Wunsiedler Schüler designen Barhocker Bierfreuden auf dem etwas anderen Hocker

Gut möglich, dass die von den Fachschülern geschaffenen Barhocker demnächst in Wunsiedler Gaststätten stehen. Foto: /Matthias Bäumler

Die Schüler der Fachschule für Steintechnik und Gestaltung bauen in einem Projekt Möbel für Barsund Kneipen. Davon kann auch die Wunsiedler Gastroszene profitieren.

Wunsiedel - Wenn man wegen Corona schon nicht am Wirtshaustresen sitzen kann, dann sollen die Schüler zumindest Barhocker bauen. Ob sich Wolfgang Stefan das tatsächlich gedacht hat, ist nicht bekannt. Der Lehrer an der Wunsiedler Fachschule für Steintechnik und Gestaltung hat die angehenden staatlich geprüften Gestalter aber genau vor diese Aufgabe gestellt: Sie sollten mit mindestens zwei unterschiedlichen Materialien einen individuellen Barhocker bauen. Herausgekommen sind Möbelstücke, die es in sich haben.

Auf einer schweren, in der Luft stehenden Eisenkette sitzen? Ja, auch das scheinbar physikalisch Unmögliche hat ein Schüler Wirklichkeit werden lassen. Die Glieder der Kette sind zusammengeschweißt, sodass sie lediglich etwas federt, wenn sich jemand auf der Sitzfläche niederlässt. Bequem ist der Hocker jedenfalls. „Die Schüler haben die Aufgabe kurz vor Weihnachten gestellt bekommen. Ich glaube, das war eine schöne Arbeit, wenn sie schon nicht ins Wirtshaus gehen durften“, sagt Stefan. Dem Künstler und Lehrer ist die Kombination aus einzigartiger Gestaltung und Nutzbarkeit des Werkstücks wichtig. Von Letzterem sollen auch die Besucher der Wunsiedler Gastronomie profitieren, wenn jetzt auch in den Innenräumen wieder Bier ausgeschenkt werden darf. „Wir würden die Barhocker gerne zwei Jahre an heimische Wirte verleihen“, sagt Studiendirektor Jürgen Wunderlich. Die Schule solle künftig in der Region noch bekannter werden. Und was trage besser dazu bei als in Gaststätten genutzte Werkstücke? „Das ist allemal besser, als wenn die Hocker in einem Schaufenster eines leer stehenden Geschäftes ausgestellt würden.“

Kombination aus Stahl und Holz

Stahl und Holz. Diese Kombination haben die meisten Schüler bevorzugt. Dennoch sind nach mehreren Monaten Arbeitszeit höchst unterschiedliche Barhocker entstanden. Wie Wolfgang Stefan im Gespräch mit der Frankenpost sagte, hat er es bei der Notengebung nicht schwer. „Die Qualität ist hervorragend. Rundweg alle Stücke sind perfekt verarbeitet.“

Die Ausbildung zum „Staatlich geprüften Gestalter“ gibt es bundesweit nur in Wunsiedel. Sie steht allen Frauen und Männern mit einer abgeschlossenen Handwerksausbildung nach mindestens einem Jahr Gesellenzeit offen. „Nach wie vor kommen die meisten aus dem Steinmetzhandwerk, aber wir hatten auch schon Schreiner und sogar einen Koch“, sagt Jürgen Wunderlich. Diesem gehe es um die Gestaltung von Buffetlandschaften und Eisskulpturen. „Jeder Handwerksberuf hat letztlich etwas mit Gestaltung zu tun. Auch Elektriker müssen zum Beispiel einen Sinn für das gesamte Bauwerk oder die Anlage haben.“

Genau dies ist das eigentliche Ziel der Ausbildung zum Gestalter. Die Handwerker sollen in der Praxis auf Augenhöhe zum Beispiel mit Architekten verhandeln können. „Daher ist uns die Arbeit mit vielen Materialien wichtig. Moderne Architektur setzt nicht mehr nur auf Stein, sondern vor allem auf Glas oder Holz“, sagt Stefan.

Drei Abschlüsse in zwei Jahren

Wer als Steinmetz die Fachschule besucht, kann innerhalb von zwei Jahren sogar drei Abschlüsse erwerben: Den Steintechniker, den Gestalter und den Steinmetz-Meister. Die übrigen Schüler verlassen Wunsiedel mit dem Gestalter-Titel und den Teilen drei und vier der Meisterprüfung (Betriebswirtschaft und Berufs- und Arbeitspädagogik). Die „Eintrittskarte“ zu einem Fachhochschulstudium gibt es obendrauf.

Zurück zu den Barhockern. Wolfgang Stefan trieb bei der Aufgabenstellung die Corona-Krise um. „Erst dadurch ist uns allen bewusst geworden, wie wichtig menschliche Kontakte sind. Und in den Wirtschaften werden sie nun mal gepflegt.“ Er freut sich, dass dies nun seit wenigen Tagen wieder möglich sei – am besten auf einem Barhocker „made an der Fachschule für Steintechnik und Gestaltung“.

Das Hocker-Projekt ist von der Danner-Stiftung mit 2000 Euro gefördert worden. Deren Zweck ist die Unterstützung des Kunsthandwerks in Bayern. Nicht nur die Verantwortlichen der in München ansässigen Stiftung erkennen den Wert der Ausbildung an der Wunsiedler Fachschule für Steintechnik und Gestaltung. „Bisher haben sämtliche unserer Absolventen nach ihrer Schulzeit eine gute Anstellung gefunden. Die Unternehmen wissen, was die Gestalter alles können. Wir sind zudem immer wieder in Kontakt mit ehemaligen Schülern, die uns mitteilen, dass sie von ihrer Zeit in Wunsiedel profitiert haben“, sagt Wunderlich. Umso mehr bedauert er, dass zwar Gesellen der verschiedensten Handwerksberufe aus allen Teilen Bayerns in die Festspielstadt kommen, allerdings kaum welche aus der Region. „Darum hoffe ich, dass unsere Schule auch bei den hiesigen Handwerksbetrieben noch bekannter wird.“

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