Zwischenbericht Citymanager bleiben bewusst noch vage

Viele Menschen legen mehr Wert auf Erlebnisse, auch und gerade in den Innenstädten. Wie bringt sich Hof da positiv ins Gespräch? Zum Beispiel durch Veranstaltungen wie die Lebensart-Messe in den Saaleauen, die Innenhofkonzerte oder auch Ladengeschäfte, die zeitweise für Kultur genutzt werden. Foto: /Thomas Neumann

Wie steht die Einkaufsstadt Hof da in Sachen Stimmung, Außenwirkung oder Entwicklungspotenzial? Seit vier Monaten ist die Agentur „Stadt + Handel“ dabei, das zu untersuchen. Am Donnerstag haben die Verantwortlichen in zwei Veranstaltungen ihre Ansätze vorgestellt – und zumindest ein paar kleine Erkenntnisse durchklingen lassen.

Hof - Verweilinseln wären gut, zum Beispiel in der Ludwigstraße. Interimsparks machen sich toll in anderen Innenstädten, ebenso wie regelmäßig wechselnde Pop-Up-Stores. Oder Co-Working Spaces mitten in der Innenstadt (vor drei Wochen abgelehnt im Hofer Stadtrat). Da haben am Donnerstagabend einige Zuhörer mal tüchtig geschmunzelt am Eisteich, als die drei Referenten der Agentur „Stadt + Handel“ erste Einblicke und Ansätze ihrer Arbeit vorgestellt haben – und sich manch leidgeprüfter Hof-Kenner im Publikum gedacht hat: „Hatten wir das nicht schon mal?“ Dabei ist der Zwischenbericht der Agentur, die von Herbst an das Citymanagement übernehmen soll, viel mehr gewesen als eine pauschale Ideensammlung. Er könnte ein weiterer Schritt hin zu einer funktionierenden Innenstadt-Entwicklung sein – weil zum Ansatz auch gehört, offenzulegen, warum eigentlich gute Ideen im ersten Anlauf nicht funktioniert haben.

Von vorn: Der Donnerstag ist ein vollgepackter Tag gewesen für viele, die sich für die zukünftige Innen- und Außenwirkung der Stadt interessieren. Am Vormittag haben die Beteiligten des Marketingprojekts „Hofer Land“, das Stadt und Landkreis zusammen initiiert haben, in nichtöffentlicher Runde vorgestellt, woran sie seit Anfang des Jahres arbeiten. Am Nachmittag dann hat die Agentur „Stadt + Handel“ den Hofer Stadträten eine Kurzform ihrer bisherigen Analysearbeit präsentiert, am Abend gab es einen ausführlicheren Vortrag für etwa 60 Interessierte und Innenstadtbeteiligte am Eisteich. Und wie bei jedem Zwischenbericht haben die Referenten die wirklich wichtigen Erkenntnisse noch nicht preis gegeben.

Nicht neu: Die Saale ist weit weg von der Altstadt, in der Innenstadt gibt es nur eine unzureichende Nahversorgung und während die einen Kunden möglichst viel Bequemlichkeit beim Einkauf schätzen, sind den anderen die vielen Autos in der Ludwigstraße lästig. Alles nicht neu. Doch Annika Heinlein, Jens Nußbaum und Benjamin Konstant sind angetreten, um der Sache tiefer auf den Grund zu gehen. Seit vier Monaten erheben sie Daten über die Stadt und ihre Beteiligten, mit 16 von ihnen haben sie ausführliche Interviews zur Stimmung in Hof und zur Entwicklung gemacht.

Hofer Stärken: In der Innenstadt gibt es viele Beteiligte, die sich einbringen, es herrscht ein hoher Grad an Zusammenhalt und an lokaler Identität, auch gebe es viel Platz für Gestaltungsmöglichkeiten.

Das läuft schlecht: Die Kommunikation, vor allem über verschiedene Bereiche hinweg, ist ausbaufähig. „Und die Beteiligten wünschen sich ein Sprachrohr zur Verwaltung, eine zentrale Anlaufstelle“, sagte Benjamin Konstant. Der viele Raum für Möglichkeiten werde zudem gleichzeitig auch negativ wahrgenommen – als un- oder untergenutzte Fläche. Und: Die Befragten bemängelten die viele Bürokratie, vor allem in Bezug auf die Gestaltung von Außenflächen unter anderem in der Gastronomie.

Die Ansatzpunkte: Sechs Bereiche haben die Agentur-Sprecher ausgemacht, in denen man tätig werden könnte – von Immobilien-Qualität bis Branchenmix, von digitaler Sichtbarkeit bis Nutzungspotenzialen. Bis Oktober werde man nun, so ist es vertraglich vereinbart, ein Konzept mit Entwicklungsempfehlungen für Hof erarbeiten. Dann steht eine Entscheidung an.

Der Folgeauftrag: Obwohl das gesamte beschriebene Prozedere in Hof von Anfang an unter dem Begriff „Citymanagement“ bekannt ist, hat Hof zu diesem Zeitpunkt noch kein solches. Das betonen die Referenten ebenso wie eingangs OB Eva Döhla. Momentan läuft die sechsmonatige Analysephase, dann entscheidet der Stadtrat darüber, ob die Agentur für drei Jahre den Auftrag fürs Citymanagement erhält. Fördermittel sind bereits zugesagt, sie könnten entweder aus der Städtebauförderung oder dem Innenstadt-Fonds des Freistaats kommen, aus dem Hof 1,5 Millionen Euro erhalten soll. Falls die Agentur, die Hof bislang hauptsächlich von Dortmund und Leipzig aus betreut, den Zuschlag erhalten sollte, würde sie auch einen Mitarbeiter zeitweise in Hof ansiedeln – möglicherweise in einem Büro direkt in der Innenstadt.

Neue Wege. Klare Pläne: Dieser Slogan bleibt auf der letzten Folie der Präsentation stehen am Eisteich. Da sind die Zuhörer gerade eine gute Stunde lang mitgenommen worden zu den globalen und deutschlandweiten Trends in Handel und Kundenverhalten; da haben sie gesehen, welche kleinen Ideen (zum Beispiel Verweilinseln) in anderen Städten fruchten. Konkretes zu Hof gab es kaum, Fragen aus dem Publikum deshalb überhaupt nicht – dafür haben die Zuhörer erfahren, wie tief die Betrachtungen der Agentur gehen. Welche konkreten Handlungsempfehlungen sie daraus ableiten wird, und wer diese dann mit welchem Geld und Personal umsetzen könnte: Das wird im Oktober erwartet.

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