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Streit um das Tiramisu: Wer hat es erfunden?

Essen kommt in Italien einer Religion gleich. Jede Gegend ist besonders stolz auf ihre Gerichte. Nun ist im Norden eine hitzige Debatte um das Tiramisu entbrannt.



Tiramisu: Woher kommts?
Ein Teller mit einer Portion Tiramisu der Pompi Bar in Rom. Im Norden Italiens ist eine hitzige Debatte um die Herkunft der traditionellen Süßspeise entbrannt.   Foto: Lotte Glatt/dpa

Zucker, Ei, Mascarpone und Espresso. Aus diesen Zutaten soll Norma Pielli, die Besitzerin eines Hotels in der Ortschaft Tolmezzo in der norditalienischen Region Friaul-Julisch Venetien in den 1950er Jahren eine Süßspeise kreiert haben.

Eines Tages soll eine Gruppe Skifahrer erschöpft aus den Bergen zurückgekehrt sein. Das Dessert soll ihnen neue Kräfte verliehen haben. Auf italienisch sagten sie, es habe sie hochgezogen - «tirare sù».

Ende der 1960er Jahre soll der Konditor Roberto «Loly» Linguanotto in einem Restaurant in der Stadt Treviso bei Venedig die gleiche Speise erfunden haben. Weil das Gericht so lecker sei, dass man davon quasi magisch angezogen werde, nannten sie es im Dialekt der Region Venetien «Tiramesù». Später soll daraus Tiramisu geworden sein, als es schließlich in ganz Italien beliebt war.

Wegen dieser zwei Geschichten erheben die Regionen Friaul-Julisch Venetien und Venetien seit langem beide Anspruch darauf, das Tiramisu erfunden zu haben. Jetzt hat die Debatte erneut Fahrt aufgenommen. Friaul-Julisch Venetien hat die Nachspeise Ende Juli auf die Liste der für die Region typischen Gerichte eintragen lassen.

Das sogenannte «Pat»-Register steht zwar deutlich hinter der EU-weiten Herkunftsbezeichnung «DOC», nach der zum Beispiel nur in Parma hergestellter Schinken auch Parma-Schinken genannt werden darf. Aber seine Symbolkraft ist in einem Land, in dem Essen als Heiligtum gilt, nicht zu unterschätzen. Mit der «Pat»-Anerkennung hat sich die Region selbst zum Erfinder der Nachspeise ernannt und die Konkurrenz aus Venetien zum Kochen gebracht.

«Das Tiramisu hat Statutssymbol in Italien», sagt Valentina Chirra aus der Geschäftsführung der Tiramisu-Kette Pompi in Rom. Die Nachspeise stehe in einer Reihe mit Qualitätsprodukten wie Wein, Mozzarella oder Parmaschinken, für die «Made in Italy» berühmt sei, so Chirra. Deswegen streite man sich so leidenschaftlich über ein einfaches Dessert.

Die Debatte kam so ins Rollen: Das Landwirtschaftsministerium hatte das Tiramisu auf der «Pat»-Liste Friaul-Julisch Venetiens genehmigt, nachdem die Region einen Antrag gestellt hatte. «Eine Schande» nannte das der Präsident der Region Venetien. Er will die Entscheidung anfechten und überprüfen lassen, ob bei der Vergabe sauber gearbeitet wurde. Rom ließ knapp und förmlich in einer Mitteilung verlauten, dass man lediglich «das geltende Gesetz angewandt hat».

In Wahrheit hatte die Regierung in Venetien verschlafen, selbst einen Antrag zu stellen, um die Herkunft des Tiramisus für sich zu entscheiden. Das wolle man nun nachholen, sagte ein Politiker der Region, um «wenigstens» den gleichen Status zu erhalten wie Friaul-Julisch Venetien. Es ist möglich, dass mehrere Regionen das gleiche Gericht in die Liste eintragen lassen. Die Speise muss dort lediglich seit mindestens 25 Jahren traditionell hergestellt werden.

Auch wenn die Italiener den Disput mit inbrünstiger Leidenschaft austragen, sei es kein rein italienisches Phänomen, sich über Essen zu zanken, sagt der Präsident des Deutschen Konditorenbundes , Gerhard Schenk. Jedes Land habe Rezepte, die es mit Stolz verteidige. So wie man sich in Deutschland darum streite, wer die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden habe, so sei das in Italien mit dem Tiramisu. «Den Kunden ist das sowieso egal, die wollen, dass es schmeckt», so Schenk.

Ob das Tiramisu nun aus Friaul-Julisch Venetien oder Venetien kommt, spielt für die Pompi-Geschäftsführerin Chirra keine Rolle. «Im Endeffekt ist das ein romantischer Zank und kein echter Streit.» Beide Regionen identifizieren sich mit einem Produkt, das auf der ganzen Welt beliebt ist. «Wir sollten uns mehr darauf konzentrieren, was wir Italiener als Land erreicht haben», so Chirra. Auf den Verkaufstüten bei Pompi steht deshalb: «Una storia italiana», eine italienische Geschichte.

Veröffentlicht am:
06. 10. 2017
16:10 Uhr

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dpa

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06. 10. 2017
16:10 Uhr



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