Topthemen: Fall Peggy KnoblochHofer Kaufhof wird HotelGerchRegionale Videos: Eisbaden, Robokids

 

Spargel und Fenchel aus dem Meer

Wenn der Meeresspiegel steigt, versalzen die Böden. Im Ökowerk Emden wird für ein internationales Forschungsprojekt erprobt, welche Pflanzen sich in salziger Umgebung anbauen lassen. Dabei kommt es auch auf den Geschmack an.



Queller
Die Pflanze Queller - auch Salicornia oder Meeresspargel genannt - in einem Gewächshaus im Ökowerk Emden.   Foto: Mohssen Assanimoghaddam » zu den Bildern

Schlick mal ganz anders: Manche schmieren sich den Matsch als glitschiges Peeling auf die Haut. Im ostfriesischen Emden landet der Schlick jedoch auf Gemüsebeeten. Darauf gedeiht die Pflanze Salicornia, besser bekannt als Queller oder «Meeresspargel».

Detlef Stang rupft eine Pflanzenspitze zum Probieren ab. Sie schmeckt frisch, leicht salzig und knackig - die ideale Salatzutat. «Queller eignet sich für Pesto, Chutney, für die Suppe oder auch als Deko auf belegten Brötchen», sagt Stang, «kürzlich haben wir damit gefüllte Rouladen angerichtet.»

Auf mehr als 50 Rezept-Varianten mit Queller kann Stang verweisen, doch der Geschäftsführer der Stiftung Ökowerk Emden hat kein Kochbuch im Sinn. Der Queller-Anbau in dem Umweltbildungszentrum ist der deutsche Beitrag für ein EU-Projekt, an dem sich weitere sechs Nordsee-Anrainerstaaten beteiligen. Bei SalFar (Saline Farming) geht es um die Frage, wie sich salztolerante Pflanzen wirtschaftlich sinnvoll anbauen und vermarkten lassen - und auch noch gut schmecken.

Dahinter steckt nicht allein kommerzielles Interesse, sondern ein bedrohliches Szenario: Wenn der Meeresspiegel durch den Klimawandel steigt, versalzen die Böden. Das betrifft in Europa vor allem Länder mit einer langen Küstenzone oder tief ins Land reichende Flüsse - also die Niederlande und Norddeutschland. Das Problem ist in der Wesermarsch schon bekannt, wenn etwa Salz- und Brackwasser in den Untergrund und ins Grundwasser vordringen.

Aber auch in heißen und trockenen Regionen der Erde wird Versalzung zur Bedrohung, weil durch künstliche Bewässerung die gelösten Salze im Boden zurückbleiben. Weltweit forschen daher Wissenschaftler an Nutzpflanzen, die das Gemüse von morgen werden könnten. In Schweden werden salzresistente Weizensorten getestet, in den Niederlanden geht es um Kartoffeln.

Die Universität Würzburg erforscht das getreideähnliche Quinoa aus Südamerika. Professor Rainer Hedrich und andere Pflanzenwissenschaftler setzen damit auf ein Gewächs, das von Natur aus salztolerant ist. «Unsere Kulturpflanzen sind aus jahrelanger Zucht hervorgegangen», erklärt Hedrich. In dieser Zeit habe der Mensch fast alle negativen Umwelteinflüsse von ihnen ferngehalten, so dass sie viel von ihrer natürlichen Widerstandskraft verloren haben. «Kommen diese Elitelinien mit zu viel Salz in Kontakt, gehen sie meist ein», sagt Hedrich.

Beim Rundgang durch das Ökowerk zeigt Stang auf eines der Anbaufelder mit Austernpflanzen oder auch Meeresbohnen. «Mögen Sie Fisch?», fragt Stang. Die bläulichen Blätter hinterlassen tatsächlich einen unerwartet fischigen Geschmack im Mund. Auch Eiskraut aus Namibia, Herzblattsalat aus Frankreich und Meerfenchel gedeihen in den Gewächshäusern.

Nebenan beginnt ein erster Düngeversuch mit Blasentang vom nahe gelegenen Ems-Ufer. Auf schwimmenden Flößen werden Pflanzenkästen erprobt. Manchmal richten darauf Wasservögel ihre Nester ein. «Wir machen Fehler, mancher Test geht daneben», sagt Stang, «aber irgendwas lernen wir immer dazu».

«Angesichts geringer Fördermittel hilft oft nur Ausprobieren, wie etwa im Emder Ökowerk», erklärt Professor Dirk Albach, der an der Universität Oldenburg die Evolution von Pflanzen untersucht. Die Probleme seien in vielen Regionen der Welt sehr unterschiedlich, wenn es etwa in Asien um die Entwicklung von wirtschaftlich bedeutenden Reissorten gehe: «Dort ist ein viel größerer Markt mit entsprechend höheren Forschungsmitteln», sagt Albach.

Veröffentlicht am:
17. 07. 2018
11:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Fenchel Forschungsprojekte Gemüse Julius-Maximilians-Universität Würzburg Meere Meeresspiegel Pflanzen und Pflanzenwelt Spargel
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Hafer

18.04.2018

Haferflocken wirken wie Medizin

Ob als Frühstücksflocken oder im vegetarischen Burger: Hafer ist ein echter Alleskönner. Das Getreide enthält eine bestimmte Art von Ballaststoffen, die den Blutzuckerspiegel in Schach halten. Und zur Hautpflege eignet s... » mehr

Eine Schwarzwurzel

19.12.2018

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

«Arme-Leute-Spargel» wird die Schwarzwurzel manchmal spöttisch genannt. Dabei ist die unscheinbare Wurzel eine leckere und gesunde Beilage im Winter. Und sie kann sogar beim Abnehmen helfen. » mehr

Gurken-Sorbet

20.12.2017

So werden Zucchini und Fenchel zum Dessert

Gemüse im Dessert ? das ermöglicht spannende Geschmackserlebnisse. Fenchel, Tomaten und Karotten funktionieren im Muffin genauso wie im Eis. Aber nicht jede Gemüsesorte eignet sich. » mehr

«Quiches»

28.11.2018

Eine Quiche gelingt auch Kochanfängern

Ein Boden aus Mürbeteig, die Masse aus Ei und Sahne, dazu etwas Gemüse, Speck oder Fisch - und schon ist der herzhafte Kuchen fertig? Fast! Zuvor braucht es noch rohe Erbsen oder Linsen. Doch der Genießer wird sie später... » mehr

Bohnensalat mit gebratenem Tofu

30.01.2019

Bratgut mit gemahlenen Nüssen oder Tortillachips panieren

Was beim berühmten Wiener Schnitzel als hohe Kunst gehandelt wird, gilt in der modernen Küche eher als ein bisschen fade: die klassische Panade aus Semmelmehl. Fisch, Fleisch oder Gemüse lassen sich raffinierter verpacke... » mehr

Monika Bischoff

28.01.2019

Was ist dran an diesen Mythen rund ums Essen?

Ist dunkles Brot gesünder als helles? Und darf man Spinat wirklich nicht aufwärmen? Manche Ernährungsmythen halten sich über Generationen, unabhängig vom Wahrheitsgehalt. Welche Regeln sind längst überholt - und welche h... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 07. 2018
11:03 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".