Wie bereits 2016 Sozialraumanalyse: Rehau bleibt Schlusslicht

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Jugendliche sind mehr Gefährdungen ausgesetzt und leben öfter in schwierigen Verhältnissen als woanders im Landkreis. Für den Stadtrat bedeutet das Handlungsbedarf. Jetzt wirklich

Rehau - Eine knappe Stunde referiert Johannes Wurm an diesem Mittwochabend im Rehauer Stadtrat. Und das, was der Kreisjugendpflegern den Stadträten unter der Überschrift „Sozialraumanalyse“ an Nachrichten überbringen muss, ist alles andere als positiv. Schon wieder, wie schon 2016, steht Rehau in diesem statistischen Überblick für alle Städte und Gemeinden im Landkreis an letzter Stelle und bildet den negativen Richtwert. Der Handlungsbedarf in der Jugendarbeit ist nirgends im Landkreis größer als in Rehau.

Die Sozialraumanalyse bietet keine Interpretation von Gründen und gibt keine Hilfen an die Hand, wie man etwas verbessern kann. Die Analyse bietet rein statistische Werte anhand von Kriterien, die der Jugendhilfeausschuss des Landkreises festgelegt hat. Kriterien sind etwa die Häufigkeit von erzieherischen Hilfen, die Jugendkriminalität, die Zahl der Scheidungen, wirtschaftliche Verhältnisse im Elternhaus, Arbeitslosigkeit und mehr. Die Werte sollen ein Bild davon ergeben, in welchen Verhältnissen Kinder und Jugendliche im Landkreis aufwachsen, welchen Gefährdungen sie ausgesetzt sind und welche Auswirkungen haben kann oder hat. In praktisch allen Kennzahlen hat sich die Situation in Rehau verschlechtert.

Dabei sagt die Sozialraumanalyse unter dem Strich nicht, ob ein Ort ein sozialer Brennpunkt oder das Paradies auf Erden für Jugendliche ist. Der einzige Bezugsrahmen sind die anderen Städte und Gemeinden im Landkreis. Und unter denen stellt Rehau erneut das Schlusslicht dar. Nach Johannes Wurms Vortrag ist allen im Raum eines klar: Es muss etwas getan werden. Was – darüber wird noch ausführlich zu reden sein.

Johannes Wurm griff in seinem Vortrag immer wieder einzelne heraus, die auffielen. Beispiel: Der Anteil von Delikten, die mit Betäubungsmitteln zu tun haben, sind von vier Prozent (2016) auf nun 28 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Insgesamt ist die Jugendkriminalität um 18 Prozent gestiegen. Als „paradox“ bezeichnete Bürgermeister Michael Abraham einen Umstand: Die Zahl der jungen Arbeitslosen bis 27 Jahre ist in Rehau, der Industriestadt mit den meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen weit und breit, ebenfalls höher als in allen anderen Gemeinden im Landkreis. Über die Gründe mochte Abraham nicht mutmaßen, ebenso wenig über jene, die zu Rehaus schlechtem Abschneiden in der Analyse geführt haben. „Man kann jetzt deuten und interpretieren. Aber das Gesamtbild ist bedenklich“, sagte Abraham. Damit müsse man sich nun intensiv auseinandersetzen. Auch Martin Wurdack (FUWR) sprach von „besorgniserregenden Zahlen“. Er stellte die Fragen in den Raum: „Was tun andere Kommunen? Wo können wir ansetzen?“ Ein Patentrezept hatte auch der Kreisjugendpfleger, wenig überraschend, nicht parat: „Es gibt kein Allheilmittel. Aber Personal hilft“, sagte Johannes Wurm. Aktuell ist Marie Heinrich für die Jugendarbeit in Rehau angestellt, kümmert sich aber vorwiegend um Jugendzentrum. Wurm warnte davor, sich allzu sehr etwas von anderen Kommunen abschauen zu wollen. Schließlich müsse das, was andernorts funktioniert, nicht zwingend der richtige Ansatz für die eigene Stadt sein. Beispielsweise der Streetworker in Münchberg, der gezielt dorthin geht, wo sich die Jugendlichen treffen.

„Man muss individuelle Lösungen für die individuellen Probleme finden“, sagte Wurm. Mehr Personal könne beispielsweise Vereine dabei unterstützen, wieder mehr Jugendliche anzusprechen. Ziel müsse immer sein, Jugendliche von sinnfreien Freizeitbeschäftigungen zu sinnvollen zu bewegen. „Denn sonst weiß man ja, was Jugendliche so tun“, sagte Wurm.

Und wie kommt die Stadt Rehau nun in die Position, sich Ansätze und Lösungen zu überlegen, die die Situation verbessern? Ulrich Scharfenberg (SPD) schlug etwa eine Arbeitsgruppe vor, die sich fortan intensiv dieses Themas annimmt und Lösungsansätze ausarbeitet. Michael Abraham sagte zu: „Wir werden das Thema in jedem Fall aufgreifen.“

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