Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimJubiläumsgewinnspiel "75 Jahre Frankenpost"WohnzimmerkunstBlitzerwarnerCoronavirus

 

Viele Frauen in Deutschland erleben zu Hause Gewalt

Die Täter wohnen meist im gleichen Haus. Zehntausende Männer schlagen und missbrauchen ihre Partnerinnen - bis zu einem gewaltsamen Tod. In den Frauenhäusern finden zu wenige Opfer Hilfe, sagt die Familienministerin.



Gewalt gegen Frauen
«Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort», sagte Frauenministerin Franziska Giffey.   Foto: Maurizio Gambarini

Jeden Tag versucht im Schnitt ein Mann in Deutschland, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu töten. Im vergangenen Jahr starben dabei 147 Frauen, wie aus Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, die Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) in Berlin vorstellte.

Hinzu kommen Tausende Fälle von Vergewaltigung, Körperverletzung, Stalking und sexueller Nötigung. «Für viele Frauen ist das eigene Zuhause ein gefährlicher Ort», sagte die SPD-Politikerin.

Fast 140.000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft wurden 2017 angezeigt. Die Zahlen seien höher als in den vergangenen Jahren, weil zusätzliche Kategorien erfasst wurden, sagte Giffey. In den älteren Kategorien blieben sie stabil. Nur jedes fünfte Opfer suche überhaupt Hilfe, so die Ministerin. Tatsächlich seien Hunderttausende betroffen - zu mehr als 80 Prozent Frauen, aber auch mehrere tausend Männer. «Die Zahlen sind schockierend», betonte Giffey.

Sie setzt sich für einen Ausbau der Hilfeangebote in Frauenhäusern ein. Derzeit könnten in den 350 Frauenhäusern und 600 Fachberatungsstellen pro Jahr 30.000 Frauen betreut werden. «Das reicht nicht», sagte Giffey. Im kommenden Jahr solle ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen starten, das Länder wie Kommunen beim Ausbau von Hilfsstrukturen unterstütze. Im ersten Jahr sollen 6,1 Millionen Euro fließen, im zweiten Jahr 35 Millionen Euro.

Betroffene Frauen können sich rund um die Uhr an ein Hilfetelefon wenden, das in 17 Sprachen anonym berät. Die Anrufe würden auf Telefonrechnungen nicht angezeigt, betonte Hilfetelefon-Leiterin Petra Söchting. So sollen die Anruferinnen vor Männern geschützt werden, die sie im Alltag überwachen.

Die BKA-Auswertung zeigt, dass Tatverdächtige in allen sozialen Schichten zu finden sind. Die meisten waren im vergangenen Jahr unter 40 Jahre alt sind. Rund zwei Drittel waren deutsche Staatsbürger, ein Migrationshintergrund wird nicht erfasst. «Häusliche Gewalt geht durch alle Gruppen», betonte Giffey. Generell sei die Gefahr höher, wenn Alkohol, Geldsorgen und psychische Probleme im Spiel seien. Doch auch in gut situierten Familien gebe es Fälle.

Die meisten Opfer lebten mit dem Täter zusammen, waren mit ihm verheiratet oder Lebensgefährten. Etwa ein Drittel war vom Partner getrennt - dabei wird nicht erfasst, ob sich die Frau trennte oder der Mann. Nach Einschätzung von Experten spielt das aber auch keine Rolle. Männer würden auch gewalttätig, wenn sie sich selbst von der Frau getrennt hätten, sie dann aber zum Beispiel mit einem anderen Mann sähen.

Mord und Totschlag fielen vor allem Ehepartner zum Opfer. Ehemalige Partner litten laut Statistik häufiger unter Bedrohungen, Stalking, Nötigung oder Freiheitsberaubung. «Es geht um Straftaten, die geahndet werden und für die die Täter zur Verantwortung gezogen werden müssen», sagte Giffey.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 11. 2018
12:22 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeskriminalamt Deutsche Frauen Familienminister Franziska Giffey Frauenhäuser Gewalt Männer Nötigung SPD Stalking Verbrecher und Kriminelle
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Gewalt an Frauen

25.11.2019

Mehr Frauen zeigen Gewalt durch Partner oder Ex-Partner an

Drohungen, Schläge, Vergewaltigung und sogar Mord - Hunderttausende Frauen werden jährlich Opfer von Gewalt durch ihre Ehemänner, Partner oder Ex-Partner. Künftig soll es mehr Hilfangebote für Betroffene geben. » mehr

Junge am Computer

05.06.2020

Jugendschützer warnen vor gefährlichen Mutproben im Netz

Für Mutproben waren Kinder und Jugendliche wohl schon immer empfänglich. Dass diese richtig gefährlich werden können, gilt auch für Challenges aus dem Netz. Darauf machen Jugendschützer aufmerksam. » mehr

Kindergeld und Kinderzuschlag

24.06.2020

Künftig weniger Papierkram für Eltern

Wenn Familien Nachwuchs bekommen, müssen sie sich durch viele Formulare kämpfen und verschiedene Behörden ansteuern, um an staatliche Leistungen wie Kindergeld zu kommen. Das soll sich ändern. » mehr

Häusliche Gewalt gegen Männer

15.05.2020

Häusliche Gewalt kann auch Männer treffen

Die Männer sind das starke Geschlecht, die Ernährer der Familie. So das gängige Klischee. Doch auch sie können Opfer von häuslicher Gewalt werden. Ein Betroffener erzählt, wie seine Partnerin ihn jahrelang quälte. » mehr

Häusliche Gewalt

22.04.2020

Zahl der Anrufe wegen häuslicher Gewalt gestiegen

Zu Beginn der Corona-Krise warten Experten eindringlich vor einem Anstieg der häuslichen Gewalt und des Missbrauchs in den eigenen vier Wänden. Im Familienministerium gibt es nun erste Hinweise, dass es wirklich so kommt... » mehr

Kindesmissbrauch. Symbolfoto.

03.04.2019

Mehr Kinder von sexualisierter Gewalt betroffen

In Deutschland werden jedes Jahr Tausende Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch registriert. Die Dunkelziffer ist hoch. Die akuten Folgen für die betroffenen Kinder sind schlimm, langfristig ist oft bis zu einem gewissen ... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
21. 11. 2018
12:22 Uhr



^