Wirtschaft in Selb Entspannung und Kaffee am Selber Bahnhof

Peter Liebscher (Dritter von links) und Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch (Zweiter von rechts) mit den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses in der Rösterei „Schwarzer Peter“. Foto: Gerd Pöhlmann

Schon lange vorbei sind die Zeiten, da Reisende durch den Selber Bahnhof rauschten. Jetzt haben zwei Unternehmer dem alten Gebäude wieder neues Leben eingehaucht. Der Wirtschaftsausschuss informiert sich.

Selb - Das Ziel ist klar: Bis zu den Bayerisch-Tschechischen Freundschaftswochen 2023 wird sich das Areal rund um den Selber Bahnhof und die Verkehrsführung in dem Bereich komplett verändern. Unter anderem entsteht ein Kreisverkehr am Goetheplatz. „Wir versuchen für alle Unternehmen mit halbseitig befahrbaren Straßen, die Zufahrt möglich zu machen“, sagte der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch bei der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus am Mittwoch in der Aula der Dr.-Franz-Bogner-Schule. Zuvor hatte sich das Gremium zwei Betriebe angesehen – und zwar die beiden, die sich direkt im Bahnhofsgebäude befinden: Sosein-Yoga und „Schwarzer Peter“.

100 Kilo pro Woche

Im Juli vergangenen Jahres haben Peter und Cornelia Liebscher begonnen, das Bahnhofsgebäude für ihre Zwecke herzurichten. „Darauf gebracht hat uns Ulrich Pötzsch“, sagte Liebscher. „Die Raumaufteilung ist optimal.“ Im ehemaligen Warteraum ist das Café untergebracht, Sitzmöglichkeiten für Gäste gibt es zudem vor und hinter dem Gebäude, in der Gepäckabteilung befinden sich das Rohkaffeelager und die Rösterei. Zwischen 80 und 100 Kilo Kaffee pro Woche verarbeitet Peter Liebscher dort. Die Bohnen kommen von kleinen Farmen unter anderem aus Brasilien, Kolumbien, Guatemala und Äthiopien. Nachhaltigkeit und Regionalität sind den „Schwarzer Peter“-Machern ein besonderes Anliegen, so waren Peter und Cornelia Liebscher die ersten in Selb, die Recup, ein Pfandsystem für To-go-Becher, einführten. „Damit haben wir bereits rund 14 000 Pappbecher eingespart“, sagte Liebscher. Die Eröffnung des Cafés habe sich durch die Pandemie zwar verschoben, doch so hätten sich die Liebschers langsam an Geschäft „rantasten“ können. Mittlerweile hat sich der Bahnhof zu einem beliebten Ziel für Jung und Alt gemausert. „Wir haben nicht gedacht, dass es so gut anläuft“, sagte Peter Liebscher. „Aber anscheinend gefällt es den Leuten sehr gut.“ Ein 15-köpfiges Team kümmert sich vom Mittwoch bis Sonntag um die Wünsche der Gäste. Geplant sei, Freitag und Samstag bis 22 Uhr zu öffnen, außerdem Konzerte, Lesungen, Ausstellungen und eine Zusammenarbeit mit dem Verein Kulturhammer.

Raus aus dem Hamsterrad

Für das zweite neue Angebot im Selber Bahnhofsgebäude sorgt Claudia Tauwaldt. Am 1. Juli hatte sie ihr Studio Sosein-Yoga eröffnet. „Die Idee hatte ich schon seit einigen Jahren“, sagte sie. „Gefestigt hat sie sich, als ich auf Peter Liebscher traf. Eine Rösterei mit Café und einem Yogastudio fände er super, sagte er mir.“ Im vergangenen Jahr renovierte sie den Raum rechts vom Café. „Der sah bei Weitem nicht so aus wie jetzt.“ Ihr Yogastudio betreibt Claudia Tauwaldt, die zweieinhalb Jahre in ihre Yogalehrerinnenausbildung investiert hatte, nebenbei. „Meine Vision ist es, für die Zeit einer Yogastunde eine Auszeit aus der Leistungsgesellschaft möglich zu machen.“ Im Gegensatz zu anderen Anbietern verzichtet sie auf Blockkurse, um den Teilnehmern die größtmögliche Flexibilität zu ermöglichen. Auch sie freut sich über eine stetig wachsende Besucherzahl. Einzelne Stunden können unter anderem über eine App gebucht werden. Auch Claudia Tauwaldts Pläne wurden von Corona über den Haufen geschmissen: Später als geplant durfte sie das Studio eröffnen und derzeit können pro Yogastunde auch nicht mehr als sechs Teilnehmer dabei sein. „Aber ich fühle mich hier superwohl, und ich hoffe, die Kursteilnehmer auch“, sagte Claudia Tauwaldt.

Stadt investiert in Umfeld

Ulrich Pötzsch bedankte sich für den Einblick, den Claudia Tauwaldt und Peter Liebscher den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses gegeben hatten. Rösterei, Café und Yogastudio seien nicht nur ein Gewinn für die Stadt, sondern auch für die Kreativszene in Selb. „Die Stadt Selb wird viel Geld in das Bahnhofsumfeld investieren“, sagte Pötzsch. So solle die Aufenthaltsqualität mit einem Spielplatz und einer Boule-Bahn aufgewertet werden. Nicht zuletzt sehen die Planungen der Stadt auch Wohngebäude vor. „Das wird ein Kleinod“, sagte er.

Autor

 

Bilder