Wunsiedel/München Leben wie ein König statt wie ein Käfighuhn

Mächtig Eindruck hat die Freiraum-Aktion in München gemacht. Foto: Peter Pirner

Die Münchner Medien berichten über die Image-Kampagne des Fichtelgebirges. Sie greifen dabei vor allem das Thema Miete und Wohnraum auf.

Wunsiedel/München - Ausführlich haben die Medien der Landeshauptstadt über die Guerilla-Marketing-Aktion #FreiraumFürMacher berichtet, mit der das Fichtelgebirge in der Münchner Fußgängerzone geworben hat.

Eine halbe Zeitungsseite mit einem großen Bild widmet die "Süddeutsche Zeitung" der Image-Kampagne des Landkreises Wunsiedel. Sie ruft ihre Leser im Titel auf: "Ab nach Wunsiedel!"

Der Autor Wolfgang Görl schreibt in der Unterzeile: "Leben wie ein König statt wie ein Käfighuhn: Mit einer provokativen Performance wirbt das Fichtelgebirge um Münchner. Für deutlich weniger Geld könnten die dort besser leben und wohnen, müssten aber auf defekte S-Bahnen und Staus verzichten."

Görl beschreibt die beiden Glaswürfel, die den Unterschied in der Wohnraumgröße bei gleich hoher Miete zwischen München und dem Fichtelgebirge veranschaulichen sollen. Die sind auch im Foto von Robert Haas zu sehen, unter dem steht: "Traurige Städter, fröhliche Menschen vom Land: Während man in München beengt lebt, lockt das Fichtelgebirge mit jeder Menge Freiraum."

"Für Münchner Lokalpatrioten", schreibt Görl, "ist das natürlich starker Tobak, denn die Botschaft ist ja nicht misszuverstehen: In München lebt ihr wie ein Käfighuhn, im Fichtelgebirge wie ein kleiner König." Der Autor lobt die Findigkeit der Kampagnen-Macher, die "vom urbanen Leben entnervte Stadtmenschen ins schöne Fichtelgebirge zu locken versuchen".

Dort lebt man schon längst nicht mehr hinter dem Mond, wie Görl anerkennend konstatiert. Den Wunsiedler Landrat Dr. Karl Döhler zitiert der "SZ"-Reporter mit der Aussage, im Fichtelgebirge gehe es mittlerweile wieder aufwärts, die Unternehmen hätten Tritt gefasst, neue Branchen seien hinzugekommen, junge Start-ups und innovative Betriebe. Dann unterstellt er Döhler augenzwinkernd ein "hundsgemeines rhetorisches Manöver", als der Landrat sagt: "Wir können nicht alles bieten. Wir bieten keine Staus, keine schlechte Luft, keine teuren Immobilien, keine überfüllten S-Bahnen." Am Ende resümiert die "Süddeutsche Zeitung": "Die Glaswürfel-Aktion in der Fußgängerzone hat Eindruck gemacht."

Die Münchner "Abendzeitung" greift die Glaswürfel als Foto-Hingucker ebenfalls auf und schreibt darunter: "Acht Kubikmeter gegen einen." Insgesamt wertet sie die Fichtelgebirgs-Werbung in der Neuhauser Straße als "skurrile Aktion".

Auch die "AZ" thematisiert "den Unterschied zwischen dem Raum, der einem Menschen in einer Großstadt wie München zur Verfügung steht gegenüber dem in einer luftigeren Region wie dem Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge". Das Boulevard-Blatt stellt die Frage "Warum beengt und teuer leben, wenn es besser geht?" und lässt ebenfalls Landrat Döhler schwärmen von Natur, Betreuungsplätzen, günstigem Baugrund und Freizeitmöglichkeiten.

Wie berichtet, waren auch Fernseh- und Hörfunk-Teams des "Bayerischen Rundfunks" vor Ort, um über die Kampagne zu informieren. So eröffnet "Abendschau"-Moderator Christoph Deumling den Beitrag mit Luftbildern von weiter Landschaft und dem Satz "Schauen Sie mal: So schön ist Oberfranken!" Markus Feulner und Marlen Fercher stellen die Aktion in München und - als Beispiel für erfolgreiche Zurückkommer ins Fichtelgebirge - Romy und Sebastian Kunz vom Marktredwitzer Burger-Restaurant "Baros" vor: "Sie haben den Schritt von München zurück in die Provinz gewagt, und der Mut hat sich gelohnt." In der Fußgängerzone darf Kampagnen-Macher Manfred Jahreiß schwärmen vom "tollen Umfeld für Familien" im Fichtelgebirge und hinweisen auf die Work-Life-Balance, "die in Wunsiedel noch funktionieren kann".

Der Leiter der Entwicklungsagentur Fichtelgebirge, Thomas Edelmann, sagt resümierend: "Wir sind mit dem Start der Kampagne sehr zufrieden. Hier in der Region ist das Feedback überwältigend, viele Unternehmen und Kommunen haben das Logo bereits auf ihren Homepages platziert." In München habe es drei Aktionstage plus die Werbung in den U-Bahnhöfen gegeben. "Dieses Gesamtpaket hat uns viel Aufmerksamkeit verschafft. Diese Welle wollen wir weiter reiten. Eine zweite Welle der Kampagne ist für die zweite Jahreshälfte in der Mache."

 
 

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