Wunsiedel Brunnenfest ohne Partymeile

Der ASV Wunsiedel war schon am Montagabend bei der ersten Blumen-Sammelaktion für das Brunnenfest unterwegs. Foto: David Trott

Nahezu alle Wunsiedler Brunnengemeinschaften werden ihre Wasserspender am Samstag schmücken. Die Schulen überraschen mit besonders kreativen Dekorationsideen.

Wunsiedel - Die traditionell geschmückten Brunnen aber natürlich auch der rege Festbetrieb locken Jahr für Jahr mehrere Tausend Besucher nach Wunsiedel. Das Brunnenfest erhielt 2016 sogar eine Auszeichnung der Unesco. Das Fest in der "Stadt der Brunnen" steht seither genau wie die Marktredwitzer Krippenkultur und das Brauen des Zoigl-Bieres wegen seiner umfangreichen historischen Tradition im Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Dieses Brauchtum wollen die Wunsiedler trotz Corona-Beschränkungen erhalten. 27 Gemeinschaften haben sich trotz der Pandemie für das Schmücken ihrer Wasserspender entschieden. Eine zünftige Feier wird es jedoch nicht geben. Somit kehrt das Event in einer ruhigen Form zu seinen Wurzeln zurück.

Selbst wenn in diesem Jahr nur wenige Klänge von Musikanten durch die Wunsiedler Straßen hallen und auch so manche Kehle trocken bleiben muss, zieht Melanie Wehner-Engel vom Tourismusmarketing der Festspielstadt eine erfreuliche Bilanz: "Die Brunnengemeinschaften sind positiv gestimmt und wollen, wenn auch mit kleinerem Aufwand, ihre Brunnen schmücken."

Die engagierten Wunsiedler sind schon seit Anfang der Woche im Einsatz. Sie sammeln Blumen, Fichtengrün und andere Dekorationen. Eine Zulieferung vom Bauhof wird es in diesem Jahr nicht geben.

Auch eine Gruppe des ASV Wunsiedel war schon auf der Suche nach Blühwiesen. "Es wird jedes Jahr schwerer, passende Flächen zu finden", bedauert Petra Sommerer bei der Pflückaktion am Luxburgbach. Das Team wird noch weitere Einsätze starten müssen, bis genug Blumen für den Brunnen am Luitpoldplatz gesammelt sind.

"Die Tanzsportgarde der Stadt Wunsiedel bewirtet normalerweise am Marktplatz und übt Auftritte für das Fest ein", sagte die Vorsitzende Andrea Jena. Dies habe die Besucher begeistert und dem Verein zugleich ein wenig Geld eingebracht. "Umso trauriger ist es, dass die Feierlichkeiten in diesem Jahr wegfallen." Auch beim Schmücken des Rathausbrunnens müsse man wegen der Hygieneregeln gut aufpassen. Bei einem derart großen Brunnen sei normalerweise Teamarbeit gefragt. "Auf Blumen werden wir zwar nicht ganz verzichten, aber auf jeden Fall mit weniger Aufwand dekorieren", sagt Andrea Jena.

"Auch der Jean-Paul-Brunnen wird heuer etwas einfacher geschmückt", kündigt die Vorsitzende des Fichtelgebirgsvereins Wunsiedel, Anita Beier, an. Schließlich würde der Bauhof keine jungen Bäume, Fichtenzapfen oder Rindenmulch liefern. "Der Verein hat leider viele ältere Mitglieder. Wir können nicht alles selbst sammeln." Deshalb werde es auch keine neun Meter lange selbstgeflochtene Girlande geben. Diese Handarbeit erfordere im Durchschnitt 15 Leute. Sie seien eine Woche lang, drei Stunden pro Tag, beschäftigt.

"Das Luisenburg-Gymnasium wird nur den Brunnen vor der Schule dekorieren", sagt Schulleiter Joachim Zembsch. Um die Hygieneregeln einzuhalten, bearbeiten die Schüler kunstvolle Viren-Figuren in Heimarbeit. Die Kunstlehrer fügen alles zu einem Gesamtprojekt zusammen. Auch die Schulgemeinschaft der Sigmund-Wann-Realschule möchte die Tradition des Brunnenschmückens in dieser besonderen Zeit fortführen. Der Wasserspender vor dem Haupteingang wird zum Thema "Lichtblicke in einer schwierigen Zeit" geschmückt. "Es ist geplant, einen Leuchtturm zu errichten, der symbolisch in Richtung Ferien und Urlaub weist und für Erholung, Ruhe und Durchschnaufen steht", sagt Lehrerin Karin Schiener. Die Gestaltungselemente dazu haben Schülern in der Notbetreuung in den Pfingstferien hergestellt. "Der Leuchtturm wird von bunten Blumenschiffen umgeben sein, die für Freude, Sommer und Entspannung stehen."

Eine Überraschung hingegen soll die Dekoration des Gabelmannsbrunnens bleiben. "Die Gäste können sich auf eine künstlerische Umsetzung freuen", sagt der Vorsitzende des Bürgerforums, Stefan Frank. Die "Hundlinge" nutzen die aktuelle Zwangspause nach dem ausgefallenen "Collis Clamat", um das Fest im kommenden Jahr zu planen. Den Wilmabrunnen wird der Verein dennoch wieder schmücken. Das Thema soll aber noch geheim bleiben.

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