Die steigende Zahl der Urlauber und der Ferienwohnungen wird für die schlimme Wohnungsnot verantwortlich gemacht. Die Organisatoren der Protestaktion beklagen, dass viele Menschen mit einem normalen Einkommen sich auf der Insel kaum noch eine Wohnung leisten können.
"Elend auf Mallorca breitet sich rasant aus"
Nachbarschaftsverbände, Umweltschutzgruppen und andere Organisationen führen aber auch Probleme wie Verschmutzung, Staus und Lärm sowie die Naturzerstörung auf den Massentourismus zurück. Hinzu kommt, dass in Palma immer mehr Eisdielen, Souvenirshops, Tattoostudios und Waschsalons den traditionellen Einzelhandel verdrängen.
Der Unmut wächst - zumal nicht alle von den Tourismuseinnahmen profitieren. Jeder Fünfte gilt auf Mallorca als armutsgefährdet. Man sieht immer mehr Slums, immer mehr Wohnwagen-Siedlungen. "Elend auf Mallorca breitet sich rasant aus", schrieb bereits im vergangenen Jahr das "Mallorca Magazin".
Die Regionalregierung zeigt Verständnis für die Unzufriedenheit vieler Bürger. "Wir akzeptieren die Kritik, dass mehr Maßnahmen hätten ergriffen werden können", sagte der stellvertretende Regierungschef Antoni Costa vor der Demonstration. Eine Verringerung der Touristenzahlen lehnte er jedoch mit Verweis auf drohende Jobverluste ab.
Lange Kritik-Liste
Mallorquiner wie Clara werden sich aber mit dieser Aussage kaum beruhigen lassen: "Es ist unhaltbar, dass jedes Jahr Strände gesperrt werden müssen, weil das Abwassersystem die Menschenmassen nicht mehr bewältigt", klagte im Interview von "Última Hora" die junge Frau, dir nur deshalb nicht an der Demo teilnahm, weil sie am Sonntagabend arbeiten musste.
Die Liste ihrer Kritik ist lang: Es sei auch unhaltbar, "dass Verwandte von mir die Insel verlassen und aufs spanische Festland ziehen wollen, obwohl sie ihr ganzes Leben hier gelebt haben, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. Und dass man kaum noch durch die Straßen gehen kann."
Mit Blick auf die Regionalwahlen im kommenden Jahr wird sich die Regierung in Palma etwas einfallen lassen müssen - "weil immer deutlicher wird, dass die Geduld dieser Gesellschaft an ihre Grenzen gelangt ist", wie es im Manifest der Organisatoren heißt.