Wunsiedel - Gerade vor dem Hintergrund des Attentats von Norwegen kann es der Wunsiedler Pfarrer Jürgen Schödel überhaupt nicht verstehen, dass die NPD eine Veranstaltung unter dem Motto "Gegen die Invasion von Fremdarbeitern" für den Samstag in Wunsiedel angemeldet hat. Die Kirchen wollen dem Tag einen anderen Charakter geben: Sie laden mit dem Wunsiedler Bündnis gegen Rechtsextremismus ab 12.30 Uhr zu Aktionen unter dem Motto "Gemeinsam für das Leben - gegen Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit" ein. Der Tag wird mit einem Sternmarsch beginnen, am Nachmittag wird es einen ökumenischen Gottesdienst geben. "Am Samstag geht es mit Blick nach Norwegen darum, in Wunsiedel ein gemeinschaftliches Zeichen gegen Hass, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zu setzen", sagt Bürgermeister Karl-Willi Beck. Wie fanatisch Rechtsextreme sind, bekommt derzeit Dekan Hans-Jürgen Buchta zu spüren. Wie er der Frankenpost bestätigte, erhält er seit der Auflösung des Heß-Grabes Drohungen und Schmähungen per Mail, Post und Telefon. Im Zentrum dabei stünden er selbst, Ex-Landrat und Kirchenvorstandsmitglied Dr. Peter Seißer und der Kirchenvorstand im Allgemeinen. Auch Morddrohungen seien darunter gewesen. "Weit mehr" als 200 Drohbriefe und Mails habe er erhalten, sagte der Dekan und betonte eines: Er lasse sich davon in keinster Weise beeindrucken. Die rechten Briefe-Schreiber halten dem Dekan vor allem "Grabschändung" vor - obwohl die Grabauflassung von der Familie Heß beantragt worden sei. Gleiches gelte für den Zeitpunkt der Auflassung. Dass diese am 20. Juli, dem Jahrestag des Attentats auf Hitler geschah, hat die rechte Szene empört. Thomas Scharnagl

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