Wunsiedel evangelisch Der neue Mann am Altar

Pfarrer Hans-Christian Neiber bei seiner Antrittspredigt. Foto:  

Hans-Christian Neiber ist neuer Pfarrer in Wunsiedel. Bei der Einführung lobt ihn Dekan Peter Bauer als vielfältig talentiert. Der Geistliche freut sich auf die Arbeit im Grenzgebiet.

Wunsiedel - Der Sprengel II der evangelischen Gemeinde in Wunsiedel ist wieder mit einem Pfarrer besetzt. Hans-Christian Neiber hat bisher an verschiedenen Stellen in Oberbayern und Oberfranken, zuletzt in Zeil am Main, gewirkt. Seine reichhaltigen Erfahrungen bringt er künftig in Wunsiedel ein, genauso gerne will er aber Neues dazulernen.

Dekan Bauer leitet Gottesdienst

Dekan Peter Bauer leitete den Einführungs-Gottesdienst, zu dem aufgrund der Pandemiebeschränkungen nur eine begrenzte Anzahl an Gästen kommen konnte. Pfarrerin Susanne Böhringer hieß Hans-Christian Neiber und seine Frau Astrid Popp in Wunsiedel willkommen. „Der dritte Fastensonntag heißt lateinisch ,Oculi’, auf Deutsch ,die Augen’. Die Liturgie stellt die Worte ,Meine Augen schauen stets auf den Herrn’ in den Mittelpunkt“, sagte Pfarrerin Böhringer. „Das passt gut zum heutigen Anlass!“

Die Seniorin im Pfarrkapitel, Pfarrerin Katja Schütz aus Thiersheim, verlas die Urkunde von Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Darin wurde Pfarrer Neiber die Pfarrstelle offiziell übertragen. Pfarrer Klaus Göpfert betete im Wechsel mit der Gemeinde den Psalm 27 „Der Herr ist mein Hirte und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ und bekräftigte damit die Berufung.

Menschen zum Staunen bringen

„Es ist Dienst und Auftrag eines Pfarrers, die Menschen auf unseren großen und unfassbaren Gott hinzuweisen und so zum Staunen zu bringen“, erklärte Dekan Bauer in seiner Ansprache. Hans-Christian Neiber sei den Menschen schon in verschiedenen Gemeinden beigestanden. Die Gemeinden seien vielfältig, und so werde er auch in Wunsiedel neue Menschen und neue Situationen kennenlernen. Neiber sei mit seinen Interessen breit aufgestellt, unter anderem sei er musikalisch, spreche tschechisch, lebe Ökumene und könne Konflikte gut lösen. „Auf dem letzten Gebiet könnte es dir in Wunsiedel allerdings langweilig werden, hier gibt es nur wenige Auseinandersetzungen“, führte Dekan Bauer aus.

Der Einführungshandlung gingen kurze Lesungen aus der Bibel voraus. Pfarrer Neiber hatte sich vier Assistenten ausgesucht, die ihn zusammen mit Dekan Bauer in das neue Amt einführten: sein Lehrpfarrer Thilo Auers, der Vertrauensmann des Kirchenvorstands Zeil am Main Ulrich Dölker, Dr. Carl Pohl, Vorsitzender des Kirchenvorstands in Wunsiedel, und sein neuer katholischer Kollege, Pfarrer Günter Vogl.

Tiefgründige erste Predigt

In seiner Antrittspredigt fragte Neiber: „Wie ist das mit Licht und Dunkelheit, mit Gut und Böse? Sind das so klare Gegensatzpaare, wie es zunächst erscheint?“ Nach seinem eigenen Erleben seien 98 Prozent der Situationen nicht eindeutig zuordenbar. Oft genug sei es nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. So sehees nachts aus, als ob der Mond mit hellem Licht scheint. In Wirklichkeit aber reflektiere er nur das Licht der Sonne. Entsprechend strahlten wir Christen nicht von uns aus, sondern spiegelten das wahre Licht Christi wider, den Glanz der Gnade Gottes, sagte er. „Und so können wir Christen auch zwischen der Sünde und dem Sünder unterscheiden.“ Der Sünder sei nicht mit der Finsternis gleichzusetzen, sondern manchmal sei die Finsternis in uns. In seiner Predigt schaute Neiber immer wieder hinter die Fassade, deckte erstaunliche Zusammenhänge auf und bewies viel Humor. Aber er zeigte sich auch von seiner musikalischen Seite. Pandemiegerecht mit FFP2-Maske trug er eines seiner Lieblingslieder vor und begleitete sich auf der Gitarre: „Sing nicht so schnell dein Glaubenslied, sing nicht so laut, so grell.“

