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Jedes vierte Produkt für Kinder mangelhaft

Vom Laufrad bis zum sprechenden Teddy: Für Kinderausstattung und Spielzeug geben die Deutschen immer mehr Geld aus, es ist ein Milliardenmarkt. Doch er birgt Gefahren - ausgerechnet für Kinder.



Katarina Barley
Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) mit Spielschleim in den Händen. Die Stiftung Warentest prüfte auch mehrere Slime-Produkte.   Foto: Christoph Soeder

Der «Tatort» zeigt, was alles passieren kann - meint jedenfalls die Stiftung Warentest. Eine «smarte» Puppe überredet in der jüngsten Folge ein Mädchen, einen Mann ins Haus zu lassen: angeblich der Weihnachtsmann, tatsächlich ein Mörder.

Digitale Spielzeuge zählen zu den neun Problemfällen im Labor der Warentester. Zwei Roboter und ein Teddy mit Sprachnachrichtenempfang fielen durch - wegen ungesicherter Funkverbindungen zum Handy. «Mit ihnen kann sich jeder Smartphone-Besitzer verbinden und das Kind abhören, ausfragen oder bedrohen», warnt Stiftungsvorstand Hubertus Primus.

Doch nicht nur Spielzeug, Kinderprodukte insgesamt sind nach den Tests besonders unsicher, egal ob Laufrad, Buntstift oder Kindersitz. In den zurückliegenden beiden Jahren fiel gut jedes vierte Produkt durch, vier Mal so viel wie insgesamt üblich. «Die Ergebnisse sind erschreckend», meint Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD). «Es ist die Verbrauchergruppe, die am verletzlichsten ist.»

Wie viel lassen sich die Deutschen Kinderprodukte kosten?

Vom Schnuller bis zum Schulranzen gaben die Menschen in Deutschland allein 2016 rund 7,2 Milliarden Euro für Kinderausstattung aus, wie das Institut für Handelsforschung Köln und die BBE Handelsberatung schätzen. Demnach ist der Markt seit 2011 jährlich um 1,9 Prozent gewachsen. Hinzu kommen nach Branchenangaben 3,1 Milliarden Euro für Spielzeug. Gründe: Die Ausgaben pro Kind legten zu. Und seit 2014 ist auch die Zahl der Kinder wieder gestiegen.

Wo lauern die Gefahren?

Zum Beispiel in Spielschleim, der gerade in vieler Kinder Hände ist. Fünf Packungen bestellte die Stiftung bei Amazon - keine hätte verkauft werden dürfen, sagt Primus. Weil sie zwei bis drei Mal mehr Bor enthielten als erlaubt. Das Halbmetall könne Erbrechen und Krämpfe auslösen. Krebs- und allergieauslösende Stoffe fanden sich in Stiften, Buggys, Kindersitzen, selbst in Erstspielzeug wie Kinderwagenketten, die Babys ganz sicher in den Mund nehmen.

Schadstoffe sind das häufigste Problem, aber nicht das einzige. Jeder zweite Kinderhochstuhl fiel durch, weil Kinder unter dem Haltebügel hindurch hinausrutschen können und womöglich mit dem Kopf hängen bleiben. Anschnallgurte an Fahrradsitzen ließen sich kinderleicht öffnen, Baby-Webcams warnten nicht, wenn die Verbindung abbricht.

Das betrifft doch nur Billigware aus China, oder?

Nicht unbedingt. «Man kann nicht eindeutig sagen: Spielzeug aus Europa ist grundsätzlich besser als das aus Fernost», sagt Untersuchungsleiter Holger Brackmann. «Es gibt bei beiden Gutes und Schlechtes.» Und immer wieder ergeben Tests, dass das teuerste Produkt nicht immer das beste ist. Schädliche Flammschutzmittel etwa fanden sich auch im Griff eines Kinderwagens für mehr als 1000 Euro.

Warum schneiden Kinderprodukte so schlecht ab?

Ministerin Barley vermutet: «Bei Produkten spielt immer der Preis eine Rolle. Es wird immer die Hersteller geben, die sparen an der Sicherheit, um einen niedrigeren Preis anbieten zu können.» Der Markt ist nach Beobachtung der Stiftung auch sehr umkämpft.

Dass die Warentester oft das Etikett «mangelhaft» vergeben, liegt aus Sicht der Spielwarenindustrie auch an den Prüfkriterien der Stiftung. Sie gingen oft über die gesetzlichen Vorgaben hinaus, an denen sich die Hersteller aber orientieren. Durchfallen kann ein Produzent auch, wenn er wie zuletzt etwa ein Bettzubehör-Anbieter von - nicht verbindlichen - DIN-Normen abweicht, um eine Matratze zu verbessern.

Was unternimmt die Politik?

Die Stiftung dringt auf strengere Vorgaben. Für alle Kinderprodukte sollten ähnlich hohe Standards gelten wie sie die EU als Richtlinie für Spielzeug ausgegeben hat. Dem schließt sich die Verbraucherministerin an. Zugleich lässt sie aber erkennen, dass auf nationaler Ebene nicht viel zu machen sei. Kontrollen seien nur in Stichproben möglich, zuständig ohnehin die Länder. «Gerade bei Kinderprodukten haben wir eine so große Zahl an Neuerscheinungen jedes Jahr, das ist flächendeckend überhaupt nicht zu kontrollieren.»

Was kann man jetzt noch kaufen?

Die Stiftung testet nur sehr weniger Produkte. Im Kaufhaus wie im Netz sollten Kunden deshalb auch auf das GS-Zeichen achten, rät Warentest-Vorstand Primus. Es belegt «Geprüfte Sicherheit», wenn es ein externer Prüfer dem Hersteller bescheinigt - anders als beim CE-Zeichen, mit dem nur der Hersteller selbst erklärt, dass er die Vorschriften einhalte. Wer im Laden einkauft, sollte auch darauf achten, ob ein Produkt stark riecht und ob es sorgfältig verarbeitet ist. Primus: «Es wäre besser, wenn der Verbraucher ein wenig mitwirkt, indem er nicht jeden billigen Schrott kauft.»

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dpa

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Veröffentlicht am:
06. 12. 2018
16:17 Uhr

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06. 12. 2018
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