Wölfe stocksauer Das nächste Verlängerungs-Drama

Der Selber Goldhelm Nick Miglio scheitert hier, bedrängt von Kevin Schmidt, an Bad Nauheims Torwart Felix Bick. Foto: Mario Wiedel

Die Wölfe liegen in der DEL2 gegen den EC Bad Nauheim schon 3:1 in Führung, dann schlagen die Hessen doch noch zurück und entführen zwei Punkte. Die Selber sind vor allem auf die Schiedsrichter stocksauer.

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Am Ende flogen nicht nur einige leere Bierbecher von den Rängen, sondern auch lautstarke, nicht druckreife Ausdrücke in Richtung der beiden Schiedsrichter, die einige höchst umstrittene Entscheidungen – eine davon in der Overtime – gegen die Wölfe trafen und so entscheidend in eine sehr faire und packende Partie eingriffen. „Das war ab dem Schlussdrittel keine zweitliga-reife Leistung der Schiedsrichter mehr“, ärgerte sich auch Wölfe-Geschäftsführer Thomas Manzei maßlos nach der 4:5-(2:1, 1:1, 1:2, 0:1)-Niederlage nach Verlängerung. Trainer Sergej Waßmiller sprach von einer „bitteren Niederlage, die weh tut“, wollte sich bei der Pressekonferenz aber noch nicht weiter über die „etwas kuriose“ Entscheidung der Referees äußern, eine Strafzeit gegen Miglio anzuzeigen, als der Selber von außen in Richtung Tor gezogen und über Keeper Bick gestolpert war. Bad Nauheim nutzte die Situation, brachte einen weiteren Feldspieler, obwohl der Torwart noch nicht vom Eis war – und traf schließlich in der 63. Minute zum Sieg.

Frühe Selber Führung

Die Wölfe mussten zwar auf alle Bietigheimer Förderlizenzspieler verzichten, konnten aber auf den unter der Woche erkrankten McNeill, den nach seiner Handverletzung wiedergenesenen Vantuch und erstmals in einem Pflichtspiel auch auf Routinier Lavalee zurückgreifen. Und sie kamen, wie bislang in jedem Heimspiel - wie aufgedreht aus der Kabine. Es dauerte genau 111 Sekunden, da durften die Selber Fans – lediglich etwas mehr als 1200 honorierten die starken Vorstellungen ihrer Mannschaft in den ersten Wochen – erstmals jubeln. Nach Pass von Gelke traf Schaaf zum 1:0. Bad Nauheim zeigte sich aber keineswegs geschockt.

Geich nach der Selber Führung brannte es mehrmals lichterloh vor Wölfe-Keeper Bitzer, der dann nach fünf Minuten auch geschlagen war. Nachdem die Wölfe die Scheibe nicht aus dem eigenen Drittel brachten, traf Pollastrone durch die Schoner des Selber Keepers zum Ausgleich. Auch in der Folge hatten die Gäste Vorteile in einer temporeichen, aber auch von vielen Fehlern geprägten Partie. Die Wölfe-Defensive wurde vor einige Probleme gestellt, auch im Spielaufbau taten sich die Hausherren schwer. Erst nach dem ersten Powerbreak - sehr ungewöhnlich erst nach 16 Minuten – konnte Waßmiller sein Team wieder neu justieren, und prompt klappte es mit der erneuten Führung. Naumann, schon in der vergangenen Woche gegen Landshut zweifacher Torschütze, scheiterte im ersten Versuch noch an Bitz, war im Nachschuss aber erfolgreich.

Im Mittelabschnitt entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Zunächst war Bad Nauheim druckvoller, dann entwickelten die Wölfe mehr Zug zum Tor und spielten sich mehr und die besseren Möglichkeiten heraus. Auch die Selber Fans waren nun richtig wach, stärkten ihrem Team lautstark den Rücken. Gefährlich wurde der Vorjahres-Halbfinalist erst wieder im ersten Powerplay, die Wölfe überstanden die beiden Minuten aber schadlos. Und sie trafen danach vorne: Miglio bediente Thompson, und der donnerte die Scheibe in der 31. Minute humorlos unter die Latte – 3:1. Mit fragwürdigen Strafzeiten gegen beide Mannschaften sorgten die Schiedsrichter dann für mehr Platz auf dem Eis, und den nutzte Bad Nauheim zum Anschlusstreffer (35.).

Auch im Schlussdrittel blieb das Tempo hoch. Erst war Bad Nauheim dem Ausgleich näher, dann drängte Selb auf den vierten Treffer, hatte auch zwei, drei dicke Möglichkeiten. Das Tor fiel aber auf der anderen Seite. Coffmann startete einen Alleingang, wurde nicht energisch gestört und traf an Bitzer vorbei genau ins Eck zum 3:3. Die Partie nahm nun noch mehr an Fahrt auf, beide Teams suchten die Entscheidung in der regulären Spielzeit. Mit einem Treffer der Marke „Tor des Monats“ war es dann Schwamberger, der die Wölfe in der 55. Minute erneut in Führung brachte. Der Selber verlud Torwart Bick mit einer Körpertäuschung, die Fans waren aus dem Häuschen. Dann aber mischten sich die Schiedsrichter ein, schickten Vantuch auf die Strafbank. Die zwei Minuten Unterzahl überstanden die Wölfe zwar, aber 101 Sekunden vor der Schlusssirene gelang den Gästen doch noch der Ausgleich – und in der Verlängerung der aus Selber Sicht so bittere Siegtreffer.

Selber Wölfe: Bitzer (Weidekamp) – Trska, Deeg; Gimmel, Lavallée; Silbermann, Schaaf – Miglio, Thompson, McNeill; Vantuch, Gelke, Schwamberger, Hammerbauer, Kruminsch, Naumann, Klughardt, Noack, Hlozek.

Schiedsrichter: Kannengießer, Pletzer– Zuschauer: 1207. – Tore: 2. Min. Schaaf (Vantuch, Gelke) 1:0, 5. Min. Pollastrone 1:1, 17. Min. Kruminsch (Hammerbauer, Naumann) 2:1, 30. Min. Thompson (Miglio) 3:1, 35. Coffmann (4-4) 3:2, 48. Min. Coffmann 3:3, 55. Min. Shwamberger (Gelke, Vantuch) 4:3, 59. Min. Schmidt 4:4, 63. Min. Hickmott 4:5. – Strafminuten: Selb 6, Bad Nauheim 4.

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