Auf die Frage, ob es in den Gesprächen mit der Unicredit nun auch um die Standortfrage für eine künftige Zentrale gehe - Frankfurt oder München, wo die Unicredit-Tochter Hypovereinsbank (HVB) sitzt und die Unicredit einen neuen Büroturm errichten will - antwortete Orlopp: "Wir werden alle potenziellen Gestaltungskriterien im Hinblick auf die Zielbilder prüfen."
Droht der Abbau Tausender Jobs?
Orcel will mit einer Übernahme der Commerzbank eine europäische Großbank schmieden, auch als Gegengewicht zu den deutlich profitableren Geldhäusern aus den USA. Die Unicredit sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen inklusive des Abbaus Tausender Stellen. Das aus Commerzbank-Sicht "feindliche Vorgehen" der Italiener sorgt für reichlich Widerstand bei Management, Betriebsrat und Belegschaft des Dax-Konzerns. Auch der Bund äußerte sich wiederholt kritisch.
Die Unicredit jedoch ließ nicht locker und zog bis Anfang Juli per freiwilligem Übernahmeangebot nach eigenen Angaben weitere 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere an Land. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Unicredit schon zuvor hielt, steigt ihr Anteil damit rechnerisch auf 44,37 Prozent. Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen Zugriff auf weitere 3,22 Prozent der Commerzbank-Aktien und könnten so nach jüngsten Angaben auf 47,59 Prozent aufstocken.
Trickreiches Übernahmekonstrukt
Dabei zog der Investmentbanker Orcel trickreich alle Register. Nach Erkenntnissen der Commerzbank dienten Profi-Investoren und Privatanleger der Unicredit im Zuge des Übernahmeangebots zusammen gerade einmal 2,7 Prozent der Anteile an. Der Rest stammt demnach überwiegend von Banken, mit denen die Unicredit über Finanzinstrumente Geschäfte macht. Zwischenzeitlich hatte die Commerzbank der Unicredit vorgeworfen, ihre Aktienposition "künstlich aufzublähen". Zwecks Klärung hat der Dax-Konzern die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Ein Ergebnis dieser Prüfung steht aus.
Unterdessen lief eine Strafanzeige des Commerzbank-Gesamtbetriebsrats wegen des Verdachts der Marktmanipulation ins Leere: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt lehnte es ab, in der Sache ein Ermittlungsverfahren aufzunehmen, "da zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat nicht festgestellt werden konnten", wie die Behörde Anfang Juli mitteilte.