Lade Login-Box.
Topthemen: 30 Jahre GrenzöffnungBlitzerwarnerVER SelbGerch

 

Welchen Einfluss haben Lebensmittel auf das Liebesleben?

Ananas, Chili oder Muskatnuss: Es gibt Nahrungsmittel, die den Ruf haben, besonders luststeigernd zu wirken. Klingt verlockend und der Glaube daran schadet nicht. Die erotisierende Wirkung kann aber auch am Partner liegen.



Kochen fürs Liebesleben?
Aphrodisierende Lebensmittel sollen eine luststeigernde Wirkung haben. Wenn es auch schon beim Kochen funkt, könnte es auch am Partner liegen.   Foto: Zerocreatives/Westend61 » zu den Bildern

Verführung durch Obst und Gemüse? Kurbelt Naschen im Kräutergarten wirklich die körperliche Voraussetzung für den Akt der Liebe an? Ja, sagt Elvira Grudzielski. Sie ist kräuterkundig und hat das Buch «Sinnliche Rezepte für schöne Stunden» zusammengestellt.

Ihr zufolge ist Ananas die Spitzenreiterin in der Liebesküche. Sie sorge für gute Laune und rege an zu lustvollen Aktionen. Das gilt auch für lieblich süße Weintrauben, deren Zucker direkt ins Blut geht und Energie verleiht.

«Natürliche Potenzmittel»

Von Aphrodite - in der griechischen Mythologie die Göttin und Expertin für Liebe, Schönheit und sinnliche Begierde - ist das Wort «Aphrodisiakum» abgeleitet. Kräutern, Gewürzen oder Speisen wird erotisierende Wirkung zugeschrieben. «Es sind natürliche Potenzmittel», sagt Elvira Grudzielski aus Thüringen. Schon ihr Urgroßvater war Kräuterexperte und sie führt die Tradition fort.

«Der Griff ins Kräuterregal kann genauso viel bewirken wie die kleinen blauen Pillen», behauptet Grudzielski. Sie hat sich mit antiken Vorbildern und Bräuchen beschäftigt und erinnert an den Volksmund, der meint: «Muskatnuss im Wein und du bist mein.» Auch überliefert sei, dass Liebesgöttin Aphrodite vor einem Gastmahl die Tische mit frischer Minze habe einreiben lassen, um ein entspanntes, beschwingtes Miteinander zu fördern.

Spekulation und überliefertes Volkswissen

Danach dürfen wir uns Aphrodisiaka als wahre Alleskönner vorstellen, die schlaffe Glieder aufrichten, ermüdete Männlichkeit aus dem Schlaf wecken und sinnliches Vergnügen fördern. «Weltweit gibt es sicher mehrere Hundert Gewächse, denen eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird», bestätigt Johannes G. Mayer, Leiter der Forschungsgruppe Klostermedizin an der Uni Würzburg.

Ginseng und Chili, so vermutet Mayer, dürften die Hitliste anführen. Wir befinden uns hier im Bereich der Spekulation, des Glaubens und überlieferten Volkswissens. Der wissenschaftliche Beweis sei bislang nicht erbracht, erläutert der Experte.

Der Glaube daran hilft

Auch Ernährungswissenschaftler Uwe Knop, der sich als Buchautor gerne Mythen rund um die Ernährung vorknöpft, verweist darauf, dass der Teller ein Schmelztiegel der Emotionen sei. «Ohne Essen können wir nicht existieren. Ohne Sex können wir vielleicht existieren, aber dann ist das Leben sicher weniger schön», meint der Forscher.

Essen und Sex seien wunderbar und sollten genossen werden. Allerdings gibt es für Knop keine Gewissheit, dass Essen den Menschen gesund, energetisch oder sexuell attraktiv macht. Knop schließt nicht aus: Manchmal ist der Partner das eigentliche Aphrodisiakum.

Allein der Glaube an die Kraft des Krautes vermag Wirkung zeigen, vor allem wenn seelische Blockaden den Liebesgenuss hemmen. Medizinhistoriker Mayer berichtet, dass Männlein wie Weiblein schon im Mittelalter an die Klosterpforte klopften, um nach Stärkung aus dem Garten zu fragen.

Die Brennnessel galt als luststeigernd

Das «Macer floridus», ein Lehrgedicht aus dem 11. Jahrhundert, galt in Mitteleuropa als Standardwerk der Kräuterheilkunde. Bereits dort wird die Brennnessel als luststeigernd beschrieben. «Der Samen mit Wein genossen erregt die Liebeskraft, noch mehr sogar, wenn du die Pflanze reibst, mit Honig und Pfeffer vermischst und dann mit Wein trinkst», heißt es dort. Unter den Autoren der Klostermedizin warnt nur Hildegard von Bingen vor dem «Liebeszauber, den einige Pflanzen bewirken können, etwa bei Arnika und Benediktenkraut».

Bei manchen Gewächsen glaubten Kräuterkundige, aus der Gestalt der Pflanze oder Blüte auf eine luststeigernde Wirkung schließen zu können. «Spargel, Karotte und Meerrettich schienen daher allein durch ihre Wurzelform für den erotischen Bereich geschaffen», so Mayer. Aber wie gesagt, der Effekt lässt sich nicht belegen.

Veröffentlicht am:
13. 03. 2019
05:07 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ananas Ginseng Glaube Hildegard von Bingen Lebensmittel Liebesleben Liebeszauber Medizinhistoriker Potenzmittel Sex Wein
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Gute Küche mit Schwips

13.11.2019

Was mit dem Alkohol im Essen passiert

An viele Gerichte kommt Alkohol - mal ein Löffelchen, mal eine ganze Flasche. Dürfen Kinder und Schwangere trotzdem mitessen? Und welche Alternativen gibt es? » mehr

Orange-Wein

08.11.2019

Immer mehr Winzer spielen mit Orange-Wein

Sie gären auf der Maische und erhalten so einen besonderen Charakter. Diese Orange-Weine sind in Skandinavien begehrt. Auf dem deutschen Markt ist die Nachfrage verhalten. Ein Winzer spricht von einem «dezenten Hype». » mehr

Mocktails

15.10.2019

«Dies ist kein Gin»: Alkoholverzicht ohne Geschmacksverlust?

«Vir-Gin» - ein Wortspiel für alkoholfreien Gin. Doch eine dänische Firma mit einem Produkt dieses Namens ist längst nicht die einzige. Alkfreie Spirits scheinen angesagt. Wird das Leben jetzt gin-los? » mehr

Roter Naturwein

01.10.2019

Die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit

Man sieht sie immer häufiger in Weinläden und auf Speisekarten: Naturweine aus Deutschland. Seit etwa zehn Jahren werden sie nach alter Tradition angebaut. Kenner sagen, man kann damit Spaß haben. » mehr

Fleischersatz

13.08.2018

Wie gesund sind vegane Lebensmittel?

Es sieht aus wie Fleisch, ist es aber nicht. Tierfreie Schnitzel und Würste erobern die Supermarktregale. Sie versprechen gesunden Genuss ohne Reue. Doch hemmungslos zulangen sollte man auch bei ihnen nicht. » mehr

Wein 2018

10.09.2019

2018er Weine ringen um Raffinesse und Spritzigkeit

Wenn es heiß wird in den Weinbergen, schießt der Zuckergehalt in den Trauben hoch. Das Ergebnis sind eher schwere Weine. Der 2018er liegt beim Alkoholwert dann schon mal über 15 Prozent. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
13. 03. 2019
05:07 Uhr



^