Ökumene beim ersten Gottesdienst

Pfarrer Neiber dankte allen, die den Einführungs-Gottesdienst vorbereitet und mitgestaltet hatten, insbesondere Kirchenmusikdirektor Reinhold Schelter und dem Posaunenchor. Bemerkenswert war, dass die ökumenische Zusammenarbeit bereits im allerersten Gottesdienst begonnen hat. Der katholische Pfarrer Günter Vogl war nicht nur an der Einführungshandlung beteiligt, sondern sprach auch den Segen mit: „Miteinander sind wir die eine Kirche Christi!“

Üblicherweise wird die Einführung eines neuen Pfarrers nach dem Gottesdienst mit einer weltlichen Feier im Pfarrsaal fortgesetzt. Aufgrund der bekannten Einschränkungen fand auch der zweite Teil in der Kirche statt und musste auf Grußworte beschränkt werden.

Grußworte der Gäste

Dr. Carl Pohl als Vorsitzender des Kirchenvorstands hieß Hans-Christian Neiber willkommen. „Sie kommen zu uns in eine Gemeinde, die sehr gut funktioniert.“

Landrat Peter Berek begrüßte den neuen Pfarrer auch im Namen von Bürgermeister Nicolas Lahovnik. Berek gab dem Neu-Wunsiedler ein Zitat von Rainer Maria Rilke mit auf den Weg: „Hiersein ist herrlich!“

Pfarrer Günter Vogel empfing seinen neuen Kollegen im Namen der katholischen Gemeinde mit Psalm 18: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern!“ Übertragen auf die künftige Zusammenarbeit meinte er zuversichtlich: „Mit unserer Erfahrung werden wir gemeinsam auch Mauern in der Ökumene überwinden!“ Pfarrerin Katja Schütz hieß Hans-Christian Neiber als neues Mitglied in der Gemeinschaft willkommen. Hans-Christian Neiber blieben die Schlussworte: „Meine Frau und ich sind sehr gespannt auf die Zeit in Wunsiedel. Wir freuen uns darauf!“

Zur Person
Hans-Christian Neiber ist 1966 geboren und im Rupertiwinkel, im Gäu zwischen Salzach und Traun, groß geworden. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er also an der und über der österreichischen Grenze. Nach dem Abitur in Laufen/Salzach leistete er das Praxisjahr bei einem Forstamt ab. In München, Salzburg und Neuendettelsau studierte er evangelische und katholische Theologie mit dem Schwerpunkt auf den biblischen Fächern und der Dogmatik unter ökumenischen Fragestellungen. Die Ökumene hat seine Lebens- und Glaubensgeschichte insgesamt sehr geprägt. Später absolvierte er noch eine Buchhändlerausbildung. Die Liebe zog dann ihn zu seiner Frau nach Oberfranken. Nach dem Vikariat in Gleisenau (Dekanat Bamberg) folgten Stationen in Burghausen und Freising, zuletzt wirkte er genau zehn Jahre lang als Pfarrer in Zeil am Main im Dekanat Rügheim. Die Pfadfinder haben ihn geprägt. Zu seinem Leben gehören das Gitarrespielen, Besuche im Biergarten und am Badesee, Nacht- und Weitwanderungen, ein gutes Buch, klassische Musik und das Interesse an den tschechischen Nachbarn. Seine Tschechisch-Kenntnisse seien nicht perfekt, aber alltagstauglich, sagt er. Neiber freut sich darauf, sie hier im Grenzgebiet einzusetzen und auszubauen.
 

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