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Netzwerk will den Geschwistern psychisch Kranker helfen

Wenn Kinder psychisch krank werden, leidet darunter die ganze Familie. Geschwisterkinder geraten dabei oft aus dem Fokus. Mit einem neuen Netzwerk wollen Betroffene auf dieses Problem aufmerksam machen und Austausch anbieten.



Kind
Der neue Verein will die Geschwister psychisch erkrankter Menschen unterstützen. Oft sind auch sie großen Belastungen ausgesetzt.   Foto: Nicolas Armer

Ein neues überregionales Netzwerk will Geschwistern psychisch erkrankter Menschen helfen. Die Betroffenen müssten mit vielen Widersprüchen klarkommen, empfänden gleichzeitig Wut, Trauer und Zuneigung gegenüber dem kranken Geschwisterkind.

Das erklärte Gründungsmitglied Reinhard Peukert vor einem so genannten Geschwistertreffen in Kassel. Die Geschwister fühlten sich oft schwach, müssten aber stark sein, weil die Aufmerksamkeit der Eltern dem kranken Bruder oder der kranken Schwester gelte. Daher gebe es einen großen Anteil von Geschwistern, die selbst Störungen entwickelten. Bisherige Hilfsangebote richteten sich eher an die Eltern psychischer Kranker.

Peukert ist emeritierter Professor für Sozial- und Gemeindepsychiatrie sowie selbst Betroffener. In Kassel will sich das «Netzwerk von Geschwistern psychisch erkrankter Menschen» am 10. November beim Landeswohlfahrtsverband treffen und einen Verein gründen. Der soll Betroffenengruppen unterstützen, Fördergeld generieren und wissenschaftliche Begleitung ermöglichen. Laut Peukert wird die Zahl der Geschwister psychisch Kranker in Deutschland auf zwei Millionen geschätzt.

Welcher Belastung die Geschwister ausgesetzt sein können, schildert eine 48-jährige Betroffene aus Kassel. Sie wuchs mit einem Bruder auf, der eine schwere und chronische Schizophrenie hat. «Die Aufmerksamkeit der Eltern richtet sich auf das kranke Geschwister. Gleichzeitig entsteht die Erwartung an das gesunde, dass es besser läuft», sagt sie. Je früher die daraus resultierende Belastung des gesunden Kindes beginne und desto länger sie dauere, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene eigene Probleme wie zum Beispiel Angststörungen oder Traumafolgestörungen entwickelten.

Die Sorgen um den kranken Bruder belasten die 48-Jährige bis heute: Er nehme keine Medikamente, lebe auf der Straße, stehe manchmal bei der Mutter vor der Tür. Die Möglichkeit des Austauschs mit anderen Betroffenen habe sie 30 Jahre nicht gehabt. Es gebe bundesweit nur wenige Selbsthilfegruppen. Das neue Netzwerk, so ihre Hoffnung, werde das ändern.

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dpa

dpa

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Veröffentlicht am:
09. 11. 2018
10:53 Uhr

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09. 11. 2018
10:53 Uhr



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