Und je länger es dauerte, umso mehr rieben sich die Zuschauer verwundert die Augen. Nach einer halben Stunde forderten die Luxemburger sogar Elfmeter. Nach einer Ecke klärte Ridle Baku. Vom Leipziger flog der Ball Bayerns Leon Goretzka an den Kopf und von dort schien er minimal seine Hand berührt zu haben.
Eine Frage der Einstellung?
Hier die Nummer 97 der Weltrangliste, dessen Trainer Jeff Strasser süffisant-zufrieden vor sich hingrinste, als der Pausenpfiff ertönte. Dort der viermalige Weltmeister, dessen Coach Nagelsmann an der Seitenlinie schimpfte und nach der ersten Halbzeit schnurstracks in die Kabine stapfte.
Es gehe nicht nur um den Sieg, sondern auch die Art und Weise, wie sie gewonnen wollen, hatte Kimmich vor dem Spiel noch betont. Auch eine Mentalitätssache. Einer, der die Mannschaft mitreißt, fehlte aber auf dem Rasen. Sané und Wirtz konnten die Rolle in der Offensive nicht übernehmen, Tah hatte in der Abwehr mehr als erwartet mit den Luxemburgern zu tun.
Nach der Pause alle auf Bewährung
Nagelsmanns Alternativen auf der Bank waren auch eher überschaubar - zumindest in Sachen Erfahrung. Eintracht Frankfurts Jonathan Burkardt hatte mit fünf Länderspielen bis zum Match in Luxemburg die meisten Einsätze. In den Katakomben redeten die Spieler noch aufeinander ein, Nagelsmann hatte im Regen von Luxemburg längst schon wieder auf dem Trainerstuhl Platz genommen. Einen Wechsel nahm er erstmal nicht vor.
Nun spielten alle auf Bewährung. Entsprechend groß die Freude, als der Ball im Tor der Gastgeber war. Endlich mal ein schneller, schöner Spielzug. Über Aleksandar Pavlović landete der Ball bei Sané und der legte von der rechten Seite das Spielgerät maßgerecht für Woltemade auf.
Der doppelte Woltemade
Die Beinah-Ernüchterung folgte nicht mal zwei Minuten später. Augsburgs Dardari verpasste aber den Ausgleich um wenige Zentimeter. Und weil Goretzka auch noch nah an einer Gelb-Roten Karte war, nahm Nagelsmann den Bayern-Profi vom Platz und brachte Dortmunds Felix Nmecha.
Zumindest phasenweise wirkte die deutsche Mannschaft nun mit der Führung im Rücken etwas souveräner, konnte allerdings auch von Glück sprechen, dass Christopher Martins den Ball aus drei Metern nicht ins deutsche Tor brachte. Kurz darauf schlug Woltemade zum zweiten Mal zu, und wieder auch auf Vorarbeit von Sané, dem Nagelsmann ein "gutes Spiel" attestierte. Und nun hatte sogar Kimmich auf der Bank wieder gut lachen. Die Blamage war verhindert, viel mehr aber auch nicht.