Wunsiedel Die Hundlinge erwarten bis zu 15.000 Fans

Collis Clamat übertrifft heuer alle bisherigen Mittelalter-Feste auf dem Katharinenberg. Das Riesenkatapult ist am Wochenende im Dauereinsatz.

Wunsiedel - Durchschnaufen. Und schon nach wenigen Minuten geht es weiter. Michael Fuchs und seine bunte Truppe vom Mittelalterverein Hundlinge sind seit gut einer Woche im Dauereinsatz. "Der Bau der Bühne, der Taverne und aller anderen Attraktionen ist wirklich kein Pappenstiel", sagt der gelernte Zimmerermeister. Doch wenn es den Mannen keine Freude bereiten würde, dann gäbe es kein Collis Clamat. Für Fans aus ganz Bayern und weit darüber hinaus wäre dies ein herber Verlust. Denn sie richten seit Jahren ihre Urlaubspläne nach dem Mittelalter-Spektakel. Ab Donnerstag ist es wieder so weit. Vier Tage lang verwandelt sich der Katharinenberg in den wohl größten Campingplatz der Region.

Auftakt auf dem Berg

Erstmals beginnt Collis Clamat nicht auf dem Wunsiedler Marktplatz. Freibier und ein Spanferkel servieren die Hundlinge am Freitagmittag an der Kirchenruine. Die Eröffnung im Markt sei vor allem aus Gründen der Verkehrssicherheit schwierig, begründet Hundlinge-Chef Michael Fuchs den neuen Ort. Los geht es eigentlich schon am Donnerstag ab 14 Uhr mit einem kostenlosen Schnuppertag. Ab 20 Uhr spielen Blackbeers auf der Bühne am Schlachtfeld.

Die Veranstalter rechnen mit um die 15 000 Besucher. Allein 1200 davon haben sich für das Lagerleben angemeldet. "Wir sind auf alles vorbereitet und haben die Infrastruktur noch einmal verbessert", sagt Fuchs. Unter anderem gibt es einen zusätzlichen Toilettenwagen. Auch das Kinderprogramm rund um das Wikingerschiff ist professionell organisiert. So haben Eltern mal ein wenig Zeit, alleine über das Festivalgelände zu spazieren. Mit einem Gerücht will der Hundlinge-Chef im Gespräch mit der Frankenpost endlich aufräumen: "Wir haben das Wikingerschiff nicht geschenkt bekommen. Es ist eine Dauerleihgabe, weil die Luisenburg einfach keinen Platz zum Lagern hat."

Seit vergangenem Samstag sind 45 Männer und Frauen aus Cham auf dem Berg. Auch die Zirndorfer, Forchheimer und Maxhütte-Haidhofer lagern schon mehrere Tage hier. "Ich kenne kein schöneres Gelände. Daher wollen wir die Stimmung genießen, bevor es richtig eng wird", sagt ein Mann, der stilecht mit nacktem Oberkörper und einer Pluderhose in seinem Zelt eine Leberkäs-Semmel verdrückt. Genauso hatten es sich die Hundlinge vorgestellt, als sie vor knapp einem Jahrzehnt die Idee gebaren, doch auch selbst mal ein Mittelalterfest zu veranstalten. "Bei uns geht es zwar rustikal, aber gelassen und immer friedlich zu", sagt Michael Fuchs. Obwohl viele der Gesellen in ihren stilechten Gewändern und Zelten aussehen, als könnten sie einer Wildsau den Kopf abreißen, handelt es sich um höchst friedliebende Menschen. "Noch nie hat es bei einem Collis Clamat eine Schlägerei gegeben", berichtet Fuchs. Und ähnlich der Einwohner des schleswig-holsteinischen Örtchens Wacken, die ihre martialischen Heavy-Metal-Fans ins Herz geschlossen haben, gilt dies für die Wunsiedler und ihre Ritter, Räuber und Burgfräuleins.

Mittlerweile ist Collis Clamat auch ein wirtschaftlicher Gewinn für die Region. "Die Gäste lassen viel Geld hier, sie kaufen ein, sehen sich die Gegend an, gehen mal in ein Bad, ein Museum oder zum Essen", zählt Fuchs auf. Umso mehr freut ihn die gute Zusammenarbeit mit den übrigen Akteuren auf dem Katharinenberg oder dem örtlichen Edeka-Händler.

Die Fangemeinde der Hundlinge ist heuer im Frühjahr noch um etliche Tausend Männer und Frauen gewachsen. Grund dafür ist die Katharina II., das mit gut 15 Metern Höhe und einer Länge von etwas mehr als zwölf Metern zweitgrößte Katapult Europas. Mehrere Fernsehstationen haben über den ersten Schuss zu Pfingsten berichtet. Allein ein Beitrag in einer Mediathek hat bisher mehr als eine halbe Millionen Klicks erzielt. "Mittlerweile haben wir mehrere weitere Anfragen von Fernsehteams vorliegen", sagt Fuchs.

Das Riesenkatapult kommt am Wochenende jeden Tag zum Einsatz. Auch wenn die Mannen aus Sicherheitsgründen nur mit angezogener Handbremse feuern, fliegt ein 80 Kilogramm schwerer Stein exakt 136 Meter. Den Boden erschüttert der Schuss dennoch. Theoretisch könnten die Hundlinge sicherlich gut einen Kilometer weit feuern. Zudem sind die kleineren Katapulte im Dauerbetrieb.

Das Motto des Festes lautet "Wunsiedel brennt". Elfmal ist die Stadt im Laufe der Jahrhunderte niedergebrannt, jedes Mal mit verheerenden Folgen. "Und deshalb haben wir gedacht, heuer zünden wir mal nichts an, sondern löschen Wunsiedel", sagt Fuchs. So gilt es mit einer Eimerkette die in einer zehn mal drei Meter großen Kulisse aufgebaute Stadt vor dem Schlimmsten zu bewahren. "Da der Löschteich etwa hundert Meter vom Brandort entfernt ist, benötigen wir schon viele Helfer..."

Stolz sind die Hundlinge, dass sie noch einmal mehr Händler gewinnen konnten. "Vor allem das kulinarische Angebot ist vielfältiger geworden."

So viele Superlative Collis Clamat 2017 auch bieten mag, letztlich handelt es sich nur um eine Vorbereitung auf das kommende Jahr. "Dann feiern wir unser zehntes Jubiläum, und da werden wir ein richtig großes Fest organisieren."

 

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