Zwei Monate nach Unglück in Kulmbach: Tödlicher Absturz – Flugzeug war zu schwer

Im April war das Ultraleichtflugzeug in Kulmbach abgestürzt. Zwei Menschen verloren dabei auf tragische Art und Weise ihr Leben. Foto: Gabriele Fölsche

Klar ist: Die beiden Insassen waren für das Flugzeug deutlich zu schwer. Die Hauptursache für den Absturz dürfte aber eine andere gewesen sein, sind Experten überzeugt.

Kulmbach - Der Schock war groß, das Mitgefühl auch. Landrat Klaus Peter Söllner ist am Kulmbacher Flugplatz am 22. April abends selbst vor Ort gewesen, als er erfuhr, dass mit Klaus Georg Purucker und dessen Geschäftsfreund aus Weiden gerade zwei Menschen mit einem Leichtflugzeug abgestürzt und ums Leben gekommen waren. Für Söllner war der Pilot nicht nur Parteikollege bei den Freien Wählern und wichtiger Unternehmer in der Region, sondern „vor allem ein immer freundlicher, offener und zugewandter Mensch, mit dem man gern zusammen war“. Das Mitgefühl aller galt besonders Puruckers Familie, seiner Frau und den beiden Kindern.

Gut zwei Monate später sind die Wunden lange nicht verheilt, gleichzeitig ist die Aufarbeitung des Unfalls nun einen Schritt weitergekommen. Die Bundesstelle für Flugunfall-Untersuchung hat unter dem Aktenzeichen BFU21-0215-3X einen Zwischenbericht vorgelegt. Auf fünf Seiten trugen drei Experten der Behörde zahlreiche Fakten zusammen. Demnach befand sich der 2008 erbaute Ultraleichtflieger Zephyr des tschechischen Herstellers Sebest Air nach dem Start um 18.24 Uhr ganze 13 Sekunden lang in der Luft, als es „im Anfangssteigflug in eine unkontrollierte Fluglage geriet“ und 30 Meter vor Ende der Start- und Landebahn aufschlug und mit Wucht zerschellte. Beide Männer starben in dem Flugzeugwrack. Die Rettungskräfte kamen zunächst stundenlang nicht heran, weil die Gefahr bestand, dass der Sprengsatz explodiert, der normalerweise im Notfall einen Fallschirm für das Flugzeug herauskatapultiert. Erst tags darauf konnten die Helfer die beiden Leichen bergen. Das Ultraleichtflugzeug war komplett zerstört, das Cockpit mit Motor abgetrennt, die rechte Tragfläche mehrfach gebrochen und gestaucht.

Bei der Klärung der Begleitumstände kam den Fachleuten das Material einer Überwachungskamera zu Hilfe. Zwar wurde der Aufprall selbst nicht aufgezeichnet, weil ausgerechnet die letzten Meter der Startbahn nicht von der Kamera erfasst werden. Dennoch lieferte die Aufzeichnung ebenso wichtige Indizien, wie die Wetterstation am Verkehrslandeplatz. Der zufolge wehte der Wind zum Zeitpunkt des Unfalls mit bis zu 16 Knoten aus nördlicher Richtung, Augenzeugen berichteten von einer „stark böigen“ Wetterlage. Obwohl die Sicht klar war, waren die Bedingungen für einen Flug also nicht optimal.

Doch was führte nun genau zum Absturz? Fakt ist: Die 340 Kilogramm schwere Maschine war deutlich überladen. Laut Bundesstelle ist für dieses Ultraleichtflugzeug eine maximale Zuladung von 110 Kilogramm zulässig. Die beiden Insassen und sonstige Zuladung aber wogen insgesamt 260 Kilo. Wie Jens Friedemann von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig der Frankenpost am Freitag bestätigte, habe das deutlich erhöhte Gewicht „natürlich zum Absturz beigetragen“. Allerdings sei davon auszugehen, dass dies nicht der Hauptgrund für den Unfall gewesen sei. Ein Experte, dem unsere Zeitung die Daten der bisherigen Untersuchungen vorlegte, geht davon aus, dass letztlich ein Pilotenfehler zur Tragödie führte. Vermutlich habe dieser das Flugzeug zu stark nach oben gezogen. Die Behörde wollte diese Einschätzung nicht kommentieren. „Um die exakte Ursache benennen zu können, bedarf es weiterer Analysen“, erklärte Friedemann. Ergebnisse seien erst in den kommenden Monaten zu erwarten. Hinweise auf ein Feuer im Flug oder nach dem Aufprall gebe es nicht.

Der beim Absturz 52 Jahre alte Purucker besaß seit 2015 eine unbefristet gültige Lizenz für derartige „Luftsportgeräte“. Diese schloss die Berechtigung ein, Passagiere mitzunehmen. Insgesamt hatte der Untersteinacher Unternehmer seit Beginn seiner Piloten-Laufbahn 500 Starts und Landungen durchgeführt und dabei rund 130 Stunden Flugerfahrung gesammelt. Ein alter Hase war er nicht. Vor dem Unglücksflug im April war er laut persönlichem Flugbuch zuletzt im September des Vorjahres mit seiner Zephyr geflogen. Außerdem stellten die Kontrolleure in ihrem Zwischenbericht fest, dass sein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis Anfang Januar abgelaufen sei. Hätte Purucker gar nicht abheben dürfen? Auch diese Frage ist noch nicht hinreichend geklärt. „Es ist denkbar, dass es eine aktuellere medizinische Untersuchung gab, diese aber noch nicht entsprechend vermerkt war“, sagt Friedemann. Neben dem Bundesamt sind das Luftamt Nordbayern sowie Ermittler der Kripo Bayreuth in die Aufarbeitung des Unglücks eingebunden. Die Polizei bestätigte, dass die Leichen inzwischen obduziert wurden, wollte sich am Freitag aber noch nicht weiter äußern. Während die Kripo gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft für die juristische Aufarbeitung zuständig ist und insbesondere der Frage nach einem möglichen Verschulden nachgeht, steht für die Experten der Bundesstelle die Suche nach Lücken im Sicherheitssystem und die Vermeidung künftiger Unfälle im Mittelpunkt. Allein im vergangenen Jahr untersuchten sie deutschlandweit 152 Unfälle im Bereich der Zivilluftfahrt. Dazu gehören acht tödliche Unfälle mit Ultraleichtflugzeugen und 13 Opfern. Häufig stellten die Experten dabei fest, dass das zulässige Gesamtgewicht deutlich überschritten wurde oder wie es ein Kulmbacher Pilot ausdrückt: „Ultraleicht ist, so gegensätzlich das auch klingen mag, einfach oft zu schwer“.

Das Luftamt Nordbayern an der Regierung von Mittelfranken wartet aktuell die Untersuchungsergebnisse ab. „Nur wenn sich im Rahmen der Ermittlungen Sachverhalte ergeben, die auf ein Fehlverhalten oder Verschulden des Flugplatzbetreibers hindeuten, wären hinsichtlich des Flugplatzes Maßnahmen veranlasst“, hieß es aus Ansbach.

Sehen Sie hier die Bilddokumentation vom Geschehen im April.

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