion von Frankenpost und Sparkasse Hochfranken. Die Sparkasse kümmert sich um die Verwaltung der Spendengelder, die Frankenpost berichtet über die Schicksale der Menschen, für die gesammelt wird. Seit 25 Jahren ist „Hilfe für Nachbarn“ eine Erfolgsgeschichte. Insgesamt sind seit der Gründung Spenden in Höhe von 4,8 Millionen Euro eingegangen.

Artikel über Schicksale

 Nicht zuletzt auch wegen der medialen Aufmerksamkeit. Die ehemalige Frankenpost-Redakteurin Beate Franz hat über zwanzig Jahre lang über Schicksale von Menschen berichtet und zum Spenden aufgerufen. Sie kann sich noch gut an ihren allerersten Besuch bei einer sechsköpfigen Familie aus Hof erinnern: „Der Vater von vier Kindern konnte das Rezept für seine Brille nicht einlösen, weil ihm das Geld für die Zuzahlung fehlte“, erzählt sie. Die Redakteurin schilderte in ihrem Bericht – natürlich anonym –, dass das Einkommen des Vaters gerade für die Miete reichte, die Mutter krankheitsbedingt nicht arbeiten konnte und die Möbel in der Wohnung kaputt waren. „Danach haben mich ganz viele Leser angerufen, die helfen wollten, sie haben mir Möbel für die Familie vorbei gebracht.“

„Für mich als Journalistin war es bereichernd, dass man mit den Artikeln etwas bewirken kann“, sagt die ehemalige Frankenpost-Redakteurin Beate Franz. Foto: privat

Der Fall habe sie damals sehr mitgenommen, sagt Franz, die mittlerweile in Rente ist. „Es war für mich wie ein Eintauchen in eine andere Welt. Ich dachte immer, in unserem Land mit seinem guten Sozialsystem ist alles geregelt, aber es gibt eben Menschen, die durchs Raster fallen.“ Sie weiß noch, dass sie anfangs keine Freude daran hatte, Weihnachten zu feiern, weil sie durch ihre Besuche bei Bedürftigen um deren Not wusste. Umso schöner sei es gewesen, ihnen wirklich helfen zu können. „Für mich als Journalistin war es bereichernd, dass man mit den Artikeln etwas bewirken kann. ,Hilfe für Nachbarn’ war von Anfang an ein Erfolg.“

  Foto: Grafikdesk

Seit 25 Jahren sammelt der Verein Geld, das ohne Abzüge an Menschen geht, die unverschuldet in Not geraten sind. Es sind mittlerweile Tausende, denen die Aktion seitdem helfen konnte.

„Die Idee hat mich von Anfang an begeistert“, sagt Bernd Würstl, Gründungsvater von „Hilfe für Nachbarn“. Foto: privat

„Was würden wir tun, wenn wir ,Hilfe für Nachbarn’ nicht hätten?“, fragt Bernd Würstl. Der heute 75-Jährige aus Ebnath war viele Jahre Vorstandsvorsitzender der Sparkasse und gehört zu den Gründungsvätern von „Hilfe für Nachbarn“. Würstl erinnert sich an die Anfänge im November 2000, als die erste Weihnachtsspenden-Aktion startete. „Die Idee, so etwas zu machen, hat mich sofort begeistert“, sagt er. Auch Werner Mergner, damals Redaktionsleiter der Frankenpost, war vom ersten Moment an entflammt. „Durch meinen Beruf habe ich so viele Schicksale zur Kenntnis nehmen müssen, wo Menschen dringend Hilfe brauchten“, sagt der heute 80-Jährige.

„Viele haben sich geschämt, obwohl sie unverschuldet in Not geraten sind“, erinnert sich Werner Mergner, Gründungsvater des Vereins. Foto: picture alliance/dpa

Dass die Erfolgsgeschichte bis heute anhält, hätten sich die Gründungsväter nicht träumen lassen. Das liegt wohl auch daran, dass hier viele Räder ineinander greifen: Die Sparkasse kümmert sich um die Verwaltung der Spendengelder, die Frankenpost schafft die Verbindung zu den Lesern und potenziellen Spendern. Und die wiederum können darauf vertrauen, dass ihr Geld in der Region bleibt und bei den Richtigen ankommt. Dafür sorgen die Dritten im Bunde: Wohlfahrtsverbände wie Diakonie, Caritas und Rotes Kreuz. Deren Mitarbeiter überprüfen nicht nur die einzelnen Fälle vor Ort, sie stehen den Menschen in Not auch mit Rat und Tat zur Seite.

