Zähe 61 Minuten Angstgegner stoppt Selber Höhenflug

Nach vier Siege in Folge setzt es für die Wölfe am Freitagabend wieder eine Niederlage. Die Heilbronner Falken setzen sich in einem zähen Spiel mit 3:2 nach Verlängerung durch.

Der Mini-Höhenflug der Selber Wölfe in der DEL2 ist zu Ende. Ausgerechnet vor heimischem Publikum kassierten die Waßmiller-Schützlinge nach zuletzt vier Siegen in Serie wieder eine Niederlage. Gegen die Heilbronner Falken, als Tabellenvorletzter, aber auch als Selber „Angstgegner“ angereist, setzte es ein 2:3 (0:0, 1:1, 1:1, 0:1) nach Verlängerung. Erstmals im neuen Jahr mussten sich die Wölfe damit geschlagen geben, sie wurden von den knapp 1800 Zuschauern dennoch mit Applaus in die Kabine verabschiedet.

Beiden Mannschaften war in den ersten 20 Minuten die Bedeutung der Partie anzumerken. Selb wollte sich weiter absetzen von den Playdown-Plätzen, Heilbronn wieder den Anschluss herstellen. Entsprechend zerfahren war das Spiel zunächst. Beide Teams suchten zwar ihr Heil in der Offensive, streuten aber immer wieder Fehler im Aufbau ein und leisteten sich immer wieder Unkonzentriertheiten und leichtfertige Patzer in der Defensive. „Wir waren zu passiv, zu weit weg vom Gegner. Mir hat die Aggressivität gefehlt“, sagte Waßmiller nach dem Spiel über das erste Drittel. Kämpferisch war keinem Spieler ein Vorwurf zu machen, jede verlorene Scheibe wurde sofort zurückerobert. Mangelware blieben die wirklich großen Möglichkeiten, sodass die beiden Keeper – Michel Weidekamp auf Selber Seite, Ex-Wolf Florian Mnich bei Heilbronn – vor keine allzu großen Prüfungen gestellt wurden. Weidekamp auch nicht bei einem Überzahlspiel der Falken in der 15. Minute. Und ebenso nicht, als nach 19 Minuten zwei Heilbronner frei vor ihm auftauchten, den Puck aber vertändelten. Die beste Note verdienten sich in diesem ersten Drittel noch die Selber Fans, die ihr Team ununterbrochen unterstützen.

Trska mit passender Antwort auf 0:1

Mehr Schwung kam im Mittelabschnitt in die Partie. „Ab dem zweiten Drittel sind meine Jungs besser in die Zweikämpfe gegangen und haben den Zug zum Tor gefunden“, sagte Waßmiller bei der Pressekonferenz. Die Wölfe agierten zunächst druckvoller – der erste Treffer fiel aber auf der anderen Seite. Rymsha zog kurz vor der blauen Linie aus dem Handgelenk ab, Weidekamp war wohl die Sicht verdeckt – 0:1. Die passende Antwort hatte Trska parat. Er hämmerte die Scheibe nur 71 Sekunden später nach einem von Vantuch gewonnenen Bully zum Ausgleich ins Netz.

Nun häuften sich die Möglichkeiten auf beiden Seiten. Gelke scheiterte an Mnich, Kruminsch am Außenpfosten, dann erspielte sich Heilbronn wieder leichte Vorteile. Und nicht unverdient gingen die Gäste nach einer halben Stunde erneut in Führung. Die Falken waren in der Folge sogar dem dritten Treffer näher, bei den Wölfen häuften sich wieder die Missverständnisse. Es lief einfach nicht richtig. „Warum spielen wir gegen die nicht einfach mal richtig gut?“, klagte ein Selber Fans.

Zumindest der Einsatz passte aber weiter. Nicht mehr weiter ging es nach 34 Minuten für Naumann, der nach einem harten Check vom Eis und in die Kabine musste. Das sah nicht gut aus für den jungen Selber Stürmer. Aber es gab auch noch Grund zum jubeln für die Wölfe-Anhänger in diesem zweiten Drittel. Mit einer Energie- und Willensleistung traf Hammerbauer in der 38. Minute zum 2:2-Ausgleich, ehe sich die Schiedsrichter – nicht zum ersten Mal an diesem Abend – den Unmut der Wölfe-Fans zuzogen, als Trska wegen Haltens auf die Strafbank musste. Ihm folgte nach fünf Sekunden im Schlussdrittel auch noch auch Kania. Mit etwas Glück überstanden die Wölfe aber die 3:5-Unterzahl, ehe sie in der 43. Minute erstmals selbst mit einem Mann mehr auf dem Eis standen. Was aber ebenfalls zu nichts Zählbarem führte.

Spielerisch viel Luft nach oben

Spielerisch blieb weiter Luft nach oben bei beiden Mannschaften, die Begegnung, die sich nun mehr und mehr in die Heilbronner Hälfte verlagerte, lebte vor allem von der Spannung und großem Einsatz aller Akteure. Auch die Selber Fans holten noch einmal alles aus sich heraus, peitschten ihr Team nach vorne. In der 55. Minute wäre es aber fast soweit gewesen mit der abermaligen Führung für die Gäste, Fern klaute dem durchgebrochenen Falken-Topscorer Tonge aber gerade noch die Scheibe vom Schläger. Auf der Gegenseite scheiterte Deeg denkbar knapp alleine vor Mnich. Und die Selber Anhänger haderten weiter auch mit den Unparteiischen, die bei mancher nicht ganz astreinen Aktion der Gäste ihre Augen zudrückten.

Es blieb schließlich beim 2:2 nach 60 Minuten, es ging in die Verlängerung, ein Punkt war beiden Team schon sicher. „Verdient und korrekt“, merkten beide Trainer nach dem Spiel an. Die Overtime dauerte gerade einmal 21 Sekunden – da war die Selber Siegesserie gerissen. Bei Drei gegen Drei liefen die Wölfe in einen Konter, den Williams zum Heilbronner 3:2-Siegtreffer nutzte. Für die Wölfe geht es am Sonntag (17 Uhr) beim Tabellenzweiten ESV Kaufbeuren weiter, schon am Dienstag (19.30 Uhr) kommt dann der EC Bad Nauheim in die Netzsch-Arena.

Selber Wölfe: Weidekamp (Roelofsen) – Trska, Lavallée, Kania, Reddick, Fern, Schaaf, Silbermann – Schwamberger, Vantuch, McNeill, Miglio, Kruminsch, Naumann, Gelke, Hammerbauer, Deeg, Woltmann, Noack, Melnikow.

Schiedsrichter: Harrer/Sicorschi. – Zuschauer: 1758. – Tore: 23. Min. Rymsha (Kirsch, Della Rovere) 0:1, 24. Min. Trska (Vantuch) 1:1, 31. Min. Kirsch (Blackwater, Della Rovere) 1:2, 38. Min. Hammerbauer (Gelke, Lavallee) 2:2, 61. Min. Williams (3-3) 2:3. – Strafminuten: Selb 6, Heilbronn 2.

Autor

 

Bilder