Fichtelgebirge Qual und Glück beim "Rockman Run"

Timo Schmidt

Der „Rockman Run“ in Zell wartet  mit doppelt so vielen  Hindernissen auf wie  im vergangenen Jahr. Am Samstag wagten  sich knapp 400 Männer und Frauen an den Start.  Einer stach dabei besonders heraus.

Dichter Vollbart, braun gebrannte Haut, ein dauerhaftes breites Grinsen, überbordende Lebensfreude: Allein mit diesen Eigenschaften ist Mehmet Topyürek, Spitzname „Mamo“, am Samstag  bei der zweiten Ausgabe der „Rockman Run Sommer Edition“ in Zell ein echter Hingucker. Doch noch größer werden die Augen der Mitläufer, als der 37-Jährige aus Heilbronn seine Begleitung präsentiert: einen 21 Kilogramm schweren Baumstamm. Damit auf dem Rücken will Mamo die lange Tour über 19 Kilometer bewältigen. Für ihn quasi Alltag, hat der „Baumstammläufer“ doch in dieser Weise bereits Dutzende Marathon- und Hindernisläufe in ganz Deutschland absolviert. Warum er das macht? „Ich will immer einen positiven Einfluss auf andere Menschen haben“, sagt Topyürek. „Und wenn ich mit dem Baumstamm unterwegs bin, lachen die Leute auf jeden Fall.“

Einige  ganz Mutige und Durchtrainierte machen es wie Mamo   und  wagen sich – wenngleich ohne Baumstamm – an den Lauf über 19 Kilometer, der  über den Waldstein, die Saalequelle und Hühnerhöfen führt und ganze 140 Hindernisse und 600 Höhenmeter beinhaltet.  Die Mehrheit der Läufer nimmt aber  die kürzere  Tour über neun Kilometer über den Waldstein und den Arnsteinfelsen in Angriff. Auf dieser Strecke sind 70 Hindernisse und 300  Höhenmeter zu bewältigen.

Vor dem Start: Anerkennende und ungläubige Blicke erntet der Baumstammläufer bereits vor dem Start. Dass jemand allein teilnimmt, ist ohnehin eher die Ausnahme beim „Rockman Run“. Viele Läufer sind als Gruppe aus Freunden oder Arbeitskollegen dabei – wie etwa die  „All Packmers“ aus dem Nürnberger Land, eine der größten Gruppen bei diesem Hindernislauf. „Wir sind 14 Leute“, sagt Peter Beitzel, Organisator des Teams, stolz. „Wir laufen aber die kürzere Strecke, weil wir auch ein paar Greenhorns dabeihaben, die so etwas noch nie gemacht haben.“ Dann ertönt die Durchsage: Alle Läufer sollen zum Startbereich kommen.

Der Lauf: Nach einer kurzen Aufwärmrunde starten zunächst – unter den lautstarken Anfeuerungsrufen der Zuschauer –  die Männer und Frauen für den Lauf über 19 Kilometer. Wenig später geht es für die Läufer der kürzeren Strecke los.

Im Startbereich kriechen die Sportler  zunächst unter Stacheldraht hindurch und müssen anschließend einen tiefen Wassergraben  überwinden. Ein außergewöhnliches Hindernis kommt gleich  danach:  herabhängende und unter Strom stehende Bänder, die den Läufern leichte Elektroschocks  versetzen. Dann geht es in den Wald, wo die Läufer über Holzbarrikaden klettern, über Wasserrutschen sausen   oder  Sandsäcke schleppen müssen.

Zum krönenden Abschluss sind eine hohe Halfpipe ähnlich wie bei Skateboard-Anlagen und ein Schaumbad zu überwinden. Der erste Läufer überschreitet nach weniger als zwei Stunden die Ziellinie, die letzten brauchen mehr  als vier Stunden. Zu ihnen gehört auch Mehmet Topyürek, der mit einem breiten Grinsen und seinem Baumstamm auf dem Rücken das Ziel erreicht.

Das Fazit: „Schwieriger als letztes Jahr“, so beschreiben viele glückliche Läufer ihr Erlebnis. „So viele Hindernisse auf einer Strecke habe ich noch nie erlebt“, sagt Mehmet Topyürek begeistert. „Das war wirklich wahnsinnig cool, auch der Umgang der Läufer miteinander.“ Auch Peter Beitzel und seine Gruppe „All Packmers“ erzählen von einer tollen Erfahrung. „Jeder von uns hat es geschafft. Wir sind alle gleichzeitig ins Ziel gekommen.“ Begeistert ist auch die Gruppe „die Hackstöck“, deren Mitglieder rund um Ferdinand Drössler aus Hof, Helmbrechts oder Marktredwitz kommen. Die fünf jungen Männer schaffen es bei ihrer ersten Teilnahme am „Rockman Run“ sogar auf den ersten Platz in der Teamwertung über neun Kilometer. „Wir sind nächstes Jahr auf jeden Fall auch dabei“, sind sich Ferdinand Drössler und seine Freunde sicher.

Auch das Fazit des Veranstalters fällt durchweg positiv aus: „Gerade bin ich einfach nur überwältigt von der ganzen Geschichte“, sagt Organisator Julian Hergesell. Sein Team und er haben es tatsächlich geschafft,   den angepeilten deutschlandweiten Rekord mit den meisten Hindernissen bei einem solchen Lauf aufzustellen. „Da sind wir sehr stolz darauf, aber das muss jetzt erst mal sacken.“

Im nächsten Jahr soll es zwar nicht noch mehr Hindernisse geben, stattdessen will Hergesell das bestehende Konzept verfeinern. Einen festen Termin für den dritten „Rockman Run“ gibt es bereits: Am 17. Juni 2023 sollen wieder zahlreiche Läufer für ein ganz besonderes Erlebnis nach Zell kommen – mit oder ohne Baumstamm.

 

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