Nach einer alten DFB-Regel hätte Leroy Sané aufrücken müssen, da er mit 70 Länderspielen die meisten hinter Kimmich (105) hat. "Ich habe diese Regel nicht gemacht", sagte der Bundestrainer und begründete so auch die Absage an Sané. Der 29-Jährige von Galatasaray Istanbul wurde von Nagelsmann nach einer Auszeit sowieso nur zur Bewährung ins Aufgebot zurückgeholt.
Seine ungewöhnlichen öffentlichen Schelte am Montag ("Viele Chancen hat er nicht mehr") erklärte Nagelsmann nochmal. Der Tenor: Alles nicht so schlimm. Sané war vorab über die Wortwahl informiert. Und der ehemalige Münchner habe von ihm schon "genug Liebe bis er knallt" bekommen. Diese Wortwahl hatte Matthias Sammer in einer Kritik an Nagelsmann zum Umgang mit Sané bei Sky gewählt.
Bayern-Block wird zum Quartett
Durch Kimmichs Ausfall wird auch das so wichtige Bayern-Quintett aufgelöst. In Tah, Goretzka, Gnabry und Aleksandar Pavlovic verbleiben aber noch vier Münchner als DFB-Herzstück. Mit ihrer überragenden Club-Form sollen sie den DFB-Motor in Schwung bringen - eine weiß-blaue Fußball-Blaupause sozusagen.
"Ich habe ja schon mal gesagt, dass ich als Nationaltrainer natürlich eine super Abhängigkeit habe vom Verein. Also es bringt nichts, eine gute Fantasie zu haben und Spieler einzuladen, die alle auf dem absteigenden Ast sind", sagte Nagelsmann. Die Bayern sind zu seinem Glück genau das Gegenteil.
"Ich glaube, es ist grundsätzlich wichtig, mit Selbstvertrauen und mit Überzeugung an seine Aufgaben ranzugehen. Genau das Gleiche müssen wir hier auch machen", versprach Tah einen Form-Transfer zum DFB-Team.
In Luxemburg wie in Paris
Die Gefahr eines Spannungsabfalls zwischen den unterschiedlichen Fußball-Bühnen vom Kräftemessen mit Paris Saint-Germain in der Champions-League und nun beim Weltranglisten-97. Luxemburg spürt er nicht. "Es ist die Pflicht, vor allen Dingen für Deutschland, für seine Nation, dieses Niveau abzurufen", sagte Tah.
Nagelsmann sieht auch die Pflicht für mehr Offensiv-Effektivität. Trotz der Siege gegen Luxemburg (4:0) und Nordirland (1:0), mit denen die Ausgangslage für die direkte WM-Qualifikation nach dem Fehlstart in der Slowakei (0:2) massiv verbessert wurde, war er mit dem Lust-Faktor auf Tore nicht zufrieden.
"Ein bisschen zu träge", sei das Spiel gewesen, "ein bisschen zu viele Kontakte, ein bisschen zu viel so die Sucht nach Kontrolle, sage ich mal", konstatierte der Bundestrainer. In Luxemburg soll sein Team auch ohne Antreiber Kimmich entfesselt auftreten.