Wie geht Deutschland mit dem Wolf um?
Weil es bislang keine Vorfälle wie in Hamburg gab, stand der Schutz des Menschen in der Debatte um den Wolf bislang nicht im Vordergrund. Vielmehr sorgten Risse von Nutz- und Weidetieren dafür, dass sich unter anderem Landwirte für den vermehrten Abschuss von Wölfen einsetzten.
Die Bundesregierung hat jüngst neue Regeln auf den Weg gebracht, mit denen Wölfe in Deutschland künftig leichter abgeschossen werden dürfen. Der Bundesrat stimmte in der vergangenen Woche der Aufnahme des Wolfes als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz zu. Damit können die Länder nun die Jagd in jenen Regionen erlauben, wo sich der Wolf in einem günstigen "Erhaltungszustand" befindet, wo er also gute Chancen auf einen langfristigen Fortbestand hat. Als Jagdzeit ist dann der Zeitraum von Juli bis Oktober vorgesehen.
Wenn ein Wolf Weidetiere getötet oder verletzt hat, darf er auch unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden. Darüber hinaus können die Länder Gebiete bestimmen, in denen die Jagd auf den Wolf erforderlich ist, weil Weidetiere dort schwer zu schützen sind – etwa auf Almen oder Deichen.
"Niemand will den Wolf ausrotten, er hat sich bei uns als Teil der Tierwelt etabliert", sagte Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) dazu. "Wenn aber Weidehaltung vielerorts schlicht nicht mehr stattfinden kann, haben wir einen klaren Handlungsauftrag."
Und was sagen Naturschützer?
Tier- und Umweltschützer begrüßen die Ausbreitung des Wolfes und plädieren dafür, die Tiere nur in Ausnahmefällen abzuschießen. Stattdessen sollten Landwirte beim Schutz ihrer Herden unterstützt und unbürokratisch entschädigt werden, wenn es zu Rissen ihrer Weidetiere komme, fordert etwa der BUND auf seiner Internetseite.
Dem BUND-Experten Norgall zufolge hält die Organisation auch nach dem Vorfall von Hamburg an ihren Positionen fest. "Aus einem solchen unglücklichen Einzelfall kann man nichts ableiten", so Norgall. Ähnliche Fälle seien nicht bekannt. Grundsätzlich gelte aber: Die Gesundheit des Menschen habe oberste Priorität.