Einkaufen mit Kindern

„Alles geht unkompliziert Hand in Hand“, sagt Bernd Würstl. Er erinnert sich daran, dass am Anfang sogar Mitarbeiter der Sparkasse mit den Kindern aus bedürftigen Familien in Selb, Marktredwitz und Hof einkaufen gingen. „Das waren besondere Erlebnisse, die Kinder kamen dann zurück in die Sparkasse und haben voller Freude ihre warmen Winterjacken gezeigt.“ Als Dankeschön schickten sie Briefe und selbst gemalte Bilder. „Es war nicht nur ein Geben, man hat viel zurückbekommen“, findet Würstl.

Besonders lag ihm auch das Selber Frauenhaus am Herzen. Dank „Hilfe für Nachbarn“ konnte und kann man vielen Frauen beim Start in ein neues Leben helfen. Zu einer alleinerziehenden Mutter, die damals aus brutalen Verhältnissen floh, hat die Familie Würstl bis heute Kontakt. „Mutter und Kind konnten einen guten Weg eingeschlagen, die Frau ist mittlerweile Oma – und wir schreiben uns immer noch.“

Spendenbereitschaft schon immer groß

Wenn Würstl heute an seine Zeit als Sparkassen-Chef zurückdenkt, bleibt ihm „Hilfe für Nachbarn“ besonders positiv im Gedächtnis. „Es war einfach ein wunderbares Gefühl, helfen zu können, für mich war das eine Herzensangelegenheit.“ Was ihn besonders freut: „Die Spendenbereitschaft in unserer Region war immer sehr groß.“ Auch Firmen und Politiker fingen an, auf Geschenke zu verzichten und stattdessen um Spenden für „Hilfe für Nachbarn“ zu bitten. „Es war immer eine besondere Freude, wenn man einen Scheck abholen durfte“, erzählt Würstl. Als Gründungsvater ist er mittlerweile Ehrenmitglied des Vereins, genau wie Werner Mergner.

Kein Geld für die Klassenfahrt

Dass die Aktion bis heute so erfolgreich läuft, erfüllt ihn mit Stolz, sagt Mergner: „Das ist grandios.“ Er sei dankbar dafür, dass es diesen Verein gibt und dass er von Anfang an so viel Zuspruch fand. „Wenn wir die Geschichten über die Schicksale der Menschen veröffentlicht haben, kamen immer viele Spenden zusammen.“ Er erinnert sich an Familien, denen das Geld für die Klassenfahrt der Kinder fehlte oder die eine kaputte Waschmaschine vor große Probleme stellte. „Viele haben sich geschämt, obwohl sie unverschuldet in Not geraten sind.“ Die Schicksale hätten ihn bewegt, sagt er und denkt gerne an das gute Gefühl zurück, helfen zu können.

Die Erfolgsstory geht weiter. Auch im Jubiläumsjahr berichtet die Frankenpost an allen vier Adventswochenenden über Menschen aus der Region, die Hilfe brauchen.

Wer macht mit und wie funktioniert’s?

Die Mitglieder im Verein „Hilfe für Nachbarn“ sind folgende Unternehmen und Institutionen: Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Hof-Stadt e. V., Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Hof, Bayerisches Rotes Kreuz Kreisverband Wunsiedel, Caritasverband Hof, Die Hofer Tafel e. V., Diakonie Hochfranken gGmbH, Diakonisches Werk Selb-Wunsiedel e. V., Frankenpost Verlag GmbH, Landkreis Hof, Landkreis Wunsiedel, Sparkasse Hochfranken, Stadt Hof. Alle Mitglieder bringen ihre Kompetenz und ihr Knowhow ehrenamtlich ein – ohne dass ein Cent an zusätzlichen Kosten entsteht. Somit kommt das komplette Geld der Spender bei den Bedürftigen an. Jedes Vereinsmitglied entsendet einen Vertreter in die Jury. Sie entscheidet über die Vergabe der Gelder.

Spendenkonto: Wer „Hilfe für Nachbarn“ unterstützen will, kann dies tun mit einer Geldspende auf folgendes Konto bei der Sparkasse Hochfranken: IBAN DE29 7805 0000 0220 0204 16