Wölfe drehen die Partie Überraschungscoup in Dresden

Christian Dreßel , aktualisiert am 03.01.2023 - 22:53 Uhr
Ex-Eislöwe und der Mann mit der Patentlösung: Arturs Kruminsch. Der Deutsch-Lette wusste im Interview vorm Schlussdrittel genau, was er und seine Selber Teamkollegen jetzt brauchen. Am Ende gewannen die Wölfe noch mit 2:1 bei den Dresdner Eislöwen. Foto: /Julia Peter

Der Eishockey-Zweitligist trifft beim Topteam zweimal im letzten Drittel und gewinnt 2:1. Das passende Rezept für die Aufholjagd nennt Stürmer Arturs Kruminsch kurz zuvor im Interview.

Selten ging ein Plan derart gut auf wie der von Arturs Kruminsch. Der dritte Spielabschnitt im DEL2-Spiel seiner Selber Wölfe bei den Dresdner Eislöwen war noch keine Minute alt, als Routinier Kevin Lavallée nach perfektem Zuspiel des bis dato glücklosen Nick Miglio den Ausgleichstreffer markierte (41.). Kruminsch hatte kurz zuvor nach dem langen 0:1-Rückstand in der letzten Drittelpause noch gesagt: „Dresden macht ein super Spiel und verteidigt uns gut weg. Aber wir müssen nur eins machen.“ Gesagt, getan. Und es kam noch besser für die abstiegsbedrohten Selber. Mark McNeill besorgte wenig später den 2:1-Endstand. Durch den Sieg beim Topteam unterstrichen die Wölfe eindrucksvoll ihre Ambitionen, den Klassenerhalt auf direktem Weg zu schaffen.

Dabei hatte es lange nicht danach ausgesehen. Erste größere Torgefahr beschwor Dresdens Kapitän Jordan Knackstedt herauf, als er in der vierten Minute aus halblinker Position frei zum Abschluss kam. Selbs Goalie Michel Weidekampf, der erneut Michael Bitzer vertrat, war aber zur Stelle. Nur wenige Sekunden später tauchte Miglio nach einem schnellen Gegenstoß zusammen mit zwei Teamkollegen vorm letzten Heimverteidiger und Torhüter Janick Schwendener auf. Letzterer parierte den Abschluss des Wölfe-Topscorers aber sehenswert. Die Gäste waren in der Anfangsphase, angetrieben von den zahlreichen und lautstarken Fans, die den Weg von der Porzellanstadt nach Elbflorenz auf sich nahmen, die bessere Mannschaft. Eine Tatsache, von der sich Selb aber spätestens ab der zehnten Minute nichts kaufen konnte. Arne Uplegger schloss aus spitzem Winkel ab, Weidekamp machte das bedrohte Eck zu und der Puck sprang vom Pfosten zurück in die Mitte des Feldes, wo Matej Mrazek auf gut Glück einlief. Der Deutsch-Tscheche hatte keinerlei Mühe, das Spielgerät im weit offen Tor unterzubringen. Viel schwerer taten sich die Wölfe danach in doppelter Überzahl. Das schlechteste Powerplay-Team der Liga machte seinem Namen alle Ehre und erspielte nur eine einzige Chance.

In einem ausgeglichenen zweiten Spielabschnitt erspielten sich die Gäste dann mehr Möglichkeiten – in nur einer Szene scheiterten sogar Miglio, Kruminsch und noch einmal Miglio am guten Schwendener (25.). Selbs US-Boy tauchte wie im ersten Drittel nach einer Kontersituation vor dem Eislöwen-Tor auf und brachte die Scheibe auch diesmal nicht unter. Völlig alleine vor Dresdens Goalie schob er am Gehäuse vorbei. Die Hausherren ihrerseits wurden durch Johan Porsberger (25., 27.) und Tomas Andres (27.) gefährlich. Weidekamp konnte sich aber jeweils auszeichnen. Immerhin überstanden die Selber die Überzahl der Eislöwen schadfrei, nachdem Konstantin Melnikov wegen Haltens auf die Strafbank musste. Einen weiteren Gegentreffer fingen sich die Wölfe auch nicht, als Uplegger von der blauen Linie hart abzog. Weidekamp hatte viel Verkehr vor sich, reagierte aber überragend mit seiner Fanghand (32.). Noch größer war die Möglichkeit für Knackstedt, der wie Miglio auf der anderen Seite die Scheibe aus kurzer Distanz nicht aufs Tor brachte (34.).

Nach Selbs Doppelschlag durch Lavallée und McNeill – der kanadische Knipser erzielte seinen neunten Treffer in den letzten zehn Spielen und die Wölfe endlich mal ein Powerplay-Tor - probierte Dresden mit wütenden Angriffen zu antworten. Die Wölfe verteidigten aber kompakt und hatten einen überragenden Weidekamp: Der von Porsberger abgefälschte Schuss von Knackstedt ging knapp am Gäste-Kasten vorbei (43.). Die restlichen Abschlüsse der Eislöwen wehrte Weidekamp spektakulär ab, das galt sowohl für den Direktschuss von Uplegger (51.) und den Hochkaräter von Thomas Anders in Unterzahl (59.) als auch die riesige Doppelchance der Eislöwen mit auslaufender Spielzeit. Wölfe-Coach Sergej Waßmiller war hinterher erleichtert: „Es war für uns von Anfang an sehr schwer. Aber Respekt an meine Jungs. Die Punkte hier sind sehr wichtig für uns.“

Selber Wölfe: Weidekamp (Spiewok) - Silbermann, Fern, Naumann, Lavallée, Kania, Noack, Kruminsch, Miglio, Trska, Melnikov, Woltmann, Schwamberger, Reddick, Hammerbauer, Deeg, Vantuch, Schaaf, McNeill.

Schiedsrichter: Klein/Becker. – Zuschauer: 2305. – Tore: 10. Min. Mrazek (Uplegger) 1:0, 41. Min. Lavallée (Miglio) 1:1, 47. Min. McNeill (Trska, Kruminsch; 5-4) 1:2 – Strafminuten: Dresden 8, Selb 8.

 

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