Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 54. Hofer Filmtage75 Jahre FrankenpostCoronavirusJubiläumsgewinnspielBlitzerwarner

 

Cybermobbing großes Thema unter Teenagern

Das Mobbing unter Schülern hat laut einer neuen Studie an Härte zugenommen. Besonders gezielt erfolgten Attacken heute per Handy - über Chatdienste.



Cybermobbing
Schüler gehen in den Chatdiensten immer rauher miteinander um. Das zeigt eine Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing.   Foto: Armin Weigel/dpa

Beschimpfungen, Lügen und Erpressungsversuche: Cybermobbing ist laut einer neuen Studie weiterhin ein ernstes Problem für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Rund jeder achte Befragte (13 Prozent) zwischen 10 und 21 Jahren gab an, schon Opfer von gezielten Attacken über das Internet gewesen zu sein, wie das Bündnis gegen Cybermobbing mitteilte. Für die neue Studie wurden neben Eltern und Lehrern rund 1500 Schüler per Fragebogen interviewt.

«Der Terror beginnt heute schon in der Grundschule», sagt Uwe Leest, Vorstand des Bündnisses. Im Vergleich zur ersten Studie 2013 sei der Anteil zwar von 16,6 Prozent auf 13 Prozent leicht gesunken. Heute erfolgten die Angriffe aber oft gezielter und härter.

Fast jeder siebte Schüler gab in der Umfrage zu, selbst schon einmal andere über Internet-Kanäle gemobbt zu haben. «Mädchen werden beim Cybermobbing oft als Schlampen diffamiert und Jungen in die Homosexuellen-Ecke gedrängt», sagt Catarina Katzer, Leiterin des Instituts für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln. Die Dramatik zeige sich daran, dass jeder fünfte befragte Schüler im Zusammenhang mit dem Mobbing aus dem Netz schon einmal an Suizid gedacht habe. Das Bündnis fordert deshalb ein Gesetz gegen Cybermobbing, ein Schulfach Medienerziehung und mehr Selbstkontrolle der Online-Anbieter.

Ausgewählte Ergebnisse der Studie im Überblick:

MOBBING: Rund jeder Vierte der befragten Schüler klagt generell über klassische Mobbing-Attacken bis hin zu Rufschädigung, Ausgrenzung und das mutwillige Zerstören von Besitztümern. 13 Prozent davon beschreiben gezieltes Cybermobbing. Dazu zählen sie das Verbreiten von Lügen und Gerüchten, das Veröffentlichen privater Fotos, Erpressungsversuche und Fake-Profile. In letzterem Fall agieren Täter im Namen ihrer Opfer und stellen sie bloß - meist mit anstößigen Inhalten. Rund jeder fünfte Täter (20,4 Prozent) war laut Studie vorher selbst von Cyberattacken betroffen. Die meisten Fälle gab es an Berufsschulen (26 Prozent), Hauptschulen (16 Prozent) und Realschulen (14 Prozent).

MOTIVE: Fast die Hälfte der Täter begründet Mobbing als Reaktion, etwa «weil ich Ärger mit der betreffenden Person habe». Ein knappes Fünftel schwört Rache für ein anderes Mobbing-Opfer, ein weiteres Fünftel betreibe das Mobbing «nur zum Spaß». Rund jeder Zehnte mobbt wegen schlechter Laune, aus Langeweile, «weil andere das auch machen» oder «weil es cool ist».

REAKTIONEN: Fast zwei Drittel der Opfer fühlen sich von Cybermobbing verletzt (62 Prozent), knapp die Hälfte reagiert «wütend» (47 Prozent). Rund ein Drittel verspürt Angst (36 Prozent). Lehrer beobachteten bei Cybermobbing-Opfern neben gedrückter Stimmung und Angstzuständen einen Leistungsabfall, Konzentrationsprobleme, Verschlossenheit, häufiges Fehlen im Unterricht sowie Kopf-und Magenschmerzen.

HILFE: Mobbingopfer erwarten sie in erster Linie von ihren Eltern und Freunden. Mehr als ein Drittel (42 Prozent) wünscht sich aber auch mehr Aufklärung und Unterstützung in der Schule, etwa mit Anti-Mobbing-Teams. Bisher gab es bei einem Drittel der Schulen, die die befragten Jugendlichen besuchen, Verhaltenstraining bei Cybermobbing. Feste Teams gab es nur an jeder siebten Schule. Jeder zehnte befragte Lehrer hält Cybermobbing nicht für ein gravierendes Problem.

KONTROLLE: Eltern unterschätzen die Zeit, die ihre Kinder im Netz verbringen. Während Schüler durchschnittlich angeben, pro Tag drei Stunden im Netz zu surfen, gehen ihre Eltern von 2,4 Stunden aus. Nur zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen berichten, dass ihre Eltern ein wachsames Auge auf ihre Internet-Aktivitäten haben.

Veröffentlicht am:
16. 05. 2017
16:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Angststörungen Chat Cyber-Attacken Eltern Mobbing Schüler Verbrecher und Kriminelle
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Gewalt in der Kindeheit

02.10.2020

Probleme im Elternhaus machen oft psychisch krank

Depression, Angst, Aggressivität - etliche Menschen in Deutschland leiden unter psychischen Problemen, weil sie als Kind belastende Erfahrungen gemacht haben. Misshandlungen sind bei weitem nicht das einzige Problem. » mehr

Controller einer Spielekonsole

29.07.2020

Medienfreie Zeit tut Eltern und Kind gut

Spielen, Chatten, Videos anschauen: Kinder können sich stundenlang online beschäftigen. Eltern gefällt das nicht immer. Wie kann ein guter Deal mit dem Nachwuchs in Sachen Internetnutzung aussehen? » mehr

Senior zu Hause

12.10.2020

Forscher: Durch Corona droht «Epidemie der Einsamkeit»

Ein wichtiges Mittel gegen die Ausbreitung des Coronavirus ist Abstand halten. Es hat aber erhebliche Nebenwirkungen, vor allem für ältere Menschen. Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski warnt vor einer «Epide... » mehr

Abstandspflicht

17.07.2020

Älteren durch die Corona-Zeit helfen

Besuche in Seniorenheimen oder Krankenhäusern sind aufgrund von Corona teils nur eingeschränkt möglich. Für viele Ältere ist das eine große Belastung - umso mehr freuen sie sich über jede Geste. » mehr

Elfie Donnellys

15.11.2019

Das lernen Kinder von Elfie Donnellys neuer Figur

Seit 42 Jahren trötet Benjamin Blümchen durchs Kinderzimmer. Jetzt will seine Erfinderin mit Draculino Kinderherzen erobern. Was ihn bewegt und was beim Hörbuchhören zählt, erklärt Elfie Donnelly. » mehr

Senioren in der Corona-Krise

15.04.2020

Wie Senioren mit der Corona-Krise umgehen

In der Corona-Krise gelten Alte und Vorerkrankte als Risikogruppe. Vor allem in Pflegeheimen werden sie nun besonders isoliert und dürfen nur in Ausnahmesituationen raus. Doch was macht das mit den Menschen? Ein Senior e... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
16. 05. 2017
16:15 Uhr



^